Bianca
Der Himmel über Palermo war grau, als würde selbst er spüren, dass etwas zu Ende ging.
Ich stand da, zwischen meiner Familie, mit meinem kleinen Koffer in der Hand. Meine Mutter weinte leise, versuchte, stark zu bleiben. Mein Vater legte mir eine Hand auf die Schulter, so fest, dass es fast schmerzte.
„Ruf an, sobald du gelandet bist," sagte er. Seine Stimme klang ruhig, aber ich sah, wie seine Kiefermuskeln arbeiteten.
Ich nickte. Ich konnte nicht sprechen. Nicht jetzt. Wenn ich es täte, würde ich bleiben.
„Ich brauch nur ein paar Tage... vielleicht Wochen," flüsterte ich schließlich.
Meine Mutter streichelte meine Wange. „Manchmal muss man gehen, um wiederzufinden, was man verloren hat."
Ich lächelte schwach. Es fühlte sich falsch an, zu lächeln, während mein Herz in tausend Stücke fiel.
Ich blickte noch einmal zurück.
In Gedanken sah ich ihn. Domenico. Sein Blick, seine Hände, seine Stimme. Alles in mir schrie danach, zurückzulaufen, ihm zu sagen, dass ich ihn liebte – trotz allem.
Aber ich tat es nicht.
Ich drehte mich um und ging. Schritt für Schritt, bis meine Beine zitterten.
Jeder Schritt war ein Abschied. Von meiner Familie. Von meiner Stadt. Von ihm.
Am Gate legte ich meinen Pass vor, der Name auf dem Ticket: Isabella Mendez.
Nicht Bianca Mancini.
Zum ersten Mal in meinem Leben war ich offiziell niemand.
Als ich ins Flugzeug stieg, überkam mich dieses seltsame Gefühl.
Dieses Prickeln im Nacken, als würde jemand meinen Namen flüstern, ganz leise. Ich drehte mich um – niemand. Nur andere Passagiere, hektisch, müde, gleichgültig.
Ich atmete tief durch und ging weiter.
Sitz 17A. Fensterplatz. Perfekt.
Ich wollte nicht reden, nicht gesehen werden, einfach nur... verschwinden.
Ich lehnte den Kopf an die kalte Scheibe, schloss kurz die Augen.
Doch dieses Gefühl blieb.
Dieses leise, unerklärliche Unbehagen.
Ein Mann zwei Reihen hinter mir. Dunkler Anzug, Sonnenbrille, trotz der geschlossenen Jalousien.
Er hatte nichts Bedrohliches an sich — aber etwas an der Art, wie er mich ansah, ließ mein Herz schneller schlagen.
Ich zwang mich, wegzusehen. Vielleicht nur Einbildung. Vielleicht nur meine Angst.
Das Flugzeug begann zu rollen.
Palermo wurde kleiner.
Und ich schwor mir, nicht zurückzuschauen.
Aber in meinem Innern wusste ich – Domenico würde mich finden. Früher oder später.
⸻
Domenico
„Nichts?" Meine Stimme klang gefährlich ruhig, als Antonio vor mir stand.
Er senkte den Blick, reichte mir ein Tablet. „Die Überwachungskameras am Flughafen – wir haben sie alle überprüft. Sie ist nicht drauf. Kein Flug unter ihrem Namen."
Ich nahm das Tablet, scrollte durch die Bilder.
Gesichter. Schatten. Menschen, die kamen und gingen. Aber kein Zeichen von ihr.
Bis ich innehielt.
„Zoom hierhin."
Antonio tat es.
Ein unscharfer Ausschnitt. Eine Frau, halb im Schatten, Sonnenbrille, rotes Oberteil.
Und neben ihr – ein Mann, groß, in Schwarz.
Mein Herz zog sich zusammen. „Wer ist das?"
„Wir wissen es nicht. Keine Daten, keine Einreise, kein Name. Aber... er war vor ein paar Monaten schon mal in der Nähe unseres Anwesens gesehen worden."
Ich hob den Blick. „Sag mir nicht—"
„Ja," unterbrach Antonio. „Marquez."
Ich warf das Tablet auf den Tisch, das Glas zersprang in einem Splitterregen.
„Er hat sie."
Antonio nickte langsam. „Oder er will, dass du das glaubst."
Ich trat ans Fenster. Mein Spiegelbild sah zurück – kalt, erschöpft, leer.
„Er spielt ein Spiel, das er nicht gewinnen kann."
„Wenn sie wirklich im Flugzeug war, ist sie jetzt schon über dem Mittelmeer," sagte Antonio leise.
Ich drehte mich zu ihm. „Finde heraus, wohin. Ich will wissen, welcher Flug um diese Uhrzeit gestartet ist. Check alle, auch die mit falschen Pässen."
Antonio zögerte. „Dom, du weißt, wenn sie wirklich untertauchen will—"
„Ich weiß, was sie will," schnitt ich ihm das Wort ab. „Aber ich weiß auch, dass Marquez sie will. Und das bedeutet, sie ist in Gefahr."
Er nickte und verließ den Raum.
Ich blieb zurück.
Nur ich, der Regen, und das Foto von ihr auf meinem Schreibtisch.
Das gleiche, das sie nie mitgenommen hatte.
Ich nahm es in die Hand, fuhr mit dem Daumen über ihr Gesicht.
„Warum bist du gegangen, amore mio?" flüsterte ich.
„Und warum fühlt es sich an, als wäre es nicht deine Entscheidung gewesen?"
⸻
Bianca
Die Maschine hatte längst die Wolken durchbrochen.
Italien lag unter mir, klein, weit weg.
Ich atmete aus, versuchte, ruhig zu bleiben.
Doch als die Flugbegleiterin an mir vorbeiging, sah ich, wie der Mann im schwarzen Anzug aufstand und kurz mit ihr sprach.
Er deutete in meine Richtung. Nur eine Sekunde – aber ich sah es.
Mein Herz raste.
Ich wandte den Blick zum Fenster, zwang mich, ruhig zu wirken.
Vielleicht bildete ich mir das ein. Vielleicht nicht.
„Entschuldigen Sie," sagte ich leise zur Stewardess, als sie zurückkam. „Könnte ich bitte den Platz wechseln? Ich... habe Flugangst."
Sie nickte freundlich. „Natürlich, gnädige Frau. Wir haben noch einen freien Platz hinten, 23F."
Ich nahm meine Tasche, stand auf, ging langsam den Gang entlang.
Ich spürte seinen Blick im Rücken, brennend, wachsam.
Als ich mich hinsetzte, zog ich mein Handy hervor – kein Signal.
Ich wollte eine Nachricht schreiben, nur eine:
Domenico, es war nicht so, wie du denkst...
Aber ich löschte sie wieder.
Was würde es ändern?
Ich lehnte mich zurück. Das Licht über mir flackerte kurz, und im gleichen Moment spürte ich es wieder – dieses leise Ziehen im Nacken, als würde jemand direkt hinter mir stehen.
Ich drehte mich um.
Der Sitz war leer.
Und doch... schwor ich, ich hörte jemanden flüstern.
Nur meinen Namen.
Ganz leise.
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Domenico
Ich stand in der Garage, die Motoren liefen bereits.
Antonio kam auf mich zu. „Wir haben was."
„Sag's."
„Ein Flug nach Madrid, Privatmaschine, Abflug kurz nach Mitternacht. Ticket auf den Namen Isabella Mendez. Das Gesicht... sieht ihr verdammt ähnlich."
Ich hielt kurz inne, dann nickte ich.
„Spanien also."
Antonio nickte. „Aber Dom, wenn Marquez wirklich dahinter steckt—"
Ich schnitt ihm das Wort ab. „Dann wird er bereuen, dass er sie jemals berührt hat."
Ich stieg in den Wagen, das Licht fiel durch den Regen, brach sich auf der Windschutzscheibe.
Und während der Motor aufheulte, schwor ich mir eins:
Ich würde sie finden.
Egal, in welchem Land.
Egal, wer sich ihr in den Weg stellte.
⸻
Bianca
Das Flugzeug begann zu sinken. Die Ansage ertönte, sanft, unbedeutend.
Aber mein Herz klopfte so laut, dass ich kaum etwas hörte.
Ich griff nach meiner Kette, der kleinen goldenen, die Domenico mir geschenkt hatte.
Ich wollte sie abnehmen – aber ich konnte nicht.
Ich schloss die Finger darum und flüsterte leise:
„Leb wohl..."
Doch in meinem Innern wusste ich – das war kein Ende.
Das war erst der Anfang.
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It Was Love That Brought Us Back
RomanceIn den dunklen Schatten der Unterwelt verwebt sich das Schicksal zweier mächtiger Mafiafamilien, die durch eine Jahrzehnte alte Freundschaft verbunden sind. Doch hinter der Fassade des Vertrauens lauert ein gut gehütetes Geheimnis, das Bianca ahnung...
