Die Taufe

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Am darauffolgenden Samstag versammelte sich eine große Menschenmenge in der Löwenhöhle in Godric's Hollow. Heute würden Sophie und Alex in der Dorfkirche getauft werden und dazu waren neben den Paten mit ihren Familien auch Julia, Sam und Oliver eingeladen. So wuselten insgesamt elf Kinder im Alter von knapp einem (Klein-Ginny) bis elf Jahren (Bill) im ganzen Haus herum. Auch Klein-Ginny hatte in den letzten zwei Wochen laufen gelernt. Alle Erwachsenen waren festlich gekleidet, die Kleinkinder trugen robuste Kleidung, die beim Spielen nicht hinderlich war.
Um halb zwölf machte sich die Grupe aus fünfzehn Erwachsenen und (inklusive der Täuflinge) dreizehn Kindern auf den Weg zum zentralen Platz des Dorfes, an dem die Kirche stand. Nach einer guten Viertelstunde hatten sie den halben Kilometer hinter sich gebracht; mit so vielen kleinen Kindern brauchte man halt etwas länger. Harrys Blick wurde unwillkürlich von dem Friedhof angezogen, der neben der Kirche lag. Hier hatte vor mehr als neun Monaten ihre Reise angefangen. Hier hatte er die Gräber seiner Eltern besucht. Seitdem war er nie wieder auf diesem Friedhof gewesen.


Die Kirche war nicht besonders groß, sie bot Platz für vielleicht 50 Personen, aber für die Taufgesellschaft reichte es allemal. Am Altar stand ein noch recht junger Geistlicher, keine vierzig Jahre alt, der aber dennoch schon zur Glatze neigte. Sein Name war Andrew Richards. Er hatte auch schon Lily und James getraut, was jetzt knapp drei Jahre her war. Die beiden wussten, dass er selbst zwei kleine Kinder hatte und daher sich durch die Unruhe der vielen Kindern nicht stören lassen würde.
Er war ein Muggel, wusste aber schon lange über die Zaubererwelt Bescheid, da seine Schwester eine Hexe war. Ihn schreckte es nicht ab, mit Hexen und Zauberern zu tun zu haben, im Gegenteil. Er freute sich, dass sie der Kirche nicht feindselig gegenüberstanden, wie es nach den Hexenverfolgungen der vergangenen Jahrhunderte durchaus verständlich gewesen wäre. Aber überall in der Zaubererwelt feierte man Weihnachten und Ostern, auch wenn man weniger Gott als viel eher Merlin verehrte. Lily war ohnehin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen.

James und Lily saßen mit den beiden Täuflingen in der ersten Reihe und rechts und links von ihnen saßen die vorgesehen Paten. In den Reihen dahinter saßen die anderen Erwachsenen und die Kinder, von denen die meisten ein Bilderbuch zur Beschäftigung dabei hatten. Bill und Charlie schauten immer wieder kopfschüttelnd zu ihren Geschwistern, als würden sie sich unter ihrer Würde benehmen. Auch Percy, der bald sechs würde, versuchte zu zeigen, wie erwachsen er schon war und saß still auf seinem Platz und schaute nach vorne.

Pastor Richards hielt jetzt eine kurze Predigt darüber, wie wichtig es ist, dass ein Kind mit viel Liebe aufwächst und dass es nicht nur die Eltern, sondern auch noch andere Personen hat, denen es bedingungslos vertrauen kann. Dass die Paten Menschen sein sollten, an die sich ein Kind auch mit Fragen oder Problemen wenden kann, die es lieber nicht mit den Eltern besprechen möchte. Und zu guter Letzt sollen die Paten dem Kind ein sicheres und liebevolles Zuhause geben, falls den Eltern einmal etwas zustoßen sollte.
Richards wusste auch, dass den vielen Kindern schnell langweilig wurde, also hielt er diese Ansprache recht kurz. Anschließend wurde ein Lied gesungen und dann bat er auch schon Lily und James mit Alexander und seinen Paten, an das Taufbecken heranzutreten. Lily übergab Sophie, die sie in den Armen gehalten hatte, an Sirius. Dann erhoben sie und James sich und gingen gemeinsam mit Remus und Molly nach vorne.

Da er verhindern wollte, dass sich die anderen Kinder ausgeschlossen fühlten, band Richards auch Klein-Harry und Klein-Hermine in die Taufzeremonie mit ein. So beauftragte er Klein-Hermine einen kleinen Krug mit Wasser heranzutragen und in das Taufbecken zu gießen. Da sie dafür zu klein war, hob er sie kurzerhand hoch. Auch für Klein-Harry hatte er einen Hocker hingestellt, damit er das Geschehen verfolgen konnte.
Erst taufte der Pastor das Kind auf den Namen Alexander William, während er dreimal eine Handvoll Wasser über seinen Hinterkopf fließen ließ. Anschließend gelobten Molly und Remus, dem kleinen Jungen stets mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Dazu nahmen sie jeweils den Täufling auf den Arm, während Lily und James einen Zauber ausführten, der ein magisches Band zwischen dem Kind und seinen Paten knüpfte. Dieses Band bewirkte, dass Molly und Remus es jederzeit instinktiv spüren würden, wenn Alex in akuter Gefahr schwebte. So konnten sie ihm in diesen Fällen sofort zu Hilfe eilen.

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