Freitagabend

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"Ah, da sind ja unsere Turteltäubchen!", begrüßte Harry sie grinsend und musste dafür einen Schlag in die Rippen von Hermine einstecken. Sirius und Julia erröteten beide leicht und Sirius streckte Harry die Zunge raus.
"Aber gut, dass wir dich treffen, Julia, wir haben eine Bitte an dich", wechselte Hermine schnell das Thema. Sie erzählte den beiden, was zwischen den Zweitklässlern und den Slytherins vorgefallen war. Beide waren entsetzt über die Skrupellosigkeit der beiden Slytherins, verspürten aber auch Genugtuung, als sie von den Schulverweisen hörten.
"Könntest du zusammen mit ein paar anderen älteren Schülern ein wenig auf Sophie und Marc achtgeben und sie vor Racheakten bewahren?", fragte Hermine schließlich.


"Na klar, ist doch selbstverständlich!", stimmte Julia sofort zu. "Ich werd gleich beim Essen meine Freunde fragen. Ich bin sicher, die machen mit."
"Kennst du Matthew Parker?", warf Ginny ein und grinste dabei. "Sophie hat darum gebeten, dass er sich besonders um ihre Bewachung kümmert, weil er ja soooo schöne Haare hat."
"Na klar kenn ich ihn. Er ist unser Quidditch-Kapitän. Er saß gestern mit bei uns am Tisch", antwortete Julia und auch auf ihrem Gesicht breitete sich ein kleines Grinsen aus. "Und die kleine Miss Clark steht also auf ihn? Naja, wie auch immer, ich bin sicher, auch er wird sich daran beteiligen."

Beim Abendessen verteilten sich Harry, Ron, Hermine, Ginny, Sirius, Remus und James auf die Haustische von Gryffindor, Ravenclaw und Hufflepuff. James, Remus und Harry setzten sich zu den Hufflepuffs, Hermine und Ginny zu den Gryffindors und Ron und Sirius zu den Ravenclaws, wobei Sirius' Interesse weniger dem Ansprechen anderer Schüler galt als einer ganz bestimmten Schülerin.
Harry sprach einige Schülerinnen und Schüler an, die, wie er schätzte, Sechst- oder Siebtklässler waren. Er berichtete auch ihnen kurz von den Ereignissen des Nachmittags und bat sie, Emily vor Racheaktionen der Slytherins zu bewahren. Wie er erwartet hatte, fanden sich zahlreiche Freiwillige dazu bereit. Hermine und Ginny waren bei den Gryffindors ebenso erfolgreich. Fast die gesamte sechste und siebte Klasse nahmen die Aufgabe gerne wahr.

Auch am Ravenclawtisch hatte Julia keine Mühe, ihre Freunde von der Idee zu überzeugen. Auch Matthew Parker erklärte sich gerne dazu bereit, was Sophie, die die Gespräche aus ein paar Metern Entfernung verfolgte, hocherfreut zur Kenntnis nahm. Den Rest des Abendessens plauderte Sirius größtenteils mit Julia, sie ihm gegenübersaß und bekam nur sehr wenig von dem mit, was um ihn herum geschah.
Dies bemerkten auch Remus, James und Harry zwei Tische weiter. "Ich glaube, du hast recht, Moony", bemerkte James verschmitzt lächelnd. "Unseren Tatze hat's wohl schwer erwischt. Er bemerkt ja nicht mal, was er isst, so wenig kann er seine Augen von Julia abwenden."
"Ich freu mich für ihn", sagte Harry. "In ... naja, in meiner Vergangenheit hatte er nie die Gelegenheit, eine Beziehung zu führen. Niemand hat es mehr verdient als er."

Nach dem Essen verkündete Albus zur Freude der Schülerschaft, dass die Lehrer beschlossen hatten, dieses Wochenende kurzfristig zum Hogsmeade-Wochenende zu erklären. Julia blickte Sirius kurz zögernd an und fragte dann, ob sie am nächsten Tag gemeinsam ins Dorf gehen wollten, was Sirius freudig annahm. Anschließend war das Abendessen beendet und sie aller verließen die große Halle. Bis zur Ausgangssperre war es noch eine Weile hin und es war ohnehin zweifelhaft, ob die Gäste in Hogwarts davon betroffen waren. Sanktionen mussten sie jedenfalls nicht befürchten.

Julia lud sie alle ein, sie in den Ravenclawturm zu begleiten und sich den Gemeinschaftsraum anzusehen. Die vier jüngeren sowie Sirius nahmen gerne an, James und Remus lehnten dagegen höflich ab. James wollte Lily nicht so lange im Krankenflügel allein lassen; er wusste, wie langweilig es dort war, wenn man sich mit niemandem unterhalten konnte. Remus dagegen wollte endlich mal wieder entspannt ein Buch lesen und außerdem auf die drei Kinder aufpassen, die sie vor dem Abendessen zu Bett gebracht hatten.
Nur Ginny kannte den Ravenclaw-Gemeinschaftsraum schon. Sie war während ihrer Beziehung zu Michael Corner ein paar Mal dort gewesen. Harry dagegen hatte den Raum nur einmal während der Schlacht von Hogwarts besucht und damals hatte er Wichtigeres zu tun gehabt als sich den Raum anzusehen. Hermine, Ron und Sirius waren noch nie da drin gewesen. Nun standen sie vor dem bronzenen Türklopfer in Form eines Adlers, der ihnen sogleich eine Frage stellte.
"Ist das Glas halbvoll oder halbleer?"
Julia überlegte einen Moment und antwortete dann. "Das kommt auf den Blickwinkel an." Der Adler nickte und ließ sie in den Gemeinschaftsraum eintreten.

Er war ähnlich aufgebaut wie der von Gryffindor. Zahlreiche Sessel standen im Raum, insbesondere vor zwei großen Kaminfeuern. Die Wände waren mit Tüchern verhängt, die in Blau und Bronze leuchteten. Auf Vorsprüngen an den Wänden standen mehrere Büsten von Rowena Ravenclaw, die so ihre Schüler immer im Blick hatte. Die Decke wölbte sich weit nach oben und ähnlich wie in der großen Halle war der Sternenhimmel durch sie zu sehen. An den Wänden standen aber sehr viel mehr Arbeitstische als bei den Gryffindors, waren die Ravenclaws doch für ihren Lerneifer bekannt.
Julia winkte einem Mädchen und einem Jungen zu, die zu ihnen stießen und zu acht ließen sie sich auf den Sofas vor einem Kamin nieder. Harry erkannte die beiden wieder; sie hatten bei der Feier an ihrem Tisch gesessen, doch Harry hatte ihre Namen vergessen. Julia stellte die beiden nochmal vor.
"Das sind meine Freunde Samantha, genannt Sam Harris und Oliver Ross." Sie drehte sich nun zu ihnen um und stellte auch die Neuankömmlinge vor. "Und das sind Sirius Black, Hermine Granger, Ron und Ginny Weasley und Harry Potter."

Sie saßen lange zusammen und vertrieben sich die Zeit mit Kartenspielen. Da sie alle im gleichen Alter waren, verstanden sie sich auf Anhieb hervorragend. Auch Sam und Oliver waren die Rumtreiber noch ein Begriff und so schwelgten sie in Erinnerungen an verschiedene Streiche, die Sirius und seinen Freunden Nachsitzen eingebracht hatten. Wieder einmal bogen sie sich vor Lachen, als Sirius von der rosa eingefärbten McGonagall an seinem dritten Schultag berichtete. Es stellte sich heraus, dass Julias Bruder Connor und seine Freunde auch gerne Regeln brachen, Streiche spielten und in der Nacht durchs Schloss wanderten, wenn auch nicht so extensiv wie die Rumtreiber es getan hatten.

Nach drei Stunden waren sie alle müde und die fünf Gäste wollten zurück in ihre Gästezimmer gehen. Sie verabschiedeten sich und Julia begleitete sie noch bis vor die Tür. Harry hatte das deutliche Gefühl, dass nur eine Person der Grund dafür war. So grüßten er, Hermine und Ginny nur schnell und gingen dann die Treppen hinunter. Hermine und Ginny zogen dabei Ron mit sich, der offenbar hatte warten wollen, bis sich auch Sirius verabschiedet hatte.
Sirius und Julia standen dicht beieinander vor der Tür zum Gemeinschaftsraum. "Ich freu mich auf morgen", sagte Julia leise. "Darauf, mit dir nach Hogsmeade zu gehen."
"Da freu ich mich auch drauf", sagte Sirius und grinste. "Vielleicht wird es ja wieder so interessant wie unser Spaziergang heute."
"Langweilig wird es mit dir sicher nicht", erwiderte Julia lächelnd.

"Ich wünsch dir eine gute Nacht", flüsterte Sirius, trat an Julia heran und legte seine Hände an ihre Taille.
"Das wünsche ich dir auch", flüsterte Julia und hielt fast den Atem an. Sirius widerstand der Versuchung sie richtig zu küssen; er wollte, dass sie ihn küsste. So hauchte er ihr nur einen Kuss auf die Wange und löste sich dann.
"Gute Nacht!", sagte er leise, drehte sich dann um und stieg die Treppen hinunter.
"Gute Nacht!", hauchte Julia und blickte ihm leicht bedauernd hinterher.

Harry und Hermine waren unterdessen in den Krankenflügel gegangen, um Lily eine gute Nacht zu wünschen. Da Lily zurzeit die einzige Patientin und auch keine Schülerin mehr war, duldete es Madam Pomfrey, dass sie auch noch spät am Abend Besuch hatte. Ihr Bett durfte sie aber nicht verlassen, was ihr zwar nicht gefiel, was sie aber aus Sorge um die Zwillinge einhielt. Sie saß aufrecht in ihrem Bett und unterhielt sich mit James, der wieder im Bett neben ihr übernachten würde.

"Wo ist denn Sirius?", fragte Lily, nachdem Harry und Hermine sich neben James gesetzt hatten. "Der wollte doch auch nochmal vorbeikommen."
"Mmhhh, der ist anderweitig beschäftigt", sagte Harry schmunzelnd.
James blickte verdutzt auf, dann aber schlich sich ein Grinsen in sein Gesicht. "Julia?", fragte er.
"Julia", bestätigte Harry mit dem gleichen Grinsen. Auch Lily freute sich für Sirius, als Harry und James erzählten, dass sich zwischen ihm und Julia etwas anbahnte.

Als Sirius ein paar Minuten später doch noch in den Krankensaal kam, ließ sich aber keiner von ihnen etwas anmerken. Bald schon überkam Lily große Müdigkeit. Es war erstaunlich, wie ermüdend es sein konnte, den ganzen Tag gar nichts zu tun. Also verließen Hermine, Harry und Sirius den Krankenflügel und gingen wieder zu ihren Zimmern.
Sie gingen bei Remus vorbei und Sirius nahm Klein-Harry über Nacht zu sich, während Hermine das Bett mit ihrem jüngeren Selbst in ihr Zimmer schweben ließ. Sie hatten in den letzten Tagen festgestellt, dass die drei Kinder, wenn sie in einem Zimmer schliefen, sich häufig gegenseitig aufweckten. Nur Teddy blieb bei Remus, der zu seinem zukünftigen Sohn inzwischen eine fast ebenso enge Bindung aufgebaut hatte wie Harry.

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