Währenddessen waren die übrigen fünf in die Küche gegangen. "Was gibt es denn zu essen?", fragte Ron. Hermine und Ginny verdrehten die Augen. Ron dachte wirklich immer nur an das Eine, und das war nicht Sex.
Sirius störte das offenbar nicht, auch er aß gerne und viel. "Wie wär's mit Pizza?", fragte er in die Runde. "Das ist ein fantastisches Muggelessen, man legt einen Teig auf ein Blech und belegt ihn mit allen möglichen Zutaten, was einem gerade so einfällt. Und das ganze wird dann gebacken." Alle vier stimmten zu. "Super!" Sirius war ganz aufgeregt und zählte auf, was sie brauchten. "Also Wasser, Mehl, Hefe, und ein bisschen Salz und Zucker für den Teig hab ich hier. Wer von euch will schon mal Tomaten und Paprika und so aus dem Gewächshaus holen?"
"Das machen wir", sagte Lily schnell und zog die verdutzte Ginny aus dem Raum. "Erzähl mir was über dich und Harry", forderte Lily Ginny auf, als sie im Gewächshaus angekommen waren. "Wie seid ihr zusammengekommen?"
Ginny grinste. "Darum also sollte ich mitkommen. Du willst mich nur über Harry ausquetschen."
Lily errötete. "Nein! Also, ja, schon. Aber ich weiß so wenig über ihn und über sein Leben. Ich bin doch seine Mutter! Da will ich doch ein bisschen über ihn wissen."
"Ist ja gut, Lily!", beruhigte Ginny sie, "Das war doch nur ein Witz. Ich erzähl es dir ja." Lily strahlte und Ginny redete weiter.
"Also, zum ersten Mal gesehen habe ich ihn, als ich zehn Jahre alt war; er reiste zum ersten Mal nach Hogwarts. Schon da war er mein Held. Du musst wissen, dadurch, dass er Voldemorts Angriff überlebt hatte, ist er ziemlich berühmt geworden und ich hatte viel von ihm gehört. Natürlich entsprach kaum etwas davon der Wahrheit, aber das wusste ich ja nicht. Ich stand also mit meiner Mutter und vier meiner Brüder vor dem Tor zum Gleis 9 3/4. Ron fuhr an dem Tag auch zum ersten Mal nach Hogwarts. Auf einmal kam ein Junge mit verstrubbelten schwarzen Haaren und kaputter Brille zu uns und fragte Mum, wie man zum Gleis kommt. Schon da war ich von seinem Anblick fasziniert, obwohl ich nicht wusste, wer er war. Als ich später hörte, dass es Harry Potter war, wollte ich ihn unbedingt noch einmal sehen, aber Mum hat es mir verboten. Ron freundete sich mit Harry an und ich schwärmte immer mehr für diesen Jungen, den ich eigentlich gar nicht kannte. In den Sommerferien im folgenden Jahr war Harry bei uns zu Besuch. Ich war so nervös, dass ich nie ein Wort herausgebracht hab, wenn ich ihn sah. Mir passierten immer peinliche Missgeschicke. Harry tat höflicherweise so, als bemerke er sie nicht, aber für mich wirkte es so, als bemerke er mich überhaupt nicht. Er interessierte sich auch nicht besonders für mich, ich war ja nur die kleine Schwester seines besten Freundes. Als Harry mir am Ende des Schuljahres das Leben rettete – lange Geschichte; würde ich sie jetzt erzählen, würden wir vorher verhungern – verstärkte sich meine Verliebtheit noch weiter. Er bemerkte mich aber weiterhin nicht. So ging auch mein zweites Jahr vorüber, bis Hermine mir sagte, ich solle mich in seiner Gegenwart doch mal lockerer geben, mehr ich selbst sein. Ich folgte ihrem Vorschlag und fing eine Beziehung mit einem anderen Jungen an. Endlich konnte ich mich unbeschwert mit ihm unterhalten und irgendwann sah er auch in mir etwas anderes als nur die kleine Schwester seines besten Freundes. Es entwickelte sich eine eigene Freundschaft zwischen uns. Trotzdem ertrug ich es nur schwer, als er seinerseits in ein Mädchen verliebt war und sich mit ihr traf.
In meinem fünften, Harrys sechstem Schuljahr, ich war inzwischen mit einem anderen Jungen zusammen, bekam ich langsam das Gefühl, dass er eifersüchtig reagierte. Ich wollte ihn ein wenig zappeln lassen, auch als Strafe dafür, dass er mich so lange hatte warten lassen." Ginny grinste leicht. "Ich suchte immer wieder seine Nähe, streifte leicht seine Arme oder Beine und es machte ihn wahnsinnig.
Eines Tages war das entscheidende Quidditchspiel der Saison. Ich war Jägerin und Harry war eigentlich Mannschaftskapitän. An dem Tag jedoch hatte ihm ein Lehrer Nachsitzen aufgebrummt. Also musste ich an Harrys Stelle Sucherin spielen. Ich fing den Schnatz, wir gewannen das Spiel und den Pokal. Wir feierten gerade im Gemeinschaftsraum, als Harry plötzlich durch das Porträtloch kletterte. Ich rannte mit dem Pokal in den Händen auf Harry zu, schlang meine Arme um ihn und wir küssten uns."
Ginny blickte leicht verträumt auf die Paprika, die sie gerade gepflückt hatte, aber eigentlich blickte sie darüber hinaus. Auch Lilys Augen leuchteten.
"Also seid ihr jetzt seit eineinhalb Jahren zusammen?"
Ginny schüttelte den Kopf. "Nein. Wir waren da nur wenige Wochen zusammen. Dann wurde Dumbledore getötet. Harry, dem Dumbledore zuvor alles über die Horkruxe erzählt hatte, beschloss, nicht nach Hogwarts zurückzukehren, sondern die Horkruxe zu suchen. Um mich vor Voldemort zu schützen, machte er Schluss. Er wollte nicht riskieren, dass Voldemort mich als Köder oder als Geisel missbraucht."
Lily sah Ginny entsetzt an, doch diese redete weiter. "Ich war zunächst sehr enttäuscht, aber letztendlich hatte Harry nicht unrecht. Im folgenden Schuljahr hatte Voldemort die Macht übernommen und drei Todesser als Lehrer eingesetzt. Für die wäre es ein Leichtes gewesen, mich an Voldemort auszuliefern. Im Mai dann kam es zu der entscheidenden Schlacht. Am Ende der Schlacht war Voldemort tot und wir waren frei. Leider war für mich die Freude nicht ungetrübt. Ich hatte in der Schlacht einige Freunde und auch meinen Bruder Fred verloren. Ein paar Tage ließ ich niemanden an mich ran. Harry dagegen gab sich selbst die Schuld am Tod der vielen Menschen."
"Warum das denn?", unterbrach Lily bestürzt.
Ginny hob die Schultern. "Weil es Harry ist. In manchen Dingen ist er fürchterlich stur. Er glaubte immer, er müsste allen Gefahren allein entgegentreten und er gab sich die Schuld daran, dass seine Freunde gestorben sind, während Voldemort auf der Suche nach ihm war. Naja, nach Freds Beerdigung haben wir uns ausgesprochen und seitdem sind wir wieder zusammen."
Ginny beendete ihren Bericht und sah überrascht, dass Lily weinte. "Was ist denn los, Lily?"
"Harry musste all diese schrecklichen Dinge durchmachen und ich als seine Mutter habe ihm niemals helfen können! Ich bin die schlechteste Mutter der Welt!" Sie sank weinend zu Boden.
Ginny kniete sich dazu und nahm sie in den Arm. "Rede doch keinen Unsinn, Lily! Du bist eine wunderbare Mutter! Du würdest lieber sterben, als zuzulassen, dass Harry etwas geschieht. Und du hast ihm sehr wohl geholfen. Immer, wenn er verzweifelt war oder den Mut verloren hatte, hat er sich ein Album mit Fotos von euch angesehen. Gerade im Angesicht Voldemorts haben ihm die Gedanken an euch Kraft gegeben."
Sie zog Lily auf die Beine. "Und nun komm. Die anderen fragen sich sicher schon, wo wir bleiben."
Lily strahlte auf einmal wieder. "Ja, du hast recht. Komm, Ginny, wir wollen die doch mal nicht verhungern lassen!" Und sie hüpfte regelrecht aus dem Gewächshaus in Richtung Haus. Ginny wunderte sich ein wenig über den plötzlichen Stimmungsumschwung, folgte ihr dann aber mit dem Tomaten, Paprika und einer Ananas auf dem Arm in die Küche.
Die drei Männer waren inzwischen auch in der Küche angekommen und Klein-Harry sowie Teddy saßen in zwei Hochstühlen daneben. Ron, Hermine und Sirius hatten inzwischen einen Pizzateig geknetet, der nun wegen der Hefe etwas ruhen musste. "Wo wart ihr so lange?", fragte Sirius die beiden Neuankömmlinge. "Wir dachten schon, die fleischfressende Venemosa Tentacula hätte euch verspeist."
"Mach dir keine Hoffnungen, Black", sagte Lily vergnügt. "So schnell wirst du uns nicht los. Wir haben uns nur ein wenig unterhalten."
Harry grinste sie verschmitzt an. "Ich nehme mal an, dass ich das zentrale Thema dieser Unterhaltung war?"
Lily wirkte überrascht. "Woher weißt du das?"
Harry lächelte. "Nun, wenn ich auf einmal meinem Kind aus der Zukunft gegenüberstehen würde – nicht, dass ich mir je darüber Gedanken gemacht hätte – dann würde ich versuchen, mich aus einer zuverlässigen Quelle über dieses Kind zu informieren. Und welche Quelle wäre zuverlässiger als Ginny?"
Lily nickte verdutzt. "Du hast recht. So in etwa sahen meine Überlegungen aus. Du scheinst mir ähnlicher zu sein, als es aussieht."
Harry lachte. "Ich habe jedenfalls nicht nur die Augen von dir."
"Sag mal, Harry", begann jetzt Sirius, "spielst du eigentlich Quidditch? James hat immer gewettet, dass sein Sohn eines Tages auch für Gryffindor Quidditch spielen würde. Ich war nicht so überzeugt davon, weil du ja auch Lilys Gene in dir trägst. Autsch, Lily!" Er rieb sich den Arm, nachdem Lily ihn mit der Ananas beworfen hatte. "Krone! Deine Frau schlägt mich! Sag ihr, dass sie das lassen soll."
James lachte. "Das hast du dir auch redlich verdient, Kumpel! Niemand beleidigt ungestraft meine Lily." Er küsste seine Frau zärtlich auf den Mund. Sirius wandte sich gespielt schmollend ab.
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Halloween Time Travel
FanfictionHarry, Ron, Hermine, Ginny und Teddy besuchen nach dem Krieg an Halloween 1998 Lilys und James' Grab. Plötzlich reisen sie in der Zeit zurück und landen im Wohnzimmer der Potters - ausgerechnet an Halloween 1981. Können sie gemeinsam Voldemorts Angr...
