Domenico
„Ach komm schon, Domenico. Vergiss sie! Du hast was viel Besseres verdient," brabbelte diese Frau die ganze Zeit vor sich hin.
Ich hatte ihre nervige Stimme langsam satt, also stand ich auf und ging schnell auf sie zu. Ich packte ihren Arm und wirbelte sie herum.
„Wie kannst du es wagen, so über sie zu sprechen!" fuhr ich sie an. Meine Stimme war tief, gefährlich, jedes Wort ein Messer.
Ich drückte ihre Schulter fester, sah ihr direkt in die Augen.
Valenzia zischte leise, doch sie wich meinem Blick nicht aus.
„Es ist die Wahrheit! Du hast jahrelang auf sie gewartet, obwohl sie sich nicht an dich erinnern konnte! Du hast deine Zeit verschwendet, Domenico! Du hast mich für sie verlassen!"
Du hast jahrelang auf sie gewartet, obwohl sie sich nicht an dich erinnern konnte!
Ihre Worte hallten in meinem Kopf wider, wie ein Schuss in der Dunkelheit.
Ich spürte, wie sich in mir alles spannte.
„Das hättest du besser nicht sagen sollen, Valenzia..."
Die Stimme kam hinter mir. Ruhig, aber mit einem Unterton, den man nicht ignorieren konnte.
Ich drehte mich leicht, sah Antonio an.
Sein Blick war kalt. Berechnend.
Er stand mit verschränkten Armen da, die Krawatte leicht gelockert, der Ausdruck im Gesicht gefährlich ruhig.
Valenzia wich sofort einen Schritt zurück, spürte, dass sie zu weit gegangen war.
„Raus," sagte ich leise, aber mein Ton ließ keinen Widerspruch zu.
„Domenico, ich—"
„Ich sagte RAUS."
Sie schluckte, griff nach ihrer Tasche und verschwand. Ihre Absätze klackten auf dem Marmorboden, bis die Tür ins Schloss fiel.
Stille.
Ich atmete tief ein, ließ mich auf den Sessel fallen. Ich rieb mir die Schläfen.
Der Raum roch nach kaltem Rauch und teurem Whiskey.
Überall standen Dokumente, Akten, Berichte. Doch in meinem Kopf war nur sie. Bianca.
Zwei Tage. Zwei Tage war es her, dass ich sie zuletzt gesehen hatte.
Zwei Tage, seit sie einfach verschwunden war.
Kein Wort. Keine Nachricht. Nichts.
Ich hatte überall nach ihr gesucht.
Ihre Freundinnen sagten, sie sei plötzlich aufgebrochen, mitten in der Nacht.
Niemand wusste wohin. Und ihre Eltern? Sie wollten mir nichts sagen.
Aber ich wusste es.
Ich kannte sie zu gut.
Wenn Bianca verschwand, dann nur, um sich selbst zu schützen. Und dieses Mal... schützte sie sich vor mir.
Ich griff nach meinem Handy.
Nichts. Keine Antwort auf meine Nachrichten. Keine Anrufe. Nur Stille.
Diese Stille machte mich wahnsinnig.
Antonio stand noch immer da, beobachtete mich.
„Du solltest dich beruhigen," sagte er ruhig.
Ich lachte bitter.
„Beruhigen? Sie ist weg. Am Tag vor unserer Hochzeit. Und du willst, dass ich mich beruhige?"
Antonio schwieg eine Weile, während ich mein Glas nahm und das halbgeschmolzene Eis darin kreisen ließ. Das Geräusch füllte den Raum – kühl, metallisch.
„Beruhigen?" wiederholte ich leise, fast zu mir selbst. „Das Wort hat in diesem Haus nie etwas bedeutet."
Er trat näher. „Ich habe etwas herausgefunden."
Mein Blick hob sich sofort.
„Dann sprich."
Antonio legte ein Dossier auf den Tisch, dünn, unscheinbar. Nur ein Name prangte auf dem Deckblatt: Gabriel Marquez.
„Marquez...?" Ich erinnerte mich an das Gesicht. Dunkle Augen. Ein Lächeln, das nie etwas Gutes bedeutete. Der Feind von den Mancini's sowohl aus auch den Rossi's.
„Ein alter Feind. Früher bei den Rossis, bevor dein Vater ihn fallen ließ."
Antonio öffnete die Akte. „Er hat in den letzten Monaten versucht, an Informationen über dich und Bianca zu kommen. Und dann – zufällig – bekommt sie Nachrichten von einem Unbekannten Dieselben Formulierungen, die wir in seinen alten Berichten gesehen haben." Sprach er, als er mir erklärte, dass Bianca anonyme Nachrichten und Anrufe von dem unbekannten bekam. Woher er das weiß ? Tja das frage ich mich selber.
Ich schloss die Augen, presste die Finger gegen die Nasenwurzel. „Also war es nicht einfach irgendein Irrer."
„Nein," antwortete Antonio. „Es war eine Botschaft. An dich."
Mein Griff um das Glas wurde fester.
„Er wollte sie treffen. Und er wusste genau, dass sie dir wichtiger ist als alles andere."
Antonio nickte nur.
Ich stand auf, ging zum Fenster. Der Himmel draußen war grau, schwer. Unter mir glitzerte die Stadt wie eine Falle aus Licht.
„Sie glaubt, ich hätte sie betrogen," sagte ich leise. „Und während sie an allem zweifelt, lacht Marquez irgendwo in seinem Loch über das Chaos, das er angerichtet hat."
Antonio stand still neben dem Fenster, die Hände in den Taschen, als würde er nachdenken, ob er etwas sagen sollte oder nicht.
Ich sah sein Spiegelbild im Glas – derselbe kalte Blick, dieselbe Unruhe, die in unserer Familie vererbt wurde wie ein Fluch.
„Hast du ihre Spur?" fragte ich schließlich.
Er schüttelte den Kopf. „Nichts. Ihr Handy ist seit Stunden aus. Ich habe mit Giana gesprochen – sie meinte, Bianca wäre einfach gegangen. Keine Erklärung. Kein Ziel."
Ich ballte die Faust, bis das Glas in meiner Hand zu zittern begann.
„Und du willst mir sagen, keiner hat etwas bemerkt? Keine Kamera, kein Fahrer, kein verdammtes Signal?"
„Wir haben alle Aufnahmen aus der Stadt überprüft. Am Flughafen nichts. Kein Flug unter ihrem Namen. Wenn sie geflogen ist, dann mit einem anderen Pass."
Antonio machte eine Pause, bevor er weitersprach: „Sie wollte, dass niemand sie findet, Dom."
Ich wandte mich zu ihm um, langsam.
„Niemand verschwindet einfach so. Nicht sie. Nicht Bianca."
Er hob eine Braue. „Du weißt, wie sie ist. Stolz. Stur. Wenn sie glaubt, du hast sie verraten, dann läuft sie lieber in die Hölle, als dich um die Wahrheit zu bitten."
Ich atmete tief durch, versuchte die aufsteigende Wut zu zügeln.
„Dann hol sie aus der Hölle zurück."
Antonio schwieg. Ich wusste, was er dachte – dass ich gerade den Verstand verlor, dass ich wieder in den Teil von mir zurückglitt, den ich begraben wollte.
Aber Bianca war der einzige Mensch gewesen, der mich je wirklich gesehen hatte. Nicht den Sohn der Rossis, nicht den Erben. Nur mich. Domenico.
Ich ging zum Schreibtisch zurück, zog die Schublade auf und nahm einen kleinen schwarzen USB-Stick heraus. „Lass das durch unser Netzwerk laufen. Bewegungen, Konten, Flugmanifeste, alles. Wenn sie irgendwo ein Ticket gekauft hat – mit irgendeinem Namen – will ich es wissen."
Antonio nahm den Stick entgegen, nickte.
„Und was, wenn Marquez sie schon gefunden hat?" fragte er ruhig.
Ich hielt inne.
„Dann wird er beten, dass ich ihn vor ihr finde."
Antonio verzog den Mund zu einem schwachen, fast ironischen Lächeln.
„Manchmal frage ich mich, wer von euch beiden gefährlicher ist."
Ich sah ihn kurz an, ohne zu antworten.
Er nahm die Akte wieder an sich, wollte schon gehen, als ich sagte:
„Antonio... sag Vater nichts. Kein Wort. Wenn er erfährt, dass sie weg ist, macht er das zu einem Krieg, bevor wir wissen, worum es wirklich geht."
Antonio nickte knapp. „Wie du willst. Aber lange kannst du es nicht verbergen. Er merkt, wenn du so... rastlos bist."
„Dann lass ihn merken, was er will."
Als er ging, blieb die Tür leise hinter ihm zu.
Ich stand wieder allein im Büro, das Licht gedämpft, der Regen an den Fenstern.
Jede Sekunde, in der sie nicht hier war, fühlte sich an, als würde mir jemand Stück für Stück die Luft nehmen.
Ich nahm ihr Armband vom Schreibtisch – das kleine goldene mit dem eingravierten „B". Sie hatte es an dem Abend abgelegt, bevor sie mit ihren Freundinnen ihr Junggesellenabschied feiern ging. Sie hatte es bei mir vergessen.
Ich drehte es zwischen den Fingern, bis das Metall meine Haut brannte.
„Wenn du glaubst, ich lasse dich einfach verschwinden, amore mio..." flüsterte ich, „... dann kennst du mich nicht mehr."
Draußen leuchteten die Scheinwerfer des Wagens, den Antonio geschickt hatte.
Ich steckte das Armband in die Innentasche meiner Jacke, griff nach meiner Waffe und trat hinaus in die Nacht.
Die Stadt roch nach Regen und Rauch.
Irgendwo da draußen war sie. Und irgendwo lauerte Marquez – zu nah, um es Zufall zu nennen.
Diesmal würde ich keine Fehler machen.
Diesmal würde keiner von uns fliehen.
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It Was Love That Brought Us Back
RomantikIn den dunklen Schatten der Unterwelt verwebt sich das Schicksal zweier mächtiger Mafiafamilien, die durch eine Jahrzehnte alte Freundschaft verbunden sind. Doch hinter der Fassade des Vertrauens lauert ein gut gehütetes Geheimnis, das Bianca ahnung...
