Picknick

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"Sieht so aus, als sei schon lange keiner mehr hier gewesen", bemerkte Julia.
"Vielleicht waren wir die letzten", überlegte Sirius. "Also wir Rumtreiber meine ich, vor knapp vier Jahren. Ich glaube, damals waren wir die einzigen, die den Zugang kannten." Zusammen erkundeten sie jeden Raum, wobei Sirius meist Julia den Vortritt ließ; er selbst kannte die Hütte ja wie seine Westentasche.
"Was ist das denn?", fragte Julia auf einmal misstrauisch und zeigte auf mehrere tiefe Kratzspuren in der Tür eines Schranks. "Das sieht ja so aus, als hätte irgendein wildes Tier seine Krallen reingeschlagen." Nun entdeckte sie überall diese Kratzspuren und sah etwas verunsichert aus. "Meinst du, hier lauert dieses Tier irgendwo?"


Sirius schüttelte lächelnd den Kopf. "Mach dir keine Sorgen. Ich denke nicht, dass hier irgendetwas Gefährliches lauert. Diese Spuren waren alle auch schon vor vier Jahren da." Das stimmte. Fast alle diese Kratzspuren stammten aus der Zeit, als James, Peter und Sirius noch keine Animagi gewesen waren. Julia beruhigte diese Erklärung, sie achtete aber weiterhin argwöhnisch auf jedes Geräusch.

"Irgendwie weniger spektakulär als ich gedacht hatte", meinte sie, als sie alle Räume im Erdgeschoss angesehen hatten. "Und von Geistern sehe ich hier auch nichts."
Sirius schmunzelte. "Tja, es gibt halt nicht jeden Tag einen Kampf auf Leben und Tod. Wir sollten nach oben gehen. Vielleicht finden wir da unsere Geister." Sirius ging als erster die Treppe nach oben, da er wusste, welche Stufen morsch und welche stabil waren. Oben angekommen führte nur eine Tür weiter. Julia öffnete sie und hielt den Atem an.

Im Gegensatz zu dem Rest der Hütte war dieser Raum völlig vom Staub befreit. An den Wänden hingen mehrere Kerzenhalter mit brennenden Kerzen, auch im Raum verteilt standen einige brennende Kerzen. Durch das mit Brettern vernagelte Fenster drang schummeriges Licht und das Heulen des Windes von draußen herein. In der Mitte des Raums stand ein großen altes Himmelbett und am Fußende des Bettes lag eine Decke ausgebreitet und ein Korb mit den verschiedensten Lebensmitteln.
"Was ... was ist hier los?", fragte sie wie vom Donner gerührt. Sirius trat neben sie und grinste. "Ich würde mal sagen, die Geister hier haben uns eine kleine Überraschung bereitet."
"Warst du das?", fragte Julia nach.
"Teilweise", erwiderte Sirius. "Ich zusammen mit Kreacher, dem Hauself meiner Familie. Ich hab hier sauber gemacht und die Möbel repariert und er hat das Essen besorgt."
"Warum?", fragte Julia und fand ihre Frage noch im gleichen Augenblick überflüssig. "Nun", grinste Sirius, "Ich dachte mir, wenn wir hier sind, während die anderen im Schloss Mittag essen, dann sollten wir nicht verhungern. Komm schon, es ist alles da!"

Der Essenskorb bot wirklich reichlich Abwechslung. Baguette, Wurst, Käse, Obst und Kuchen; einfach alles für ein perfektes Picknick. Auch an Getränken fehlte es nicht. Neben dem üblichen Kürbissaft hatte Sirius durch Kreacher einen erlesenen Rotwein aus seinem eigenen Weinkeller herbringen lassen, zusammen mit passenden Gläsern.
Sie setzten sich zu zweit aufs Bett und ließen sich die Köstlichkeiten schmecken. Sie machten sich einen Spaß daraus, sich Weintrauben und Kirschen gegenseitig in den Mund zu werfen. Sirius amüsierte sich köstlich, als eine Traube statt in Julias Mund in ihrem Ausschnitt landete und sie mit rotem Kopf versuchte, sie wieder hervorzuholen. Er brach vor Lachen in Tränen aus, als sie schließlich die Geduld verlor und versuchte, die Traube mit einem Aufrufezauber wieder aus ihrer Bluse hinaus zu befördern. Wie eine Kanonenkugel schoss die Traube durch den Stoff ihres Tops auf ihren Zauberstab zu und hinterließ ein Loch genau zwischen ihren Brüsten. Auch als sie ihr Top reparierte, konnte Sirius sich noch nicht beruhigen.

Julia warf ihm ein Kissen an den Kopf, um ihn zum Schweigen zu bringen, doch er lachte nur noch mehr.
"Hör auf zu lachen, verdammt noch mal!", rief sie, mehr belustigt als verärgert. Sie packte einen Apfel von der Obstschale, stürzte sich auf Sirius und stopfte ihm den Apfel in den Mund. Nun war Sirius tatsächlich still, denn die Frucht erstickte sein Lachen und er saß da und sah aus, als würde er vor Erstaunen den Mund aufreißen.
Nun war es an Julia zu Lachen ob dieses lächerlichen Aussehens. Sirius spielte das Spiel mit und biss so würdevoll wie es ihm möglich war, vom Apfel ab, kaute und schluckte es runter. Übertrieben genießerisch rieb er sich den Bauch und grinste sie wieder an. Wieder warf sie ein Kissen nach ihm. Er fing es auf und wollte sich mit dem Kissen auf Julia stürzen. Sie wehrte ihn ab und rollte mit ihm über das Bett, bis sie schließlich liegen blieben; Sirius mit dem Rücken auf den Kissen und Julia über ihm.

Sie sahen sich in die Augen, dann zog er sie zu sich hinunter. Julia senkte den Kopf und sie versanken in einen leidenschaftlichen Kuss und vergaßen alles um sie herum. Als sie nach einigen Minuten den Kuss unterbrachen, legte sie ihren Kopf auf Sirius Brust und lauschte seinem Herzschlag.
"Ich werde dich vermissen", sagte sie bedrückt. "Wenn du Hogwarts heute Abend wieder verlässt."
"Ich werde dich auch vermissen", erwiderte Sirius leise, "Besonders das hier." Er drückte ihr einen Kuss in die Haare. "Aber ich bin ja nicht aus der Welt. Wir können uns doch schreiben." Julia schwieg darauf. "Wann ist denn das nächste Hogsmeade-Wochenende?", fragte Sirius.
"Ähm ... in drei Wochen, glaube ich", antwortete Julia. "Nein, warte ... in zwei."
"Na siehst du? Dann können wir uns dann doch in Hogsmeade wieder treffen."
"Ja, du hast ja recht", stimmte sie ihm schließlich, hob ihren Kopf von seiner Brust und fuhr mit ihren Lippen über seinen Hals. "Aber bis dahin ... sollten wir hier weitermachen, wo wir stehen geblieben sind."

Nach einer halben Stunde erhoben sie sich wieder vom Bett. Sirius hatte sich gescheut, weiter zu gehen, als ihre Bluse aufzuknöpfen und mit seinen Fingerspitzen sanft über ihren Bauch, über die Rippen bis hinauf zu ihrem BH zu streicheln. Sie hatte ihn gerne gewähren lassen und hatte selbst auf die gleiche Weise seinen Oberkörper erkundet. Er glaubte nicht, dass sie sich dagegen gewehrt hätte, weiter zu gehen, vielleicht hätte sie sogar mit ihm geschlafen. Er wollte aber nicht, dass sie dachte, er sei bei ihr nur auf das Eine aus. Ganz abgesehen davon war die Heulende Hütte nun wahrlich nicht der richtige Ort für so etwas, selbst wenn dieser Raum heute besser aussah als je zuvor.

Sie sammelten das restliche Essen zusammen und verstauten es wieder in dem Korb. Sie wollten gerade das Zimmer verlassen, da kam Sirius eine Idee. "Hast du Lust, der Dorfbevölkerung einen kleinen Streich zu spielen?", fragte er mit schelmischem Grinsen.
"Wie denn?", fragte Julia neugierig.
"Naja, die Leute im Dorf glauben doch, dass es hier drin spukt. Lassen wir die Gespenster wieder aufleben, dann haben die Leute wieder was zu reden."
Julia stimmte belustigt zu und so unternahmen sie ein paar Minuten lang alles, was Lärm machte. Sirius ließ ein schauriges Heulen und Jaulen erklingen, das tatsächlich an einen Werwolf erinnerte. Da er seine Stimme zuvor magisch verstärkt hatte, war das Heulen auch im ganzen Dorf deutlich zu hören. Julia ließ die ohnehin schon ramponierten Möbel gegeneinander oder gegen die Wände krachen ließ zudem ein lautes Kreischen hören.

Als sie einige Minuten später geduckt durch den Tunnel nach Hogwarts zurückschlichen, kicherten sie noch immer bei der Vorstellung, was für Gerüchte in den nächsten Wochen wieder umgehen würden. Sie verbargen sich wieder unter dem Tarnumhang, als sie unter der Peitschenden Weide hervorkrochen. Inzwischen war es jedoch schon fast dunkel und kein anderer war noch draußen auf dem Schlossgelände.
In der Eingangshalle trennten sie sich; Julia ging hinauf zum Ravenclawturm, während es für Sirius in seinem Zimmer Zeit war, den kleinen Koffer packen, in dem Kreacher ihm ein wenig Kleidung aus dem Hundezwinger hergebracht hatte. Ein bisschen wehmütig war er schon. Selbst in diesen drei Tagen hatte er sich für ihn wieder das Gefühl eingestellt, in Hogwarts zuhause zu sein. Aber noch mehr Unbehagen bereitete ihm die Vorstellung, Julia erst in mehreren Wochen wiedersehen zu können. Nach dem Abendessen würden sie sich in Albus Büro einfinden und er würde sie mit einem Portschlüssel zurück in den Hundezwinger schicken.

Beim Abendessen saßen sie noch einmal alle zusammen und versuchten nicht daran zu denken, dass sie sich nach dem Essen für längere Zeit nicht wiedersehen würden. Als sie die große Halle verließen, hieß es Abschied nehmen. Connor, Oliver und Sam gaben jedem kurz die Hand und verabschiedeten sich. Julia umarmte jeden der Abreisenden kurz. "Grüßt mir die drei kleinen!", flüsterte sie Lily zu. Als letztes stand sie vor Sirius. Die anderen hatten taktvoller Weise den Korridor verlassen, in dem sie gestanden hatten.
"Ich schreibe dir", versprach Sirius nach einem langen Kuss. "Sooft du willst."
Julia lächelte. "Mach's gut Sirius!", erwiderte sie niedergeschlagen. Dann machte sich auch Sirius auf den Weg zu Albus' Büro.

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