Am 11. August hatte Ginny Geburtstag. Sie wurde 18 und ihr jüngeres Selbst hatte ihr erstes Lebensjahr vollendet. Ginny hatte beschlossen, dass es in letzter Zeit genug Familienfeiern gegeben hatte und wollte ihren Geburtstag nicht groß feiern. Trotzdem hatten Molly und Arthur sie, Ron und auch Harry und Hermine für den Tag in den Fuchsbau eingeladen.
Alle vier hatten kleine Präsente für Klein-Ginny dabei, ein Bilderbuch, ein magisches Spielzeug und Harry brachte ihr seinen ersten Spielzeugbesen mit, für den Klein-Harry inzwischen zu groß geworden war. Molly war erst vollkommen entsetzt bei der Vorstellung, dass ihre kleine Tochter fliegen sollte, doch Ginny lachte nur über diese Überängstlichkeit. Schließlich war bekannt, dass solche Spielzeugbesen absolut sicher waren; das Kind konnte nicht hinunterfallen und auch vor Wänden oder sonstigen Hindernissen bremste der Besen automatisch ab. Klein-Ginny schien auch keine Angst vor dem Fliegen zu haben, sondern flog fröhlich lachend ein paar Runden durch Küche und Wohnzimmer.
Wieder eine Woche später war Lilys und James' dritter Hochzeitstag, den sie aber nicht groß feierten. Nichtsdestotrotz freute sich Lily über den großen Blumenstrauß, den James am Morgen auf ihren Platz am Frühstückstisch gestellt hatte und Harry hatte so eine Ahnung, dass sie beleidigt gewesen wäre, wenn ihr Mann ihr nichts geschenkt hätte. So aber fand sie im Blumenstrauß versteckt ein Kästchen mit einem feinen Goldarmband, dass sie sich sogleich anlegte. So neigte sich der August langsam dem Ende zu. Remus hatte in den letzten Wochen schon oft nach Hogwarts reisen müssen, um das kommende Schuljahr mit vorzubereiten. Am 22. August dachte Ginny mit einem Anflug von schlechtem Gewissen daran, dass heute Percy Geburtstag hatte und sechs Jahre alt wurde, ohne von ihr oder Ron ein Geschenk zu erhalten. Andererseits, dachte sie, hat er das in der Vergangenheit ja auch nicht.
Am gleichen Tag fand in Brasilien ein sportliches Großereignis statt. Die vierhundertneunzehnte Quidditch-Weltmeisterschaft wurde in dem südamerikanischen Land ausgetragen und an diesem Sonntag trat im Finale der Gastgeber gegen England an. Beide Mannschaften wurden etwa gleichstark eingeschätzt, wobei die Brasilianer natürlich ihren Heimvorteil ausspielen konnten. Brasilien hatte im Halbfinale Deutschland ausgeschaltet*, die mit einer gemeinsamen Mannschaft aus Ost und West angetreten waren. Überhaupt war die deutsche Teilung in der magischen Welt nur sehr unvollständig vollzogen. England hatte sich im Halbfinale gegen Spanien durchgesetzt hatte. Auch zuvor schon hatten beide Mannschaften namhafte Gegner besiegt.
Da sie alle arbeiten mussten oder in der Ausbildung steckten, kam es für keinen der Bewohner der Löwenhöhle oder des Hundezwingers in Frage, zum Finale nach Brasilien zu reisen. Da in der magischen Welt auch Fernseher nicht zum Einsatz kamen, blieb ihnen nur, das Spiel an den Radios im Magischen Rundfunk zu verfolgen. Unter Führung ihres Kapitäns Ludo Bagman schafften es die Engländer schnell, einen Vorsprung herauszuspielen. Bagman war eindeutig ein Treiber von Weltformat und so schaffte er es häufig, den gegnerischen Jägern gezielt den Quaffel aus der Hand zu schlagen. Die englischen Jäger waren sehr gut aufeinander eingestellt und trafen regelmäßig.
Nach zwanzig Minuten aber waren auch die Brasilianer auf Betriebstemperatur und so blieb der Vorsprung der Engländer über längere Zeit recht konstant um die fünfzig Punkte. Es sah so aus, als würden die Sucher das Spiel entscheiden. Der Radiokommentator vermochte es, die Spielzüge anschaulich zu beschreiben und die Spannung rüber zu bringen. Einmal überschlug sich seine Stimme fast, als er beschrieb, wie die brasilianische Jägerreihe den Quaffel über mehr als zehn Stationen innerhalb von zehn Sekunden in einen der Ringe der Engländer beförderte. Es war ihm anzuhören, dass ihn die Spielzüge der Gastgeber begeisterten, auch wenn er eigentlich für England war. Nach knapp zwei Stunden dann entdeckten beide Sucher gleichzeitig den Schnatz, der neben dem rechten Torring der Brasilianer schwebte.
Der brasilianische Sucher Moreira hatte zunächst einen kleinen Vorsprung, dann aber schlug Ludo Bagman innerhalb von zwei Sekunden beide Klatscher in seine Richtung. Dem ersten konnte er noch ausweichen, doch wurde er vom zweiten sehr hart an der Schulter getroffen. Er taumelte, machte eine Rolle auf dem Besen und konnte sich gerade noch in der Luft halten, während sein linker Arm in merkwürdigem Winkel abstand. Der englische Sucher, Thompson, nutzte dies aus und schoss an Moreira vorbei, ehe der sich auf seinem Besen stabilisiert hatte. Moreira gab zwar alles und jagte Thompson hinterher, aber er hatte keinen Erfolg. Der englische Sucher war schon kurz vor den brasilianischen Torstangen in den Sturzflug gegangen, da sich der Schnatz ebenfalls nach unten verabschiedet hatte und er fing den kleinen goldenen Ball knapp oberhalb der Grasnarbe.
Der Schiedsrichter beendete das Spiel mit einem Pfiff und England hatte Brasilien mit 470:280 geschlagen. England war Weltmeister! Zum ersten Mal seit fast zweihundert Jahren, wie der Radiokommentator jubelnd mitteilte. Auch in der Löwenhöhle wurde dieser Sieg gefeiert und am Abend wurden große Mengen an Butterbier vernichtet.
Am Morgen des 29. Augusts flatterte eine Eule in die Löwenhöhle mit einem Brief von Alice und Frank Longbottom. Sie berichteten stolz von der Geburt ihrer Tochter Sarah Augusta Longbottom, die am Vortag um 16.24 Uhr das Licht der Welt erblickt hatte. Des Weiteren baten sie Lily in dem Brief, das Patenamt für Sarah zu übernehmen. Die zukünftige Patin freute sich sehr darüber und besuchte noch am gleichen Tag Alice im St. Mungo. Es hatte bei der Geburt einige Komplikationen gegeben. Das Mädchen war per Kaiserschnitt zur Welt gekommen und daher musste Alice noch ein paar Tage im Hospital bleiben, auch wenn die Wunde dank Zauberei innerhalb von Sekunden und ohne eine Narbe wieder zugewachsen war.
Am 1. September begann das neue Schuljahr in Hogwarts. Am nächsten Tag kam Errol in die Löwenhöhle geflattert und Molly informierte sie, dass Bill im Haus Gryffindor gelandet sei, was auch niemanden verwunderte. Remus war zu Schuljahresbeginn gar nicht erst nach Hogwarts gereist, da am 3. September Vollmond war. So hatte er in Abstimmung mit Albus entschieden, erst nach dem ersten Wochenende nach Hogwarts zu kommen. So konnte Albus seine Abwesenheit mit einer verlängerten Forschungsreise erklären.
Der September verging und so langsam wurde das Wetter ungemütlicher. Zumindest in Hogwarts, wie Remus berichtete, als er wieder einmal am Wochenende in der Löwenhöhle zu Besuch war. Er berichtete, dass Bill Weasley gut in der Schule zurechtkomme und dass Verteidigung gegen die dunklen Künste sein Lieblingsfach war. Das traf aber auf viele Schüler zu und lag, wie Harry vermutete, zum großen Teil am Lehrer.
An diesem Wochenende war aber nicht nur Remus in der Löwenhöhle; Hermine hatte neben Sirius und Remus auch Julia, Sam und Oliver zu ihrem Geburtstag eingeladen. Sie wurde 20, was bedeutete, dass ihr jüngeres Selbst zugleich ihren dritten Geburtstag feierte. Klein-Hermine nannte Lily und James inzwischen ganz selbstverständlich Mummy und Daddy und diese kümmerten sich um sie mit der gleichen Liebe, die sie auch ihren drei leiblichen Kindern zuteilwerden ließen.
Das kleine Mädchen war inzwischen in der "Warum?-Phase", stellte den ganzen Tag eine Warum?-Frage nach der anderen und Lily und James, aber auch die anderen versuchten mit einer Engelsgeduld, jede ihrer Fragen möglichst ehrlich, aber auch kindgerecht zu beantworten, was manchmal gar nicht so einfach war. Sie stellte auch hin und wieder Fragen zu ihren leiblichen Eltern, von denen ihr Lily und James viel erzählt hatten, die sie allerdings nicht Mum und Dad, sondern Mary und Martin nannte.
Naturgemäß konnte Hermine diese Fragen am besten beantworten, auch wenn man ihr manchmal ansah, dass sie mit den Tränen kämpfte. Als Klein-Hermine das merkte, legte sie ihre Ärmchen um Hermines Hals und kuschelte sich dicht an sie.
"Du nicht traurig sein!", sagte sie mit leiser Stimme. "Ich nicht mag, wenn du traurig bist. Dann ich auch traurig. Du fröhlich sein!" Angesichts dieser einfachen Sichtweise konnte Hermine nicht anders als zu lachen.
Mitte des Monats war Klein-Hermine auch rechtlich gesehen ein gleichberechtigtes Familienmitglied geworden. Lily und James hatten sie offiziell adoptiert, was sie sowohl bei den Behörden in der Muggelwelt als auch vor dem Zaubereiministerium hatten vollziehen müssen. Klein-Hermines voller Name lautete nun "Hermine Jean Granger-Potter".
Nun aber feierten beide ihren Geburtstag. Stolz pustete Klein-Hermine am Morgen die drei Kerzen auf ihrem Geburtstagskuchen aus. Lily hatte für die Kinder "Kalten Hund" gemacht, einen Kuchen, der immer abwechselnd aus einer Schicht Butterkeksen und einer Schicht Kakao/Schokoladencreme. Innerhalb kürzester Zeit waren nicht nur die Hände Gesichter und Kleidung der Kinder mit dunklen Schokoladenflecken verschmiert, sondern auch die Tischdecke und der Fußboden. Da sich all dies mit einem einfachen Reinigungszauber korrigieren ließ, ließ sich niemand von dem Spaß abhalten.
Für Klein-Hermines Geburtstag hatten sich Lily und James etwas Besonderes ausgedacht. Sie wollten mit den Kindern in den Zoo gehen. Neben ihren eigenen Kindern würde auch Remus mit Teddy sowie Harry, Hermine, Ron und Ginny mitkommen. So reisten sie per Flohpulver alle zusammen in den Tropfenden Kessel und traten hinaus in die Muggelwelt. Von dort aus waren es nur noch einige Stationen mit der U-Bahn und sie waren am Londoner Zoo angelangt.
Klein-Hermine staunte über die riesigen Elefanten und die langen Hälse der Giraffen, während Klein-Harry mehr von den Löwen angetan war. Seinem Vater gefiel das natürlich, er sagte, schon jetzt käme der Gryffindor in seinem Sohn durch, doch als der Löwe plötzlich laut aufbrüllte, fing Klein-Harry an zu weinen und wurde schnell von seinem Vater getröstet.
Nach einem zweistündigen Rundgang durch die Gehege wurden Klein-Harry und Teddy langweilig und quengelten. Die Erwachsenen beschlossen, dass es Zeit war nach Hause zu gehen, aber Klein-Hermine wollte noch ein letztes Mal die Elefanten sehen. Da es nur ein kleiner Umweg war, kamen sie diesem Wunsch nach. Direkt auf der anderen Seite der Absperrung, am Rande des Wassergrabens, stand ein großer Elefantenbulle. Plötzlich hob sich sein Schwanz nach oben und ließ mehrere große Kothaufen fallen. Klein-Hermine blieb das nicht verborgen.
"Der Elefant, der musste mal!", informierte sie ihre Mutter.
Lily schmunzelte. "Ja, auch Elefanten müssen manchmal."
"Aber der aufs Klo gehen muss!", verdeutlichte Klein-Hermine empört das Vergehen des Tieres. "Der schon so groß ist und der auch keine Windel an hat."
Nun konnte Lily nicht mehr an sich halten und schüttelte sich vor stummen Lachen. Auch James und Harry, die hinzugetreten waren, bissen sich in die Hand, um nicht laut loszulachen. Die Vorstellung, dass ein vier Meter hoher und fünf Tonnen schwerer Elefantenbulle Windeln tragen würde, war einfach zum Brüllen komisch.
Klein-Hermine hatte es in den letzten Wochen geschafft, immer rechtzeitig aufs Klo zu gehen und brauchte daher jetzt endgültig keine Windel mehr. Darauf war sie sehr stolz. Nun schaute sie etwas verwirrt und noch immer voller Entrüstung über den Elefant zu ihrer Mutter auf und wartete auf eine Antwort.
"Da hast du wohl recht", sagte Lily nun mit bemüht ernstem Gesichtsausdruck. "Er sollte sich schämen. Er hat es wohl noch nicht so gelernt wie du."
Kurz darauf verließen sie den Zoo wieder und kehrten über den Tropfenden Kessel in die Löwenhöhle zurück. Dort verspeisten sie zusammen die zweite Hälfte des Geburtstagskuchens, was erneut in einer Riesensauerei endete, die aber schnell wieder behoben war. Am späten Nachmittag trafen dann Sam und Oliver sowie Julia und Sirius in der Löwenhöhle ein. Sam und Oliver waren seit einigen Wochen auch fest zusammen und so hatten sie zu viert einen Pärchentag veranstaltet.
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Halloween Time Travel
FanfictionHarry, Ron, Hermine, Ginny und Teddy besuchen nach dem Krieg an Halloween 1998 Lilys und James' Grab. Plötzlich reisen sie in der Zeit zurück und landen im Wohnzimmer der Potters - ausgerechnet an Halloween 1981. Können sie gemeinsam Voldemorts Angr...
