Remus und James waren während des Tages von den drei Kindern ganz schön auf Trab gehalten worden. James hatte Kreacher gebeten, Harrys kleinen Kinderbesen aus den Ruinen ihres Hauses in Godric's Hollow zu holen, doch bald hatte zumindest sein Verstand diese Entscheidung bereut. Klein-Harry erinnerte sich zwar nicht mehr an seinen Besen, doch er lernte das Fliegen schnell wieder und sauste daraufhin durch die Korridore von Hogwarts, abwechselnd mit James oder Remus auf seinen Fersen. James Herz platzte dagegen fast vor Stolz, als er sah, wie sich sein Sohn unerschrocken zwischen den Beinen einiger Hogwartsschüler hindurch schlängelte.
Klein-Hermine dagegen war nicht sehr begeistert gewesen, als James sie probehalber auf den kleinen Kinderbesen gesetzt hatte. Sie fühlte sich deutlich wohler mit festem Boden unter den Füßen. Da nutzte sie aber auch jede Gelegenheit, das Schloss zu erkunden. Einmal, als sowohl James als auch Remus gerade hinter Klein-Harry auf seinem Besen her rannten, verschwand Klein-Hermine blitzschnell aus ihrem Blickfeld und war nicht mehr aufzufinden. In leichter Panik durchsuchten James und Remus die nähere Umgebung des Krankenflügels, Klein-Harry und Teddy hatten sie derweil bei Lily gelassen.
Erst nach 20 Minuten hörte Remus ein leises Weinen, das er dem kleinen Mädchen zuordnete. Mit seinem durch seine Werwolf-Eigenschaft sehr scharfen Gehör konnte er schnell die Quelle des Weinens ausfindig machen. Klein-Hermine saß in einem Korridor an der Wand und Tränen liefen über ihre Wangen. Links und rechts von ihr saßen zwei Mädchen von etwa vierzehn Jahren, wie Remus schätzte, in ihren dunkelgrünen Schulumhängen. Sie redeten beruhigend auf das kleine Mädchen ein und versuchten, es zu trösten.
Remus erstarrte für einen Moment, als er Klein-Hermine zwischen den zwei Slytherins sitzen sah, die beiden schienen ihr jedoch nichts Böses zu wollen, im Gegenteil. Remus trat zu ihnen; Klein-Hermine entdeckte ihn.
"Remus!", rief sie hocherfreut, rannte auf ihn zu und ließ sich auf den Arm nehmen.
"Wir kamen hier vorbei und da sahen wir sie hier sitzen und weinen", erklärte eines der Mädchen. "Wir haben versucht, sie zu trösten und sie gefragt, wo ihre Eltern sind, aber sie hat keine Antwort gegeben, nur noch mehr geweint und auf ihre Brust gezeigt."
"Ihre Eltern sind gestorben", sagte Remus erklärend. "Durch Todesser", fügte er leise hinzu.
Die Mädchen sahen ihn betroffen an. "Oh", sagte das zweite Mädchen. "Das tut mir leid."
Die erste sah ihn fast schon entschuldigend an. "Hören Sie, Sir, ich weiß, was alle über uns Slytherins sagen. Aber auch bei uns gibt es viele, die sich sehr darüber freuen, dass Sie-wissen-schon-wer besiegt wurde."
Remus nickte und lächelte sie an. "Das glaube ich. Danke, dass ihr euch um Hermine gekümmert habt."
"Haben wir doch gern gemacht", erwiderte das Mädchen.
"Ich würde ja sagen 'Zehn Punkte für Slytherin', aber ich bin ja kein Lehrer hier", sagte Remus schmunzelnd und verabschiedete sich. "Da sieht man's mal wieder", dachte Remus bei sich, "Es lohnt sich doch, die Welt nicht nur Schwarz-Weiß zu sehen. Slytherins sind nicht automatisch böse."
Um sieben gingen alle acht zusammen mit den drei Kindern zum Abendessen. Dort verabredeten sie mit Julia, sich um acht im siebten Stock vor dem Raum der Wünsche zu treffen.
"Bist du sicher, dass wir es ihr erzählen sollen?", fragte Harry seinen Paten, als sie am Gryffindortisch saßen. Zwar war mit Voldemort der Grund für die unbedingte Geheimhaltung ihrer Identität beseitigt, dennoch wollte er seine Geschichte nicht an die große Glocke hängen.
"Ja", antwortete Sirius bestimmt. "Sie wird sicher nichts davon ausplaudern. Ich weiß, wir kennen sie noch nicht lange, aber ... naja, ich mag sie", sagte er und sah sehr interessiert auf seinen Teller. "Und ich will nicht, dass das zwischen uns steht."
"Also gut", erwiderte Harry und schmunzelte. "Du hast mich überredet. Wer wäre ich denn, wenn ich deinem Glück im Wege stünde?"
Wie verabredet standen um kurz vor acht sämtliche Bewohner des 'Hundezwingers' sowie Julia im Korridor im siebten Stock vor dem Wandteppich von Boris dem Bekloppten. Harry lief drei Mal auf und ab und prompt erschien eine Tür in der Wand. Er hatte sich einen Raum gewünscht, in dem, ähnlich wie im Hundezwinger, drei breite Sofas vor einem Kamin standen. Für die Kinder hatte er sich einen Spielteppich und eine Kiste mit Spielsachen gewünscht.
Sie alle setzten sich auf die Sofas, wobei Julia und Sirius nebeneinander saßen und Harry ihnen gegenüber. Dann begann Harry mit seinem Bericht.
"Also, als erstes, Julia, muss ich dich bitten, dass du das, was du gleich erfährst, nicht an andere weitererzählst. An niemanden." Julia nickte und Harry redete weiter. "Nun, wie du bereits festgestellt hast, hast du uns vier" - er zeigte auf sich, Hermine, Ginny und Ron - "noch nie in Hogwarts gesehen. Und trotzdem kennen wir uns hier aus. Tatsächlich haben wir unsere Schulzeit in Hogwarts verbracht, allerdings nicht in der Vergangenheit."
Julia runzelte die Stirn. "Was meinst du damit?"
"Wir kommen nicht aus dieser Zeit", antwortete Hermine. "Wir kommen aus dem Jahr 1998 und sind in der Zeit zurückgereist."
"Wie bitte?" Julia starrte sie fassungslos an und blickte dann in die Runde, als wollte sie bei irgendwem Anzeichen für einen Scherz entdecken. "Ihr verarscht mich doch, oder?", fragte sie mit ungläubiger Stimme.
Harry schüttelte den Kopf. "Ich schwöre dir, dass es die Wahrheit ist. Wir befanden uns an Halloween 1998 und sind dann um genau siebzehn Jahre in die Vergangenheit gereist und landeten an Halloween letzten Jahres im Wohnzimmer von Lily und James."
Julia starrte ihn noch immer ungläubig an, doch Harry erzählte weiter. "Es wird aber noch unglaublicher. Mein Name ist Harry James Potter. Lily und James sind meine Eltern, Sirius ist mein Pate. Und der kleine Junge dort" - er zeigte auf Klein-Harry - "naja, er ist ich. Ich bin er. Er ist mein jüngeres Selbst. Und das gleiche gilt für Hermine."
Jetzt klappte Julia der Mund auf. Sie zeigte mit ihrem Finger abwechselnd auf die beiden Kinder und auf Harry und Hermine. "Da-... Das ... sollt ihr sein?", fragte sie, als sie ihre Stimme wiedergefunden hatte. "Das ist doch verrückt! Ihr spinnt doch!"
"Ich weiß, das ist ein bisschen viel auf einmal", sagte Sirius zu ihr. "Ich habe genauso reagiert, als sie es mir erzählt haben. Ebenso James, Lily und Remus. Aber es ist die Wahrheit, das schwöre ich dir. Er wusste Dinge über Lily und James, die er nur wissen konnte, wenn er tatsächlich ihr Sohn ist." Julia nickte stumm und eine Weile sagte niemand etwas, damit sie diese Informationen verarbeiten konnte.
"Wie sieht es denn aus in der Zukunft?", fragte Julia schließlich. "Kennen wir uns da?"
"Nein, bis vorgestern kannten wir dich nicht", verneinte Ginny.
"Oh", sagte Julia leise mit einem bedauernden Seitenblick auf Sirius.
"Das liegt daran, dass wir durch unser Auftauchen in der Vergangenheit den Lauf der Geschichte massiv verändert haben", erklärte Harry. "In der ... ich sag mal 'alternativen Vergangenheit' sind meine Eltern an Halloween letzten Jahres von Voldemort überfallen und ermordet worden."
"Oh Merlin!", stieß Julia hervor und hielt sich die Hand vor den Mund.
Harry nickte. "Ein ... nun ja, ein Mann, von dem sie dachten, es sei ihr Freund, hatte sie verraten."
"Pettigrew", warf Sirius hasserfüllt ein. "Ich hatte dir ja erzählt, dass Lily und James seinetwegen fast gestorben wären."
Harry nickte und fuhr fort. "Das Haus meiner Eltern stand unter dem Fideliuszauber mit Pettigrew als Geheimniswahrer. Das heißt, nur er konnte ihr Versteck an andere verraten und hat es auch gleich getan.
Nun jedoch sind wir vier ausgerechnet an Halloween im Wohnzimmer meiner Eltern gelandet. Wir wussten, dass Voldemort sie überfallen würde, konnten sie noch rechtzeitig warnen und mit vereinten Kräften Voldemorts Angriff abwehren. Anschließend flohen wir zu Sirius.
In der alternativen Vergangenheit war Sirius außer sich vor Trauer und Verzweiflung über den Tod seiner besten Freunde. Er hat Pettigrew gejagt, doch Pettigrew konnte sich unbemerkt aus dem Staub machen und verstecken und dabei noch ein Dutzend Muggel umbringen. Da sie vorher allen erzählt hatten, dass Sirius der Geheimniswahrer sei, um Voldemort zu täuschen, dachte nun alle Welt, Sirius habe zuerst meine Eltern verraten und danach Pettigrew und ein Dutzend Muggel umgebracht. Und so wurde er zu einer lebenslänglichen Askabanstrafe verurteilt. Daher habt ihr euch nie kennengelernt."
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Halloween Time Travel
FanfictionHarry, Ron, Hermine, Ginny und Teddy besuchen nach dem Krieg an Halloween 1998 Lilys und James' Grab. Plötzlich reisen sie in der Zeit zurück und landen im Wohnzimmer der Potters - ausgerechnet an Halloween 1981. Können sie gemeinsam Voldemorts Angr...
