Harrys Herz machte einen Hüpfer, als er Albus strahlend lächelndes Gesicht sah.
"Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung, Harry, im Gegenteil! Sirius hat mich soeben informiert, dass James heute Morgen zusammen mit Lily ins St. Mungo appariert ist. Bei ihr haben die Wehen eingesetzt. Offenbar haben es die Zwillinge ein wenig eilig und wollen nicht mehr bis Juni warten."
Harry fühlte sich, als würde er von einer Woge des Glücks überflutet. Heute würde er ein großer Bruder werden! Auch bei Hermine sah er ein glückliches Lächeln auf ihrem Gesicht.
"Wenn ihr möchtet", fuhr Albus fort, "könnt ihr sofort über meinen Kamin in die Löwenhöhle reisen, wo Sirius auf euch wartet. Von dort aus könnt ihr sofort ins St. Mungo apparieren und zu Lily und James gehen." Harry und Hermine stimmten hocherfreut zu und waren Augenblicke später schon durch Albus' Kamin verschwunden.
Kaum waren sie aus dem Kamin im Wohnzimmer der Löwenhöhle gestolpert, kam auch schon Sirius in den Raum gelaufen, mit Teddy auf dem Arm und Klein-Harry und Klein-Hermine im Schlepptau. Sirius war unheimlich aufgeregt und hatte ein glückliches Grinsen im Gesicht.
"Es geht los, es geht los!", rief er glücklich. "Bald bin ich ein zweites Mal Pate!"
"Weißt du das schon so genau?", fragte Harry überrascht.
"Naja, weder Lily noch James haben widersprochen, als ich das verkündet habe", erwiderte Sirius, als ob damit alles geklärt sei. "Lily war zu abgelenkt von ihren Wehen." Harry öffnete den Mund, um etwas zu sagen, schüttelte dann aber nur lachend den Kopf über seinen verrückten Paten.
Schnell machten Harry, Hermine und Sirius die drei kleinen Kinder bereit und traten dann vors Haus. Harry und Hermine hatten jeweils ihr jüngeres Selbst auf dem Arm und Teddy fühlte sich bei Sirius sehr wohl. So apparierten sie zu sechst in den Eingangsbereich vom St. Mungo. Als sie die Empfangshexe nach Mrs. Potter fragten, die gerade Kinder bekomme, wies sie nur genervt auf ein Hinweisschild, auf dem die einzelnen Abteilungen des Hospitals zu lesen waren. Dort erkannten sie, noch über der Cafeteria und dem Krankenhauskiosk, im 6. Obergeschoss die Wöchnerinnen- und Geburtsstation.
Schnell hasteten sie die sechs Treppen hinauf und waren am Ende ein wenig außer Atem. Oben angekommen trafen sie auf eine noch recht junge Hexe in einem limonengrünen Umhang, bei der es sich laut ihrem Namensschild um Heilerin Carter handelte. Auf Mrs. Potter angesprochen, führte sie die kleine Gruppe zum Ende des Flures in einen kleinen Wartebereich und sie selbst verschwand durch eine Doppelschwingtür.
Wenige Minuten später kam ein sehr aufgeregter James aus der Tür und umarmte jeden aus der Gruppe.
"Lily geht es gut soweit", sagte er, "Die Heiler meinen, bisher läuft alles gut. Sie sagte, bei Zwillingen sei es normal, dass sie ein bisschen früher kommen. Ich hab aber keine Ahnung, wie lange es dauern wird."
"Kein Problem, wir warten hier", antwortete Sirius und legte beruhigend eine Hand auf die Schulter seines Freundes. "Geh du nur wieder rein zu deiner Frau. Und grüß sie von uns allen." James nickte und verschwand wieder durch die Doppelschwingtür.
Harry, Hermine und Sirius setzten sich auf Stühle im Wartebereich. Die drei kleinen Kinder liefen in eine Ecke des Raumes, in der ein Spielhäuschen und zahlreiche Spielsachen standen und waren schnell im Spiel vertieft. Um seine Anspannung zu überdecken, griff sich Harry eine der Zeitschriften, die auf einem flachen Tisch lagen. Es war eine Ausgabe des Klitterers, die ihre ganz eigene Ansicht über den Fall Voldemorts darlegte.
So war Voldemort laut der Zeitschrift gar nicht endgültig gestorben, sondern als Vampir in Transsylvanien wiedergeboren. Das wirksamste Mittel in der Verteidigung gegen Voldemort sei es demzufolge, stets eine Kette aus Knoblauchzehen um den Hals zu tragen. Harry musste grinsen bei dem Gedanken, dass Xenophilius Lovegood wahrscheinlich tatsächlich mit solch einer Kette herumlief. In einem anderen Artikel verkündete Lovegood stolz, dass er stichhaltige Beweise auf die Existenz des schrumpfhörnigen Schnarchkacklers gefunden habe. Beigefügt war ein Beweisfoto, auf dem allerdings außer einem sehr verschwommenen Streifen nichts zu erkennen war.
"Was machen wir hier, Onkel Sirius?", unterbrach Klein-Hermine ihr Spiel und sah Sirius fragend an.
Hermine übernahm für ihn die Antwort. "Ihr bekommt zwei Geschwisterchen. Hinter der Tür dort liegt Lily und heute werden euer Bruder und eure Schwester geboren." Klein-Hermine machte große Augen und auch Klein-Harry hatte aufmerksam zugehört und klatschte jetzt fröhlich in die Hände. Als in den letzten Wochen Lilys Bauch immer weiter gewachsen war, hatten beide Kinder doch sehr viel mehr Interesse daran gezeigt, dass sie bald Geschwister bekommen würden.
James hatte unterdessen den Kreißsaal wieder betreten und setzte sich auf einen Hocker neben seine Frau, die halb sitzend, halb liegend auf einem Bett auf die nächste Wehe wartete. Als die kam, umklammerte Lily James' Hand so fest, dass er das Gefühl hatte, sie würde absterben. Er verkniff sich aber einen Kommentar, da er Lily keinesfalls verärgern wollte. Er erinnerte sich, dass sie zwei Jahre zuvor bei Harrys Geburt nicht gut auf seine Klagen reagiert hatte.
"Sie machen das sehr gut, Mrs. Potter", sagte die zuständige Heilerin, eine ältere Hexe mit schon fast ergrautem Haar. "Den beiden Kindern geht es gut, es wird aber noch eine Weile dauern, bis Sie sie begrüßen können. Wir machen jetzt erst einmal ein paar Entspannungsübungen, das wird den Geburtsvorgang beschleunigen." In den folgenden drei Stunden zeigte die Heilerin Lily verschiedene Sitzhaltungen und Atemtechniken, die die Zwillinge dazu bewegen sollten, schneller zur Welt zu kommen.
James stand seiner Lily die ganze Zeit zur Seite, hielt ihre Hand, wischte den Schweiß von ihrer Stirn und redete ihr beruhigend zu. Die Wehen kamen jetzt in immer kürzeren Abständen. Bei jeder Wehe gab die Heilerin Lily die Anweisung zu pressen, was sie auch tat. Jedes Mal zerquetschte sie beinahe James' Hand. Nach einer weiteren halben Stunde meldete die Heilerin den ersten Erfolg.
"Das Köpfchen ist zu sehen. Sie machen das sehr gut, Mrs. Potter, sie müssen jetzt noch einmal ganz fest pressen!"
Tränen der Anstrengung liefen Lily aus den Augenwinkeln und ein kurzer Schrei entfuhr ihr. Liebevoll wischte James die Tränen ab und drückte seiner Frau einen Kuss auf die Stirn. Nach einer weiteren Wehe waren auch die Schultern des ersten Kindes zu sehen.
"Das Schwierigste haben Sie geschafft", ermutigte die Heilerin Lily. "Jetzt müssen Sie noch einmal ganz fest pressen und dann können Sie ihr Kind begrüßen."
Tatsächlich. Nach einer weiteren schmerzhaften Wehe konnten Lily und James den ersten kräftigen Schrei ihres Kindes hören. Für sie klang es wie die schönste Musik in ihren Ohren. "Begrüßen Sie ihren Sohn, Mr. und Mrs. Potter!", beglückwünschte sie die Heilerin. Rasch erhob sich James, um mit seinem Zauberstab die Nabelschnur zu durchtrennen. Anschließend durfte der stolze Vater seinen Sohn zum ersten Mal baden, wiegen und vermessen und danach in ein frisches Handtuch einwickeln. Das Kind wog 2481 g und war 47 cm lang.
Dann kehrte James mit seinem Sohn auf dem Arm zu Lily zurück und legte ihn ihr an die Brust. Liebevoll sah sie in das zerknitterte Gesicht des Neugeborenen. Lange blieb ihr aber nicht, diesen Anblick zu genießen, da nun schon wieder Wehen einsetzten. Auch ihre Tochter wollte nun das Licht der Welt erblicken. Rasch nahm James seinen Sohn und legte ihn vorsichtig in ein vorbereitetes Säuglingsbett, ehe er wieder die Hand seiner Frau ergriff.
Beim zweiten Kind schien es schneller zu gehen. Schon nach drei weiteren Wehen war der Kopf zu sehen und wenige Minuten später machte auch das kleine Mädchen mit lautem Geschrei auf sich aufmerksam. James, der zwischendurch befürchtet hatte, seine Hand werde abfallen, durchtrennte auch diesmal mit dem Zauberstab die Nabelschnur, badete seine Tochter, wog und vermaß sie. Sie wog 2438 g und war 46 cm lang.
Auch sie wickelte er in ein weiches Handtuch, ging zurück zu Lily und legte ihr ihre Tochter an die Brust, neben ihren Sohn, den schon die Heilerin wieder an ihre Brust gelegt hatte. Anschließend hatte die Heilerin den Raum verlassen, um der Familie ein wenig Zeit für sich zu geben. Glücklich und stolz betrachtete James seine Frau und die Zwillinge.
"Ich liebe dich, Lily", flüsterte er, legte einen Arm um sie und küsste sie liebevoll. "Ich liebe euch."
"Ich liebe dich auch, James", antwortete Lily und erwiderte den Kuss.
"Wir müssen uns Namen überlegen", sagte James nach einer Weile.
"Du hast recht", erwiderte Lily.
"Was hältst du von Sophie?"
"Das ist eine wundervolle Idee", antwortete Lily gerührt. Tags zuvor war es genau ein Jahr her gewesen, dass Lilys beste Freundin und Harrys zweite Patin von Todessern ermordet worden war.
"Sophie Lily Potter", flüsterte James. "Das ist ein wunderschöner Name."
"Und Alexander", schlug Lily als zweites vor. "Nach deinem Vater."
Nun traten James Tränen in die Augen vor Rührung. Auch sein Vater war kurz nach Harrys Geburt ermordet worden, ebenso seine Mutter. "Ich liebe dich, mein Engel", flüsterte er Lily zu. "Alexander William Potter. Nach unser beider Väter."
Lily lächelte ihn glücklich an. "Sophie Lily und Alexander William Potter. Das sind wundervolle Namen."
DU LIEST GERADE
Halloween Time Travel
FanfictionHarry, Ron, Hermine, Ginny und Teddy besuchen nach dem Krieg an Halloween 1998 Lilys und James' Grab. Plötzlich reisen sie in der Zeit zurück und landen im Wohnzimmer der Potters - ausgerechnet an Halloween 1981. Können sie gemeinsam Voldemorts Angr...
