Wieder sah Julia äußerst geschockt aus. "Askaban?", flüsterte sie entsetzt. "Lebenslänglich? Oh Merlin! Er ist nie wieder da rausgekommen?"
"Nun, doch. Nach zwölf Jahren ist er aus Askaban ausgebrochen, weil er erfahren hat, dass Pettigrew noch lebt und er Angst hatte, dass der mir etwas antut. Das war zu Beginn meines dritten Schuljahres. Am Ende des Jahres habe ich dann die Wahrheit erfahren, doch Pettigrew konnte erneut fliehen und Sirius musste sich verstecken, weil das Zaubereiministerium ihn nach wie vor für schuldig hielt. Unter anderem hat er sich in der Höhle versteckt, die ihr heute besucht habt."
"Insofern hattest du also gar nicht so Unrecht, als du meintest, sie sei ein gutes Versteck für entlaufenen Verbrecher", warf Sirius ein und grinste Julia an.
"Wie kannst du das so locker nehmen?", fragte sie ihn entgeistert.
Sirius hob die Schultern. "Naja, ... es ist ja nicht passiert, in ... in dieser Vergangenheit. Zunächst war ich natürlich auch sehr geschockt, aber dann sagte ich mir: 'Was nützt es, sich über Dinge verrückt zu machen, die eben nicht geschehen werden?'" Julia nickte langsam und Harry erzählte weiter.
"Am Ende meines vierten Schuljahres dann ..." Er überlegte kurz. "Nein, ich muss früher anfangen. Als Voldemort meine Eltern überfiel, sie getötet hatte, da wollte er auch mich töten. Nachdem er meinen Vater ermordet hatte, ging er in mein Kinderzimmer, wo sich meine Mutter mit mir versteckte. Doch meine Mutter weigerte sich, mich ihm preiszugeben und ließ sich lieber selbst töten, um mich zu retten. Danach versuchte er, mich umzubringen, doch weil meine Mutter gestorben war, um mich zu retten, prallte sein Fluch an mir ab und fiel auf ihn zurück. Voldemort verschwand für lange Zeit, er war aber nicht gestorben, und mir blieb nur diese Narbe hier." Harry strich seine Haare zur Seite und zeigte auf die Blitznarbe.
Er machte eine kurze Pause und sammelte seine Gedanken. "Nun denn. Am Ende meines vierten Schuljahres schaffte es Voldemort, seinen Körper zurückzuerlangen, unter anderem mit Pettigrews Hilfe. Am Ende meines fünften Jahres ist Sirius dann im Kampf gegen Todesser von seiner eigenen Cousine ermordet." Wieder stieß Julia einen erstickten Schrei aus und presste eine Hand vor den Mund. Mit der anderen Hand umklammerte sie Sirius' Hand.
Wieder legte Harry eine kurze Pause ein, um ihr Zeit zu geben, das gehörte zu verarbeiten, doch nach ein paar Minuten redete er weiter. "Am Ende meines sechsten Schuljahres ist dann Professor Dumbledore gestorben und nur wenige Wochen später hat Voldemort die Macht über die Zaubererwelt übernommen, sowohl über das Ministerium als auch über Hogwarts. Daher konnte ich nicht nach Hogwarts zurückkehren.
Du musst wissen, nach seiner Rückkehr war Voldemort davon besessen, mich zu töten, weil ich der Grund für seinen Sturz war und er glaubte, dass ich seiner Herrschaft gefährlich werden könnte. Daher konnte ich nicht in Hogwarts bleiben, ebenso wenig meine besten Freunde Ron und Hermine, zumal es Hermine als Muggelstämmiger unter dem neuen Todesserregime ohnehin nicht mehr erlaubt war. Anfang Mai 1998 konnte Voldemort dann endgültig besiegt und die Zaubererwelt befreit werden. Wir lebten gerade ein halbes Jahr in Frieden, besuchten an Halloween das Grab meiner Eltern und wurden plötzlich in die Vergangenheit katapultiert."
Nachdem Harry seinen Bericht beendet hatte, herrschte für ein paar Minuten Stille, die nur von den drei kleinen Kindern durchbrochen wurde, die auf dem Boden fröhlich miteinander spielten.
"Das ist die verrückteste und absurdeste Geschichte, die ich je gehört habe", sagte Julia schließlich. Niemand wusste darauf etwas zu sagen, doch Julia fuhr schon fort. "Trotzdem glaube ich euch. Oder gerade deshalb. So eine Geschichte kann sich niemand ausdenken."
Harry war erleichtert, ebenso alle anderen. Er hatte Angst gehabt, sie würde ihn für verrückt erklären und mit ihm auch Sirius und dann hätte er, Harry, Sirius' Beziehung zerstört. Nach einer Weile brannten Julia weitere Fragen unter den Nägeln.
"Also, Harry ist Lilys und James' Sohn. Aber was macht Hermine hier? Also die kleine Hermine? Ist sie auch mit euch verwandt?"
"Nicht blutsverwandt, nein", sagte Lily nach kurzem Zögern und Hermine übernahm.
"Ich hatte doch erzählt, dass letzte Woche meine Eltern und Großeltern ermordet wurden. Wir sind ihnen zu Hilfe geeilt, doch wir kamen zu spät." Sie biss sich auf die Lippen, konnte aber ein Schluchzen nicht vermeiden und wurde von Ron in seine Arme gezogen.
"Aus diesem Grund", übernahm Harry den Faden, "und auch, weil Hermine für mich schon lange wie eine Schwester ist, haben wir gemeinsam entschieden, dass sie das auch tatsächlich wird und als meine Schwester bei meinen Eltern aufwächst."
Julia sah wieder sehr betroffen, aber auch beeindruckt aus ob dieses Zusammenhalts. "Und ... wer ist Teddy?", fragte sie zögernd, fast so, als habe sie Angst vor der Antwort.
"Er ist mein Sohn", sagte Remus schlicht. "Und Harry ist sein Pate."
Julia nickte fast erleichtert, hakte aber nach. "Wenn Harry sein Pate ist, dann ist er auch ... naja, aus der Zukunft?" Remus und Harry nickten.
Wieder herrschte einige Momente Stille, dann fragte sie weiter. "Was habt ihr gemacht, nachdem ihr V-Voldemorts Angriff abgewehrt und zu Sirius gegangen seid?"
"Wir acht hier haben zusammen mit Professor Dumbledore eine ... eine Strategie entwickelt, wie Voldemort zu besiegen ist", antwortete Ginny. "Wir wusste aus der alternativen Vergangenheit, welche ... Schritte er unternommen hatte, um seine Macht zu festigen und wie diese Schritte beseitigt werden konnten, sodass er schließlich besiegt werden konnte."
"Was für Schritte?", fragte Julia argwöhnisch.
Harry schüttelte mit dem Kopf. "Das willst du nicht wissen, Julia, glaub mir. Du willst nicht all die Grausamkeiten, die Voldemort begangen hat, in all ihren Einzelheiten wissen. Davon bekommt man wahrlich keine schönen Träume." Zu Harrys Erleichterung gab sich Julia damit zufrieden. Die Wahrheit über seine Identität und die seiner Freunde zu erzählen war eine Sache, aber die Sache mit den Horkruxen sollten doch nur möglichst wenige erfahren. "Jedenfalls waren Anfang letzte Woche die Vorbereitungen abgeschlossen", schloss Harry den Bericht, "und wir warteten auf eine Gelegenheit, Voldemort anzugreifen. Und diese Gelegenheit hat sich am Donnerstagabend ergeben."
Wieder herrschte einen Augenblick Stille. "So, Julia, damit bist du eine von nur drei Personen außer uns acht, die diese Geschichte kennen", sagte Remus schließlich.
"Sieh es als Ehre an", ergänzte James grinsend. "Damit stehst du auf einer Stufe mit Professor Dumbledore."
Julia lächelte matt. "Das seid also ihr", sagte sie und deutete auf Klein-Harry und Klein-Hermine und auf deren ältere Ausgaben. "Ist es nicht merkwürdig, sich selbst als andere Person zu sehen? Noch dazu als kleines Kind?"
"Das kannst du laut sagen", bestätigte Harry lachend. "Ziemlich merkwürdig. Mittlerweile hab ich mich ein wenig daran gewöhnt, aber ist und bleibt seltsam."
Sirius kicherte. "Am seltsamsten für ihn war es, als er von seiner eigenen Freundin gewickelt wurde."
Alle bis auf Harry prusteten los und brüllten vor Lachen. Eine Sekunde später stieß Sirius einen lauten Schrei aus. Harry hatte blitzschnell seinen Zauberstab gezückt und schon hing Sirius kopfüber an der Decke. "Ich bring dich noch mal um, Tatze!!!", brüllte er, während die anderen in einer weiteren Lachsalve zusammenbrachen.
"Hab dich doch nicht so", zog Ron ihn auf. "Was ist denn dabei, wenn Ginny dein einjähriges Selbst den Popo abwischt?"
"ARRGHHH!!!", schrie Harry verzweifelt, "Wie sich das anhört! Als wäre sie meine Altenpflegerin!"
Wieder brachen sie in Gelächter aus. "Ach komm schon, Harry", neckte ihn Ginny, "Ich fand, du hattest einen süßen kleinen Babypopo."
Harry erdolchte sie mit seinen Blicken. "Das gibt noch Rache!", flüsterte er ihr zu, als sie sich endlich beruhigt hatten, doch Ginny hatte schon wieder ihre Unschuldsmiene aufgesetzt.
Sie unterhielten sich noch eine Weile weiter, dann beschlossen sie schlafen zu gehen. Es war schon fast halb zwölf, an diesem Wochenende wurden die Sperrzeiten aber nicht so streng gesehen wie sonst. Sirius brachte Julia noch zum Ravenclawturm, während die anderen die entgegengesetzte Richtung einschlugen. Lily und James würden ein letztes Mal im Krankensaal übernachten, die anderen bezogen wieder ihre üblichen Zimmer.
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Halloween Time Travel
FanfictionHarry, Ron, Hermine, Ginny und Teddy besuchen nach dem Krieg an Halloween 1998 Lilys und James' Grab. Plötzlich reisen sie in der Zeit zurück und landen im Wohnzimmer der Potters - ausgerechnet an Halloween 1981. Können sie gemeinsam Voldemorts Angr...
