Lily biss sich auf die Lippen, James blies die Wangen auf und ließ die Luft geräuschvoll entweichen. Beide suchten Blickkontakt zu Harry, der leise seufzte, ihnen zunickte und zu sprechen begann. Er erklärte, dass er, Hermine, Ginny und Ron siebzehn Jahre in die Vergangenheit gereist waren und dass er Lilys und James' Sohn war. Abwechselnd gaben die vier Alice einen groben Überblick ihres bisherigen Lebens. Alice reagierte ähnlich ungläubig und sprachlos wie alle anderen, die die Geschichte bisher gehört hatten. Durch Lily, James, Remus und Sirius ließ sie sich aber letztendlich davon überzeugen, dass die Geschichte der Wahrheit entsprach.
"Du bist also Lilys und James' Sohn aus der Zukunft und ihr vier seid in der Zukunft nach Hogwarts gegangen und habt gegen Voldemort und Todesser kämpfen müssen", stellte Alice fest, auch wenn in ihrer Stimme ein leichter fragender Unterton zu hören war. Alle vier nickten synchron zur Bestätigung. "Kennt ihr mich oder Frank aus der Zukunft?", fragte sie dann. "Und wie ist es Neville ergangen? Seid ihr mit ihm befreundet? Und was ist mit unserem zweiten Kind?"
Wieder lies Harry die Luft aus seinen aufgeblasenen Wangen geräuschvoll entweichen. Bisher hatte er Neville und das Schicksal seiner Eltern bewusst ausgelassen bei seiner Erzählung, aber Alice hatte eindeutig ein Recht auf die Wahrheit. "Also, die dritte Frage als erstes: Ja, wir sind mit Neville befreundet, sehr gut sogar. Seine Eltern, also dich und Frank, haben wir allerdings erst einmal gesehen. Alice, es tut mir sehr leid das zu sagen, aber ..." - Harry blickte hilfesuchend zu seinen Freunde, sprach dann aber weiter - "Nevilles Schicksal war fast genauso grausam wie meines, wenn nicht grausamer."
Alice schaute ihn entsetzt an, nicht sicher, ob sie mehr hören wollte oder nicht, doch Harry sprach weiter. "Kurz nachdem meine Eltern gestorben waren, kurz nachdem Voldemort verschwunden war, wurdet ihr beide, also Frank und du, zuhause von vier Todessern überfallen. Bellatrix, Rudolphus und Rabastan Lestrange sowie Barty Crouch jr. Sie wollten herausfinden, wohin Voldemort verschwunden ist und dafür haben sie euch gefoltert. Sie haben euch so lange mit dem Cruciatusfluch traktiert, bis ..." - Harry biss sich auf die Lippen, zwang sich dann aber, weiterzusprechen - "naja, die Details möchte ich dir ersparen. Jedenfalls wurdet ihr beide schwer geschädigt; ihr konntet euch nicht mehr um Neville kümmern und lagt im St. Mungo. Neville ist bei seiner Großmutter aufgewachsen, also bei Franks Mutter."
Er blickte auf und sah in Alice' vollkommen geschocktes Gesicht. Lily ging zu ihr herüber und legte einen Arm um sie. Nach ein paar Minuten hatte sich Alice wieder so weit gefasst, dass sie nachhaken konnte. "Also ... also unser zweites Kind ... wurde gar nicht geboren?" Harry schüttelte bedauernd den Kopf. "Leider nein." "Und wie ist es Neville ergangen?"
"Also wir haben ihn kennengelernt, als wir nach Hogwarts kamen", erklärte Harry. "Wie wir kam auch er nach Gryffindor. In den ersten Jahren war er - wie soll ich das sagen? - er hatte recht wenig Selbstvertrauen, war unsicher und schüchtern und ein wenig ungeschickt. Mit den Jahren hat sich das aber gelegt. In unserem fünften Schuljahr, nachdem Voldemort zurückgekehrt ist, haben wir eine Verteidigungsgruppe gegründet - Dumbledores Armee - um zu lernen, sich gegen Todesser zu verteidigen. Er hat sich als einer der ersten angeschlossen.
Besonders nachdem dann Bellatrix, Rudolphus und Rabastan Lestrange aus Askaban ausgebrochen waren, hat er sich mit enormem Engagement dieser Gruppe gewidmet. Ich glaube, keiner hat sich durch die Gruppe mehr verändert als er. Er entwickelte einen unglaublichen Willen, sich den Todessern entgegenzustellen. Am Ende des fünften Schuljahres ist er auch ohne zu zögern ins Ministerium mitgekommen, um Sirius zu retten, als ich glaubte, Voldemort halte ihn dort gefangen. Dort stand er dann auch Bellatrix gegenüber, doch er hat sich auch unter Folter nicht einschüchtern lassen."
Alice Gesicht schwankte zwischen Entsetzen und Stolz über die Leistungen ihres Sohnes. Nun übernahm Ginny den Bericht. "In meinem sechsten - seinem siebten - Schuljahr ist er dann wirklich über sich hinausgewachsen. Inzwischen hatte Voldemort die Macht über die Zaubererwelt und auch über Hogwarts übernommen und zwei Todesser als Lehrer eingesetzt, ein weiterer war Schulleiter. Sie haben in Hogwarts ein regelrechtes Terrorregime errichtet, doch Neville hat sich das nicht gefallen lassen.
Er hat zusammen mit mir und einer weiteren Freundin Dumbledores Armee reaktiviert; so hatten wir die Verteidigungsgruppe zwei Jahre zuvor genannt. Nachdem diese andere Freundin und ich aus verschiedenen Gründen uns aus Hogwarts zurückziehen mussten, war er der alleinige Kopf des Widerstands gegen die Todesser. Er hat sich von Drohungen und Folter nicht einschüchtern lassen, sondern hat unermüdlich gegen die Todesser agiert und seine Mitschüler animiert, es ihm gleichzutun."
An dieser Stelle übernahm Harry wieder das Erzählen. "Anfang Mai in unserem siebten Jahr kam es dann zur entscheidenden Schlacht zwischen Voldemort und den Todessern auf der einen und den Schülern und dem Phönixorden auf der anderen Seite. In dieser Schlacht sind viele gestorben, unter anderem Remus und seine Frau und Fred Weasley. Schließlich sah es so aus, als habe Voldemort gewonnen. Er ... nun ja, er glaubte, mich getötet zu haben und präsentierte meine 'Leiche' den verbliebenen Kämpfern und forderte sie auf, sich ihm zu ergeben.
Neville dachte aber gar nicht daran, im Gegenteil: Er stellte sich vor alle hin, beleidigte die Todesser und Voldemort und bekannte seine Loyalität zu Dumbledores Armee. Anschließend schnitt er Voldemorts Schlange den Kopf ab und trug damit entscheidend dazu bei, dass er letztendlich vernichtet werden konnte. Dafür wurde er später auch mit dem Orden des Merlin geehrt." Harry sah auf und nun dachte er, Alice würde platzen vor Stolz.
"Das hat er getan?", flüsterte sie. "Das hat mein kleiner Neville getan? Oh Merlin!" "Alles in allem kann man sagen, der Sprechende Hut hat nicht falsch gelegen, als er ihn nach Gryffindor steckte!", stellte Ron trocken fest. Harry sah in an und brach in schallendes Gelächter aus, ebenso wie alle anderen. Die Spannung, die sich während der Erzählung aufgebaut hatte, fiel jetzt durch das befreiende Lachen von allen ab.
Jetzt wollten sowohl Alice als auch Molly ihre Patenkinder mal in den Armen halten. Alice blickte liebevoll auf Sophies Gesicht hinab. Schnell merkte aber Neville, dass seine Mutter ein anderes Kind im Arm hatte und das gefiel ihm gar nicht. Er zog an Alice' Hosenbein und fing an zu weinen, sodass sie Sophie schnell mit entschuldigender Miene an Lily zurückgab und Neville tröstete.
Am Kaffeetisch sprachen sie über erfreulichere Themen. Alice berichtete über ihre Schwangerschaft und beschwerte sich darüber, dass ihr Mann ihr jede Anstrengung verbieten wolle. Während die Männer am Tisch Frank unterstützten (auch James hatte in den letzten Monaten versucht, Lily von allen Anstrengungen abzuhalten), verdrehten die Frauen, allen voran Lily und Molly nur die Augen. Auch erfreulich war, dass in den letzten Wochen und Monaten dutzende Todesser gefasst und verurteilt worden waren, zum Teil zu langen Haftstrafen in Askaban. Jeden Tag war der Tagesprophet voll von Berichten über Prozesse, häufig in reißerischer Form geschrieben von Rita Kimmkorn.
Nach dem Kaffe verabschiedeten sich Alice mit Neville sowie Molly wieder aus der Löwenhöhle und kehrten nach Hause zurück. Lily war inzwischen wieder sehr erschöpft und wurde von James, aber auch von Harry und Sirius resolut aufs Sofa verfrachtet, wo ihr auch bald die Augen zufielen. Gerade als sie sie zum Abendessen wecken wollten, übernahmen Sophie und Alexander die Aufgabe und verlangten lautstark nach Nahrung und nach einer neuen Windel. Während letzteres von den Paten übernommen wurde, konnte nur Lily die erste Aufgabe erfüllen.
Nach dem Abendessen sollten Harry, Hermine, Ron und Ginny wieder nach Hogwarts zurückkehren, schließlich standen in nicht einmal zwei Wochen die ersten UTZ-Prüfungen an. James waren zwei Wochen Sonderurlaub genehmigt worden, damit er Lily unterstützen konnte. Für die Zeit danach hatten sowohl Sirius als auch Remus beschlossen, ebenfalls in der Löwenhöhle zu wohnen, um ihre Freunde nach Kräften zu unterstützen.
Die vier Schüler verabschiedeten sich von jedem einzelnen der nun fünf Babys bzw. Kleinkinder und auch von den Erwachsenen. Nach zehn Minuten hatte jeder jeden einmal geküsst oder gedrückt und sie reisten durch den Kamin zurück in Albus' Büro. Der Schulleiter beglückwünschte als erstes Harry und Hermine zu ihren beiden Geschwistern, dann wünschte er ihnen eine gute Nacht und sie verließen sein Büro und gingen hoch zum Gryffindorturm.
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Halloween Time Travel
FanfictionHarry, Ron, Hermine, Ginny und Teddy besuchen nach dem Krieg an Halloween 1998 Lilys und James' Grab. Plötzlich reisen sie in der Zeit zurück und landen im Wohnzimmer der Potters - ausgerechnet an Halloween 1981. Können sie gemeinsam Voldemorts Angr...
