Ich raufe mir durch die Haare, während ich zurück laufe. Naja, ich renne eher. Ich kann nicht verarbeiten was hier genau passiert ist. Wie zur Hölle kreuzt Lando in Henrys Wohnung auf? Wie lange war er schon in diesem Wohnzimmer? Ich habe mich von seinem Anblick übergeben oder eher doch vom Alkohol?!
Mit meinen Gedanken über die letzte Stunde, könnte ich schon wieder kotzen. Ich will die Tür aufdrücken, muss aber logischerweise feststellen, dass diese zu ist. „Fuck!" fluche ich vor mich hin. Die Straßenlaternen leuchten genau auf die Tür des Apartmentkomplexes und ich kann mich nicht mehr auf den Beinen halten. Ich lasse mich auf den Boden sinken und lehne mich an die Tür. Es ist so oder so ein katastrophaler Abend, da passt eine verschlossene Tür wie die Faust aufs Auge.
Ich lasse meinen Blick in den Himmel fallen und vertiefe mich auf den Mond. Wenigstens ist auf ihn Verlass, denke ich mir und muss über meine aktuelle Situation lachen. Ich kann alles nicht begreifen. Mit welchem Recht habe ich das verdient? Mein work und Travel sollte mir eine ausreichende Auszeit bieten und nicht alles gefühlt noch schlimmer machen.
Mein Handy vibriert in meiner Hosentasche. Ich hatte ganz vergessen, dass ich es eingesteckt hatte, aber jetzt bin ich umso glücklicher, dass ich es dabei habe.
Eine unbekannte Nummer taucht in meinen Nachrichten auf. Meine Augenbrauen ziehen sich zusammen, als ich die Nachricht lese.
„Hey Mona, hier ist Carlos. Geht's dir gut?"
„Hi Carlos, woher hast du meine Nummer?" Ich gehe nicht auf die Nachfrage ein, wie es mir geht, da ich mir nicht sicher bin, ob Carlos überhaupt von irgendwas zwischen mir und Lando weiß..
„Lando ist bei mir und hat mir von euch erzählt.. von Anfang an.. deswegen nochmal, geht's dir gut?" Ich kann den Nachdruck durch mein Handy spüren.
„Na dann kannst du dir ja vorstellen, wie es mir geht.. Ich möchte ungern in dieser Wohnung bleiben, meine Freundin Leah hat aber meinen Apartment Schlüssel.. zudem sitze ich vor verschlossener Tür.." keine Minute nachdem ich abgesendet habe, ruft Carlos mich an.
„Hallo?" frage ich um das Telefonat irgendwie zu starten.
„Hi, bleib wo du bist, Rebecca wird dich abholen kommen, du kannst bei uns auf dem Boot schlafen." er pausiert kurz, „Ähm also wenn du möchtest."
Ich stoße Luft aus und lasse den Kopf nochmals in den Nacken fallen. Ich bin froh das Carlos mir jegliche Entscheidung grade abnimmt. „Ja, aber.. ist er noch da?!" Ich höre mich miserabel an. Wie ein Häufchen Elend. In meinen Augen bilden sich Tränen und ich drücke mir sie schnell weg.
„Ja aber ich habe ein Gästezimmer für dich allein, Lando schläft bereits, er wird es nicht mitbekommen.." sagt er und wird leiser, als hätte er nochmal nachgesehen, ob Lando wirklich schläft.
„Okay" sage ich trocken. Ich bin müde und erschöpft.
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„Kann man hier duschen?" frage ich Rebecca nachdem sie mir das kleine Zimmer gezeigt hat. Sie muss schmunzeln und ich komme mir direkt dumm vor.
„Natürlich kannst du das. Hier ist dein Badezimmer, von hier aus kannst du auch direkt ins Schlafzimmer gehen, ohne das dich jemand sieht." erklärt sie mir im inneren des Bootes und ich muss feststellen, wie verwinkelt diese Yacht eigentlich ist.
Rebecca umarmt mich fest und ich sehe Carlos im Hintergrund uns zusehen. Er hat einen Schlafanzug in der Hand, der noch in Plastik eingepackt ist. „Wenn du uns brauchst, ruf mich an. Die Nummer hast du ja jetzt, oder?" Carlos übergibt mir sein kleines Paket und drückt mir die Schulter, während Rebecca sich bei ihm in der Hüfte einklemmt.
Beide sehen mich an, als wäre ich ihre kleine Tochter und kurz fühle ich mich unwohl. Ich schaue ihnen noch nach, als sie den hölzernen Flur wieder zurückgeben. Rebecca dreht sich nochmal um und wirft mir ein „Du bist nicht allein" Blick zu.
Ich werde die Plastik Verpackung direkt in den Mülleimer und lasse meine Finger über den seidigen Stoff gleiten. Der schwarze Schlafanzug hat lange Ärmel und eine lange Hose. Beides passt perfekt zusammen und ich bin froh, dass Carlos ihn in einer Nummer größer gebracht hat, damit er schön locker fällt.
Nach dem duschen flechte ich mir meine Haare in einen Bauernzopf, weil ich keine Lust auf föhnen habe.
Frecherweise durchsuche ich die Bad Schränke so lange, bis ich eine Zahnbürste gefunden habe und mir endlich diesen ekelhaften Geschmack im Mund entfernen kann. Meine Gedanken schweifen immer wieder zu Lando. Das Gefühl, dass er sich ebenfalls hier aufhält finde ich einerseits beängstigend. Auf der anderen Seite sehne ich mich trotz allen Vorfällen, nach seiner Nähe.
Ich lasse mich rückwärts aufs Bett fallen und atme tief ein und aus. Trotz meiner Müdigkeit und meiner Erschöpfung, kann ich nicht einschlafen.
Instinktiv stehe ich auf und gehe aus meinem kleinen Gästezimmer. Ich schleiche mich entlang des Flures und fühle mich komisch. Ich habe keine Ahnung wo Carlos und Rebecca schlafen, wo Lando ist oder ob hier noch mehr Menschen sind. Am Ende des Flures steige ich ein paar Treppen hinauf und ein kühler Nachtwind begegnet mir. Jetzt bin ich froh um den langen Schlafanzug.
Auf dem Deck angekommen gehe ich an der Seite entlang bis nach hinten. Ich erinnere mich an Carlos Party Nacht, wo Lando mich zu der kleinen bank am Ende des Bootes gezerrt hat. Von dort aus konnte man den Himmel so schön sehen. Zum Glück ist die Yacht auch nachts beleuchtet und ich finde den Weg problemlos.
Mir schießt eine Portion Adrenalin durch den Körper als ich seine dunklen Locken unter der Decke erkenne. Lando liegt auf der kleinen Bank zusammengekauert und schläft. Ich brauche einen Moment bis ich mich wieder bewegen kann. Ganz langsam drehe ich mich um und gehe wieder in die andere Richtung. Etwas in mir lässt mich nochmal zu Lando blicken.
Ich beobachte ihn ein paar Minuten lang, wie er dort liegt und etwas schnarcht. Seine Hände hat er nah bei seinem Gesicht und sein Mund steht etwas offen. Da die Bank so klein ist, hat er die Beine eingezogen aber seine Füße stehen raus.
Ohne groß nachzudenken, gehe ich hin und gebe die Decke so an, dass ich sie unbemerkt auf seine Füße legen kann. Es ist das erste mal, dass ich ihn schlafen sehe. Sonst ist er nach mir eingeschlafen und vor mir aufgewacht..
Ich schaue noch einen Moment seine Gesichtszüge an, als ich so nah bei ihm stand, bis mir der süßlich bittere Geruch entgegen kommt.. mit Carlos Aussage „er wird es nicht mitbekommen" hatte er recht denn Lando hat scheinbar getrunken..
Ich beschließe wieder zurück in mein kleines Zimmer zu gehen. Hinter mir schließe ich aber die Türe zu.. nur für den Fall..
Es dauert keine fünf Minuten, bis ich eingeschlafen bin.
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Meilenweit entfernt (Teil2)
Fanfiction-Der härteste Kampf ist zwischen dem, was du in deinem Kopf weißt, und dem, was du in deinem Herzen fühlst.-
