[ABBA - Gimme! Gimme! Gimme!]
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(wer möchte kann auch die Version von Mamma Mia hören)
Hannah's Pov
"Mama, ich muss jetzt wirklich los!" Ich ziehe meine Schuhe halb im Gehen an und falle dabei beinahe um. "Wo willst du denn hin?", will meine Mutter von mir wissen und sieht mich fragend an.
"Hab ich dir doch schon dreimal gesagt, aber du bist immer wieder abgeschweift", erkläre ich ihr lachend. Ich gebe ihr noch eine schnelle Umarmung, sage ihr, dass ich auf dem Weg zu einer Party bin.
"Aber aufpassen! Warum nimmst du denn deinen Bruder nicht mit?", ruft sie mir noch hinterher und steht in der Haustüre, als ich schon fast an der Straße angekommen bin. "Nick hat keine Zeit", meine ich noch, bevor ich hinter einer Hecke verschwinde, denn ich habe es echt eilig. Ich bin total spät dran. Mama hat mich echt hingehalten, hat nicht aufgehört zu reden. Ich liebe es, mich wieder mit ihr zu unterhalten, keine Frage, aber ein Teil von mir möchte jetzt nun mal unbedingt zu Maxi. Und eigentlich habe ich keine Ahnung, ob mein Bruder wirklich keine Zeit hat. Das habe ich nur so gesagt, denn ihn brauche ich jetzt nicht mit. Vielleicht ein anderes Mal. Ich schmunzle vor mich hin und beeile mich zum Strand zu kommen.
Als ich endlich angekommen bin, folge ich der Menschenmasse den Strandweg entlang und als ich Maxi entdecke, der auf mich zukommt, muss ich ihn einfach anlächeln. Mein Herz schlägt schneller bei seinem Anblick und ich kann gegen das Lächeln auf meinen Lippen nichts machen, es ist wie angenagelt. Einfach fest.
"Hey", sagte er, als er vor mir stand, und zog mich in eine kurze Umarmung. Er roch nach etwas Saurem, wenn man das so sagen kann. Nach Zitrusfrüchten. Aber nach teuren Zitrusfrüchten.
"Hey", erwidere ich und seine braunen Augen leuchten auf. "Es tut mir so leid, meine Mutter hat mich aufgehalten und nicht aufgehört zu quatschen. Ich meine, ich bin froh, dass wir uns wieder gelassen unterhalten konnten, aber sie hat wirklich nicht aufgehört...und jetzt quatsche ich dich voll, na toll", ausatmend sehe ich ihn an, wobei ein Grinsen seine Lippen ziert.
"Wie geht's dir, Maxi?", will ich wissen, aber er kann mir nicht antworten, da mir Raban und Joschka eine Begrüßung zurufen. Maxi wendet sich zu den beiden, aber diese scheinen schon keine Interesse mehr zu haben, auf meine Antwort zu warten. Trotzdem habe ich jetzt die Aufmerksamkeit der anderen und winke ihnen erstmal zu.
"Besser", antwortet er mir schließlich. Ich lächle ihm erneut breit zu und sofort erscheint auch ein Schmunzeln auf seinen Lippen. Was ist das nur mit dem ganzen Gegrinse? "Das freut mich zu hören. Wollen wir?", ich deute auf die anderen und er nickt mir zu, bevor wir uns auf den Weg zu seinen Freunden machen.
Ich begrüße nochmal alle und setze mich dann glücklich neben Maxi, wobei wir eine Weile einfach nur aufs Meer hinaussehen. Wenn ich in seiner Nähe bin, wird mir sofort leichter ums Herz und ich bin euphorisch. Dieses Gefühl habe ich schon lange nicht mehr gespürt. Auch wenn ich mich mittlerweile wieder mit einem Elternteil besser verstehe, habe ich es noch nicht so stark empfunden wie bei ihm.
Maxi und ich führen schon eine etwas längere Unterhaltung. Über Gott und die Welt, wobei ich immer noch etwas zurückhaltender bin, auch wenn es nicht fair ist, verläuft unser Gespräch locker. Und das macht mich einfach abermals glücklich. Ich erzählte ihm von einem Hund, der mir auf dem Weg hierher hinterhergelaufen war, was total süß war, dennoch etwas traurig, da er kein Zuhause zu haben scheint. Joschka mischte sich ein und versuchte, mit einer schlechten Imitation ein Bellen nachzustellen, was ehrlich gesagt ziemlich schrill klang, aber lustig war. Joschka zog auch die ganze Aufmerksamkeit unserer Freunde auf sich und alle begannen zu lachten, wobei ich bemerkte, wie mich mein Sitznachbar von der Seite beobachtet. Klingt das eingebildet, wenn ich sagen würde, ich liebe es, wenn er mich ansieht?
Außerdem liebe ich es, in dieser Konstellation zu sitzen, mit meinen neuen Freunden und so gelassen. Maxi und ich blicken nicht mehr aufs Meer, sondern haben uns zu den anderen gewendet. Ich muss immer wieder lachen, wenn Raban oder Joschka etwas Lustiges raushauen. Aber halte mich zurück, wenn in der Gruppe mal ernstere Themen anfallen. Da gehört es sich nicht zu lachen. Ich fühle mich bei ihnen so wohl, dass ich das Gefühl habe, schon immer ein Teil von ihnen gewesen zu sein.
Während sich die Sonne immer weiter zurückzieht und orange-rote Flecke am Himmel hinterlässt, habe ich mich irgendwann zu Raban und Joschka gesetzt und sie erzählten mir spannende Geschichten. Ich wollte immer mehr hören. Dennoch haben sie irgendwann begonnen zu erzählen, wie sie zu ihren Erfindungen und zu ihrem Hobby, abseits des Fußballs, gekommen sind.
Damals stellte ihr Fußballtrainer ihnen einen Freund vor, welcher viele verschiedene Geschäfte führte und zudem auch Dinge erfand, weshalb die beiden sich entschieden haben, dasselbe auszuprobieren. Und ich finde das super spannend. Einfach von ihrer Vergangenheit zu hören, entspannt mich. Und dass Raban und Joschka eine weitere Leidenschaft gefunden haben, macht mich irgendwie stolz, keine Ahnung warum. Vielleicht weil ich gerade auch beginne eine neue Leidenschaft zu entdecken: Klavierspielen. Ich habe Maxi schon vorher davon erzählt und er hat sich irrsinnig für mich gefreut, dass ich neuen Hobbys nachgehe.
Hin und wieder merke ich auch, wie er mich ansieht, und ich kann mich nur wiederholen: Ich liebe es. Es lässt mein Herz auf eine angenehme Weise schneller schlagen, ich bekomme eine Gänsehaut und muss mich zusammenreißen, nicht zu breit zu grinsen. Ich sehe auch ein paar Mal zu ihm, aber er wirkt nicht ertappt und schon gar nicht beschämt, eher selbstbewusst. Als wüsste er genau, dass er eine Trophäe ansieht, die bald ihm gehört. Wobei ich mich nicht mit Dingen vergleichen möchte, aber so angesehen zu werden, ist unbeschreiblich.
"Wie findest du das?", fragte mich Raban irgendwann. Die beiden haben mir gerade verraten, dass sie vorhaben, Mini-Luftbefeuchter für Autos herzustellen. Und ich finde, das könnte bei einer langen Autofahrt angenehm werden und im Auto nicht umfallen, da die meisten Luftbefeuchter, die ich kenne, etwas größer sind und eigentlich im Auto angeklebt oder irgendwie anders befestigt werden müssten.
"Das klingt richtig cool. Wie wollt ihr das bauen?", frage ich sie interessiert.
"Wir müssen uns erst mit etwas Technologie befassen und wie am besten das ganze Auto durch einen kleinen USB-Luftbefeuchter, betroffen sein wird.", erklärt mir der Rothaarige. "Sobald alles funktioniert, werden wir uns mit Markus zusammen tun, da er sich mit Autos auskennt, um zu sehen, wie wir das kleine Ding einbauen oder ob es eben nur eine Funktion gibt, wo man den Stick einstecken kann.", redet Joschka weiter. Ich bin schon auf ihr Ergebnis gespannt, welches aber, laut ihrer Aussage, noch eine Weile dauern wird.
Mein Blick streift irgendwann später mal wieder Maxis und ich lächle ihn an, wie könnte ich auch nicht? Mittlerweile strahlen überall bunte Lichter um die Wette und die Musik wurde schon etwas lauter gedreht, wobei man sich dennoch angenehm unterhalten kann. Als Maxi mir mit einem Nicken andeutet, zu ihm zu kommen, mache ich mich sofort auf den Weg, entschuldige mich aber noch zuerst bei dem Erfinder-Duo.
"Möchtest du etwas zu trinken?", fragt er mich und sieht mich dabei so liebevoll an, dass meine Bauchgegend beginnt zu kribbeln. Ich nicke ihm zu und gemeinsam machen wir uns auf den Weg zu einer Bar, die in der Nähe ist, wobei mir auffällt, dass ich noch nichts getrunken habe und wirklich ziemlich durstig bin. An der Bar angekommen bestellten wir Getränke, dennoch lasse ich bei Meinem den Alkohol weg. Ich wollte gerade meine Geldbörse aus der Tasche holen, da reicht Maxi schon einen Geldschein dem Barkeeper entgegen. "Ich lade dich ein", sagt er grinsend und nimmt das Wechselgeld wieder an. Ich muss aber nicht eingeladen werden, Maxi! Aber das weiß er natürlich nicht. Scheiße, er tut es schon wieder. Er lud mich immer wieder ein, weil er denkt, ich hätte kein Geld. Alles geht so verdammt nach hinten los. Und die Bombe würde platzen, wenn er es erfährt. Dass ich eigentlich mehr Kohle habe, als mehr als die Hälfte der Menschen, die sich hier auf der Insel befinden. Die Bombe droht schon zu explodieren, da ich eigentlich nicht länger lügen möchte, aber ich sitze schon zu tief, als dass ich einfach so mit ihm drüber reden könnte.
Hey Maxi, ich muss dir da etwas gestehen, ich hab eigentlich fett viel Kohle und war zu dumm um es dir zu sagen. Sowas kann ich doch nicht raushauen, ich muss das überdenken. Genau planen, bevor alles den Bach untergeht. Ich will unsere Freundschaft nicht aufs Spiel setzen.
Ich nehme einen Schluck vom kalten Getränk, um meinen Gedanken einen Schlussstrich zu geben und bedanke mich bei meinem Gegenüber. Wir gehen wieder zurück zu den anderen und setzen uns. Ich setze mich immer näher neben Maxi und irgendwann liegt sein Arm um meinen Schulten und ich genieße seine Nähe. Atme seinen Duft ein und möchte am liebsten die ganze Nacht so verbringen. Da sich Maxi gelassen mit seinen Freunden unterhält, tue ich so, als würde ich in meiner Tasche etwas suchen, wobei ich es schon längst in der Hand halte. Spiele vor mir Lippenpflege aufzutragen, nebenbei stecke ich Maxi aber zwanzig Euro in die Hosentasche und hoffe, er merkt es nicht. Sonst wird es unangenehm. Er scheint aber zu fokussiert auf das Gespräch zu sein, als etwas mitzubekommen. Gott sei Dank.
Immer mal wieder, werfe ich Maxi einen heimlichen Blick von der Seite zu, aber bin mir sicher, dass sie gar nicht so geheim sind, da er es mir anmerkt.
Sobald der ABBA Song Gimme! Gimme! Gimme!, durch die Boxen einer Bar dröhnen, schnellt mein Kopf nach oben und Maxi scheint sich dadurch leicht zu erschrecken. Er sieht mich von der Seite verwirrt an und ich muss nur grinsen. Ich liebe ABBA!
Ich sehe kurz durch die Runde und erblicke auch Vanessa, die sehnsüchtig auf die Tanzfläche blickt. Ich löse mich aus Maxis Arm und gehe zu ihr hinüber, schnappe mir ihre Hand und ziehe sie mit mir mit, dabei kann ich die Blicke der anderen auf uns spüren.
Wir tanzen, was das Zeug hält und Maxis Blick, der mich keine Sekunde aus den Augen lässt, prickelt auf meiner Haut und mir wird noch wärmer, als mir ohnehin schon vom Tanzen ist. Ich sehe, dass Juli etwas zu ihm sagt und Marlon zustimmend, nickt. Komme aber nicht darauf, was Juli gesagt haben könnte. Bin schließlich nicht gut im Lippenlesen. Maxi scheint aber kurz die Fassung verloren zu haben, sieht dann aber wieder zu mir und dieser Ausdruck in seinem Gesicht lässt mich fast dahinschmelzen, aber gleichzeitig auch erfrieren.
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Zwischen Herz und Verstand
FanfictionHannah verbringt diesen Sommer erneut mit ihrer Familie in ihrem Ferienhaus auf einer griechischen Insel. Da sie seit ihrer Kindheit jeden Sommer hier verbracht hat, gibt es nichts Neues, was sie erleben kann. Doch wie das Schicksal es so will, lern...
