13. Mona

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Seit ich erkannt habe, dass es Lando war, der in mich gelaufen ist, habe ich ein flaues Gefühl im Magen. Selbst nach dem arbeiten stand ich unter Strom und beschloss eine Runde laufen zu gehen.
Mit den Kopfhörern im Ohr konnte ich mich wenigstens für eine 8km Strecke etwas ablenken, obwohl ich konstant an ihn denken muss. Es ist irgendwie paradox. Lando hat mich erst positiv von sich überrascht und mich überzeugt, das er ein guter Mensch ist, ohne auf seinen Status zu plädieren. Außerdem schützte er mich vor der Presse und seinem Bruder Noah. Gleichzeitig hat er mich auch auf eine Art und Weise fallen lassen, wie ich es nie von ihm erwartet habe. Ich habe ihm mein Leben offenbart und eine Abfuhr als Dank erhalten.
Während das Wasser in der Dusche über meinen Körper läuft, erinnere ich mich an die erste Nachricht von Lando auf meinem Handy zurück. Es ist ein ähnliches Gefühl wie jetzt. Damals war ich auch so aufgeregt und nervös wie ich es jetzt bin. Nur habe ich jetzt das Gefühl, ich müsste kotzen..

Ob Lando sich wirklich meldet? Gott, ist mir schlecht..

Mein Blick huscht über den Spiegel und ich sehe mein eigenes Spiegelbild. Tiefe Augenringe zieren mein Gesicht und mir fällt auf wie eingefallen mein Gesicht ist. Erst jetzt merke ich, wie wenig ich die Tage in Monaco gegessen habe.

Ich entscheide vor dem Treffen mit Lando noch etwas zu essen, also mache ich mich fertig. Ich ziehe ein Kleid aus dem Koffer, da ich keine Lust habe, mich mehr mit einem Outfit zu beschäftigen. Der gestickte dunkelblaue Stoff legt sich angenehm auf meine Haut und ich beschließe meine Haare einfach zu Flechten und sie an der Luft trocken zu lassen.

Als Leah mich fragt, ob die mich noch begleiten soll, winke ich ab. Ich fürchte mich zwar vor diesem Gespräch, aber ich muss da alleine durch..

Auf dem Weg zur Bäckerei denke ich nochmal über meine Ziele nach. Dabei lege ich mir gedanklich eine Liste an. Zwischen einem ‚guten Work und Travel', ‚einem schönen Urlaub in Monaco' und ‚mehr Lauftraining' zog ich die gedankliche Handbremse. Ich kann mich jetzt nicht auf Dinge wie laufen konzentrieren.. Ich sollte eher in mich hören und wissen, was ich von Lando erwarte. Der Rest wird sich danach schon einspielen.
Aber.. was ist mir denn überhaupt wichtig? Was erwarte ich denn von ihm? Mein erster Gedanke was ‚Ehrlichkeit', keine Lügen keine Spielchen mehr. Ich muss ihn sich erklären lassen, auch wenn es mir schwer fällt..

Die Theke von der Bäckerei hat eine unnormal große Auswahl. Der Fakt, dass ich keinen Hunger habe, hilft mir nicht bei meiner Entscheidung. Ich zögere, entscheide mich aber dann doch für ein Croissant. In meiner Handtasche vibriert es, als ich bezahle, und ich versteife direkt. Der Kloß in meinem Hals bildet sich direkt wieder, als ich eine Abfolge von Nummern auf dem Display sehe.

„Hallo?" sage ich zögerlich, nachdem ich den Anruf angenommen habe.

Es dauert einen Moment bis er antwortet. Es rauscht im Hintergrund und es hört sich an, als wäre er am Auto fahren. „Hi Mona, hier ist Lando.. Ich würde dich abholen, sagst du mir wo du bist?"

Meinen Namen aus seinem Mund zu hören versetzt mir einen positiven Schauder und ich könnte mich selbst schlagen, weil ich ihm vermutlich aus der Hand fressen würde.. ich ignoriere das kribbeln in meinem Bauch und gehe an der Straße entlang.

„Hi Lando, ich.." Ich sehe mich um, da ich tatsächlich keine Ahnung habe wo ich genau bin, „äh ich schicke dir meinen Standort, in Ordnung?"

„Klar, bis gleich." sagt er kurz und legt auf.
Jetzt entscheidet es sich also...

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Ich habe einen großen schwarzen Audi erwartet, aber das Auto, welches ein paar Minuten später vor mir anhält, ist alles andere als ein Geländewagen. Ein dunkelblauer tiefer Wagen mit schwarzen Akzenten und getönten Scheiben fährt langsam an den Rand. Ich kann nur anhand des Nummernschildes erahnen, das es Lando ist und die Situation ist mir direkt unangenehm.

Er öffnet seine Fahrertür und schaut mich mit einem kleinen schmunzeln an. Bleib selbstbewusst, Mona..
Kaum ist er ausgestiegen, werden ein paar Handys gezückt und ich weis direkt, das jede Bewegung von uns gefilmt wird. Mein Puls wird schlagartig höher, denn er zieht mich zu einer kleinen, flüchtigen Umarmung an sich. Sein Parfüm steigt mir in die Nase und ich erwische mich wie ich meinen Kopf neige, um den Duft noch besser aufzunehmen. Er ist holzig, mit einem fruchtigen Unterton und mein Körper vermittelt mir direkt Geborgenheit.

Ich unterdrücke das Gefühl und lächle ihn flüchtig an, nachdem er sich aus der Umarmung entzogen hat. „Bereit?" flüstert er mir zu und nimmt den Blick nicht von meinen Augen. Ich nicke leicht.

Geschickt dreht sich Lando so um, dass mein Arm in meinem eingehangen ist und lenkt mich so zum Auto. Um ehrlich zu sein bin ich froh, dass er mir die Tür öffnet, denn diese öffnen sich nach oben und ich hätte nichtmal den Griff gefunden.

Ich lege meinen geflochten Zopf über meine Schulter, weil ich nicht will, dass die Sitze nass werden, während Lando einsteigt. Wir schweigen beide, als er den Wagen startet und mir entfällt ein Überraschtes „Oha", als ich die Motorgeräusche über den Sitz spüre.

Lando stößt ein kleines Lachen hervor und ich kann seinen Blick sprühen. Sein Lachen vermischt sich mit Sorge. „Ich habe eine Zeitung mitgebracht, falls du dein Gesicht von der Presse schützen möchtest.." sagt er sehr vorsichtig.

Jetzt sehe ich zu ihm. „Das ist mir diesem Schlitten unmöglich unerkannt zu bleiben," sagte ich und zeigte mit einem Zeigefinger eine Runde in der Luft, „zudem schäme ich mich nicht, mit dir gesehen zu werden." Als ich meinen letzten Satz beendet habe, kommt mir der Gedanke, dass Lando vielleicht nicht mit mir gesehen werden will.. „Außer natürlich du möchtest es?" wieder sehe ich ihn an, während er dem Straßenverkehr folgt.

„Bist du des Wahnsinns? Ich bin überhaupt froh, dass du mit mir redest." sagt er ehrlich, während unsere Blicke sich immer wieder treffen. Wir beide müssen lächeln und Lando fährt eine Straße bergauf während sich der dichte Verkehr immer mehr lichtet. Wir kommen an einem Parkplatz oberhalb Monacos an.
Als ich aussteige, bin ich überwältigt von der Aussicht über Monaco und das Meer mit dem Sonnenuntergang..

Meilenweit entfernt (Teil2)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt