14. Lando

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Mein Herz pocht, als ich sie von der Seite ansehe. Sie hat ihren Blick auf die Aussicht gerichtet und sie sieht so bezaubernd aus. Für einen kurzen Moment vergesse ich den eigentlichen Grund für unser Treffen. Wie gerne würde ich sie umarmen und ihr einen Kuss auf ihre Haare geben. Ich lehne mich an meinen McLaren und schlage einen Fuß über den anderen, meine Hände vergrabe ich in den Hosentaschen und ich lasse meinen Blick einmal herum schweifen. Wir sind alleine und ich bin froh darüber.

Nach einigen Sekunden löst sie ihren Blick von meiner ausgewählten Heimat. Sie zeigt auf eine kleine Holzbank an der Klippe. „Sollen wir uns da hin setzen?" fragt sie sanft. Ich schenke ihr ein Lächeln und stoße mich von dem Auto ab, um ihr zu folgen. Die Stimmung ist angespannt, aber ich habe das Gefühl wir wollen beide nichts falsches sagen.

Nach einem Moment der Stille auf der Bank schauen wir beide grade aus. Ich beschließe ihr einfach alles aus meiner Sicht zu erzählen, bevor sie anfangen kann.
„Mona," jetzt sehe ich sie doch an, „ich muss mich bei dir entschuldigen. An diesem Abend, als du mir von deinem privaten Leben erzählt hast, habe ich nicht richtig reagiert. Ich war nicht für dich da, wie ich es hätte sein sollen."

Sie unterbricht mich. „An diesem Abend warst du für mich da.." Mona sieht auf ihre Finger und zupft an der Haut an den Fingernägeln herum.

„Aber danach nicht." Ich muss tief durchatmen um ihr den eigentlichen Grund erklären zu können. „Du hast bereits geschlafen, als mein Manager mich wiedermal angerufen hat. Ich muss gestehen er hat die ganze Zeit, während wir uns kennengelernt haben versucht mich zu erreichen.. ich habe mich entschlossen diesen einen Anruf anzunehmen und das war ein Fehler.. wir haben uns vor ein paar Jahren zusammen für das Konzept des „badboys" unter den Rennfahrern geeinigt, weil es mir einerseits total egal war und ich die Presse einfach nur satt habe und auf der anderen Seite, haben wir damit Jahrelang viel Geld verdient. Die Leute hassten mein Image und ich war Verkaufsschlager Nummer 1. Irgendwann hat mein Manager angefangen Frauen mit ins Spiel zu bringen, welche mich aus dem paddock begleitet haben und danach bezahlt wurden. Die Paparazzi haben jedes Wochenende in Scharen um unsere Garage gelauert um ein Foto von mir und einer Frau zu machen."

Als ich mir beim reden zuhöre, merke ich erst wie lächerlich dieses gesamte Konzept ist. Wie konnte ich damals so naiv sein und das zulassen? Ich bin umso glücklicher das Carlos mich zum kündigen gebracht hat und ich es auch wirklich gemacht habe.

„Mein Manager hat mich übers Handy über alle Konsequenzen ans Ohr geworfen und dabei immer wieder dich erwähnt. Irgendwie hat er es geschafft mich zu überzeugen, dass es nicht gut ausgehen würde wenn ich dich weiterhin sehen würde. Er sprach davon, dass du den Stress der Presse nicht aushalten würdest und dass unsere.. Beziehung den Druck nicht standhalten kann.
Als wir an dem Tag danach gemeinsam am Tisch saßen, hatte ich das Gefühl die Kontrolle zu verlieren. Ich hatte das Gefühl, nicht mehr die Oberhand über mein eigenes Leben zu haben. Mein einziger Ausweg war es dich so von mir zu stoßen, dass du nicht nachfragen würdest."

Ich merke wie mir die ersten Tränen über meine Wangen laufen. Monas Blick ist besorgt auf mich gerichtet.

„Ich hätte diese Entscheidung nicht zweimal treffen können. Die zwei Wochen ohne dich waren katastrophal. Das Rennen in Canada war ein Reinfall und ich habe meine Zweifel an der Entscheidung in Alkohol erstickt.. zumindest habe ich das probiert. Und als ich nach Monaco geflogen bin habe ich dich und Leah erst nicht bemerkt, bis du so geschrien hast.."

Ich kann Monas Gedanken förmlich rauschen hören. Sie versucht meine Worte in ihrem Kopf nachzuspielen und ihr Blick wechselt zu den einzelnen Situationen. Ich weis nicht richtig, wie sie es aufnimmt, aber diese Erklärung bin ich ihr mehr als schuldig.

„Fuck Lando.." murmelt sie leise und blickt wieder auf ihre Nagelhaut. Schnell vergräbt sie sie zwischen ihren Beinen. „Danke dass du mir die Wahrheit gesagt hast.. Ich finde keine Lösung für uns. Ich bin informiert über deine Auftritte in der Presse und ich kann sie zum Teil nachvollziehen. Ich.. Naja, wie willst du weiter machen? Willst du dein Image weiter aufrecht erhalten?" sie ist so vorsichtig in ihren Worten, dass ihre Stimme jeden Augenblick brechen kann.

„Ich möchte auf keinen Fall so weiter machen..Ich habe meinen Manager gekündigt, nachdem Carlos und ich ein intensives Gespräch miteinander geführt hatten. Henry ist bis zum Sessionsende mein Manager. Keine Fake-Frauen, kein Badboy gehabe, keine falschen Informationen nur fürs Image. Es macht mir Angst, aber ich bin bereit für die Veränderung."
Wieder hole ich tief Luft und blicke auf die unter gehende Sonne.
„Ich habe Angst davor, meine Gefühle in der Öffentlichkeit preis zu geben, da ich nicht weis ob die Menschen mich dann noch genau so interessant finden, wie jetzt. Ich habe Angst vor, richtig zu lieben."

Monas Hand wischt mir die Träne mit ihrem Handrücken weg und ich drehe meinen Kopf in ihre Hand. Es wird vermutlich das letzte Mal sein, dass ich ihre Zuneigung spüren kann. Ihr Gesicht ist starr, aber auch ihr rollt eine Träne über die Wange. Sie blinzelt ein paar mal schnell bevor sie die Stille unterbricht.

„Ich kann dir nicht versprechen, ob die Menschen dich noch so lieben wie vorher.. Aber ich kann dir versprechen, dass ich dich so mag, wie vorher. Ich glaube, der härteste Kampf ist der, den zu zwischen deinem Herzen und deinem Kopf führen musst."

Dieser Satz wirft mich aus meiner Bahn. Er ist so wirkungsvoll, dass ich nicht weiß wie ich reagieren soll. Mona hat verdammt nochmal recht. Ich habe Angst vor der Veränderung, auch wenn mein Herz längst weis, dass es Zeit dafür ist.
Jetzt sitzen wir hier und schweigen. Es ist dieses Mal kein unangenehmes schweigen. Es ist genau der Moment wo es nur uns zwei gibt. Mona hatte zwischenzeitlich ihren Kopf auf meine Schulter, und ich meinen Kopf auf ihren gelegt. Ich machte meine Augen zu und atmete tief die Luft ein. Ich würde diesen Moment am liebsten speichern und für immer festhalten...

Meilenweit entfernt (Teil2)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt