16. Lando

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Ich frage mich ob ich Mona mit meinen ehrlichen Worten verschreckt habe, aber beruhige mich selbst indem ich mir immer wieder selbst sage, dass es richtig war.
Dieses Wochenende wird katastrophal, mein Gefühl sagt mir, dass ich mich wirklich ernsthaft aufs Rennen konzentrieren muss, um nicht völlig zu versagen.

Die Freien Trainings unterzeichnen diesen Gedankengang nochmal, denn das erste Training endete auf p13 und das letzte immerhin auf p4. Routinemäßig werden anschließend Interviews geführt.
Ein Reporter hat vor eine Titelzeile von mir zu erfahren und fragt geschickt fragen. „Lando, wie verzweifelt sind sie in ihrer aktuellen Lage im Hinblick auf ihren Gewinn, oder hat es vielleicht etwas mit ihrer Privaten Veränderung zu tun?" ein schelmisches grinsen ziert sein Gesicht und ich muss mich beherrschen ihn nicht anzufahren.
„Ich bin nicht verzweifelt, natürlich ist ein Sieg etwas worauf ich hinarbeite, aber ich bin nicht verzweifelt. Ich weis, dass sie ihre kleine Schlagzeile wollen, aber ich gebe sie Ihnen nicht! Zudem wüsste ich von einer privaten Veränderung wohl eher als sie, oder?"
Stille. Jetzt bin ich es, der die Oberhand gewonnen hat und ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen. Schnell nehme ich einen Schluck aus der Flasche und fahre mir durch die Haare. Ich studiere das Gesicht des Reporters und frage mich ob er wohl einer der Paparazzi war, die Mona und mich an dem Pier fotografiert hatte. Ich hoffe sehr, dass Mona sich noch dieses Wochenende entscheidet, denn ich hasse das Gefühl. Ich weis, dass sie dieses Wochenende am arbeiten ist, aber sie fühlt sich trotzdem meilenweit entfernt von mir an.
Die weiteren Fragen sind banaler Müll, auf den ich mit meinem antrainierten Badboy-Gehabe antworte und somit den Reportern keinen leichten Job mache. Ich merke, dass ich meine Antworten schrittweise lockern muss. Aus Gewohnheit antworte ich frech und gemein, aber wenn ich wirklich meine Gefühle zeigen will, muss ich es auch hier machen. Noch während des Interviews, beschließe ich mit Henry dazu einen Plan zu erstellen.

Die Qualifikation wahr überraschend gut, oder eher gesagt die anderen Teams miserabel schlecht. Oscar und ich konnten uns auf p3 und p4 erarbeiten und durch mein Radio höre ich die Mechaniker klatschen. Natürlich ist das nicht mein endgültiges Ziel, aber ich habe das Gefühl, dass das Gespräch mit Mona den Nebel in meinen Kopf etwas klären konnte. Mir ist bewusst, dass überholen in Monaco technisch sehr anspruchsvoll ist, aber mit einer P3 im Rennen würde ich mich schon zufrieden geben. In der Hospitality gratulieren mir einige Mitarbeiter während ich auf dem Weg zur Theke bin. Ich brauche Wasser, da es heute unglaublich heiß ist.
„Eine Flasche Wasser bitte." Fast verschlucke ich meine eigene Zunge, als die Person hinter der Theke sich aufbückt.
Überrascht sehe ich auf, als Mona vor mir steht.

Ihre Haare sind zu dem berühmt berüchtigten Zopf zusammengebunden und liegen ihr etwas über die Schulter. Sie trägt ein Papaya-Tshirt und einen schwarzen Bleistiftrock, der einen kleinen Schlitz am Oberschenkel hat. Meine Augen wandern an ihr auf und ab und ich sehe vermutlich aus wie ein spanner.
Leah steht neben ihr und räuspert sich, weil ich die Flasche Wasser, die sie mir seit einigen Momenten hin hält, nicht annehme. Leah sieht genervt aus, aber ich glaube, ihr Blick ist nur gespielt. Als ich ihr das Wasser abnehme, und flüchtig lächle, kann sie sich ein grinsen auch nicht verkneifen.
Es sieht so aus, als hätte Mona mit ihr gesprochen, was mich erleichtert. Mona hat sich wieder gefangen und ist wieder in ihrer selbstbewussten Rolle. „Hey" sagt sie so neutral wie es ihr machbar ist, aber ich merke an ihrer Körperspannung, dass sie total nervös ist.

Mein Blick klebt förmlich an ihr und ich kann nicht anders, als ihre kurven anzusehen. Dieser verfluchte Rock legt sich so schmeichelnd an ihre Hüften, dass ich am liebsten meine Finger über den Stoff fahren lassen würde. Reiß dich zusammen, Lando, sie hat sich noch nicht entschieden.
Gefühlt stehe ich bereits seit Stunden hier, aber in Wahrheit waren es nur wenige Augenblicke. Um nicht unnötige Aufmerksamkeit auf diese Situation zu lenken, nicke ich beiden zu und drehe mich um. Im Augenwinkel sehe ich wie Leah Mona einen spielerischen Schlag gibt und ich muss grinsen. Sie haben wirklich miteinander gesprochen..

Nach der Qualifikation steht wieder ein Briefing an und ich verfluche meine Leidenschaft fürs Rennen fahren in jeder Sekunde. Als Kind war es viel einfacher, aber je älter man wird, desto mehr Technik und alles drum herum kommen zusammen. Wiedermal höre ich nur halb zu bis mich eine Hand auf der Schulter berührt. Mit einem Seufzen falle ich meinem Vater um den Hals. „Dad!" sage ich leise an seinem Ohr.

Mein Vater und ich sitzen in in der Hospitality, Mona hat längst Feierabend, und reden miteinander. Mein Vater ist mit seiner Firma selbst viel unterwegs, versucht aber immer wieder meine Rennen zu besuchen und mich zu unterstützen. Nach einigen Minuten sieht er mich fragend an. „Lando, was ist los mit dir? Das letzte Mal als du so drauf warst, war als..." er stoppt und erzählt langsamer weiter. „Als du deine erste Beziehung beendet hast." Ich schlucke. Erst jetzt fällt mir auch auf, wie ähnlich beide Situationen sind.
Nach meiner ersten Beziehung, hat das Presse „Image Wechsel" begonnen.. und jetzt verändere ich mich wieder. Es ist etwas verdreht, denn meine persönliche Veränderung ist positiv, aber mein Status der Beziehung umso komplexer.
„Wie heißt sie?" hält mein Vater weiter drauf und lächelt, weil er weis, das er den Nagel auf den Kopf getroffen hat.
„Mona" gestehe ich. Mir bleibt nichts anderes übrig.
„Mona" wiederholt mein Dad langsam, „muss ich dir alles aus der Nase ziehen oder erzählst du mir was los ist?"

Ich seufze.. und beginne ihm von Mona und mir zu erzählen. Wie sie mir aufgefallen ist, dass sie so unauffällig aber auch so besonders ist. Ich erzähle ihm wie sie sich durch ihre freche Art in meine Gedanken gepflanzt hat und seit dem nicht mehr aus ihnen verschwindet. Bevor ich ihm von der Situation mit meinem ehemaligen Manager erzähle, balle ich die Fäuste. Im Nachhinein ist mir die Situation so unglaublich unangenehm und zugegebenermaßen, einfach peinlich!

Der Gesichtsausdruck meines Vaters spiegelt meinen. Von glücklich bis peinlich berührt, kurz sauer auf die Dummheit seines Sohnes, bis hin zu Stolz, als ich ihm über das klärende Gespräch am Aussichtsplatz erzählte. Zum Schluss erzählte ich ihm von dem ganzen Presse Stress und mein Vorhaben dies zu beenden..Während dessen fiel es mir schwerer als sonst, ihm in die Augen zu sehen.
„Weist du eigentlich wie stolz ich auf dich bin?" er greift nach meiner Hand und beugt sich vor. „Du findest endlich den richtigen Weg für dich und ich sehe dir an, wie viel das von dir abverlangt." Er grinst flüchtig, um die Situation aufzulockern.

Seine Worte sind wie Balsam auf der Seele und wieder bekomme ich das Gefühl, dass sich der Nebel in meinem Kopf weiter lichtet. Alles setzt sich mehr und mehr zusammen, als wäre mein Leben ein Puzzle.


( Ich konnte mir nicht verkneifen, das Interview von Lando mit einfließen zu lassen. If you know, you know! Haha :D
Ich kann vermutlich nicht an einer Hand abzählen, wie oft ich mir diese markante Szene angeschaut habe. Zugegebenermaßen bin ich neidisch, wie Lando bei so manipulativen Fragen so schnell reagieren kann.

Wie findet ihr die Geschichte bisher? Was denkt ihr, wie wird sich Mona entscheiden? )

Meilenweit entfernt (Teil2)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt