Linus
Steve schaute abwechselnd zu Marlon und mir.
"Deswegen bist du wieder aufgetaucht, als wir im Urlaub waren?", fragte Steve. "Weil Marlon dich nach Hause geholt hat?"
Ich nickte nur und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht.
"Deine Noten haben sich wegen ihm verbessert?", fragte Mom.
Wieder nickte ich.
"Jungs...", sagte Steve. "Das ist krass... Und ihr könnt ja auch gerne weiterhin befreundet sein..."
Ich verdrehte die Augen und wollte Steve gerade etwas an den Kopf werfen, als ich zu meiner Mom sah.
Ich löste mich aus Marlons Griff und ging auf meine Mutter zu.
"Alles okay, Mom?"
Sie nickte nur. "Es tut mir leid.", schluchzte sie. "Es tut mir leid, dass ich nicht für dich da war."
"Du warst für mich da."
"Nein, ich hätte sehen müssen, dass du leidest. Ich hätte dich auffangen müssen."
"Du darfst dir nicht die Schuld geben. Ich hab es gut überspielt. Du hättest das nicht wissen können."
Sie nahm mich fest in den Arm und erst jetzt merkte ich, dass wir alleine in der Küche waren.
"Für mich ist es okay.", sagte sie dann und lächelte. "Es ist okay, wenn ihr ein Paar seid. Und es ist für mich auch vollkommen okay, wenn du auch auf Jungs stehst. Das ändert nichts an unserer Bindung."
(...)
Marlon kam nachts zu mir rüber geschlichen. Wir unterhielten uns noch eine ganze Zeit lang, bis wir einschliefen. Doch ich schlief nicht lange. In der Nacht wachte ich aus einem unbekannten Grund auf.
Ich starrte Löcher in die Luft und dachte über alles mögliche nach. Auch über Greta.
Irgendwann setzte ich mich aufrichtig hin und fing leise an zu weinen.
Es war komisch. Ich kannte sie ja gar nicht richtig. Aber ich hatte sie trotzdem ins Herz geschlossen.
War es Schicksal gewesen, dass wir uns an jenem Tag auf dem Friedhof begegnet sind? Und kurze Zeit später im Krankenhaus?
War sie gegangen um für Marlon Platz zu machen? Um ihn wieder auf die Erde zu holen? Ohne bleibende Schäden.
Ich spürte wie Marlon sich bewegte und mich von hinten umarmte.
"Was ist los?", nuschelte er leise und legte seinen Kopf auf meine Schulter.
"Greta ist gestorben..."
"Wer ist Greta?"
Ich erzählte ihm alles über sie, was ich wusste.
"Klingt so, als wäre sie aus eine bestimmten Grund mit dir auf dem Friedhof dagewesen.", sagte Marlon.
"Meinst du nicht, dass es Zufall war?"
"Ich glaube nicht an Zufälle."
"Du glaubst also..."
"Dass sie in dem Moment auf dem Friedhof war, um dein Schmerz zu teilen und ihn dir abzunehmen. Dass sie im Krankenhaus verstorben ist um mich zu retten und um zu ihrem Mann zurückzukehren."
"Sie sagte es geht bergauf und dass sie sich freut ihren Mann bald wiederzusehen. Meinst du sie hat es geahnt, dass sie stirbt?"
"Das ist möglich."
"Aber warum sagte sie dann, dass es bergauf geht, wenn sie wusste, dass sie stirbt?"
"Du musst das aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Sie vermisste ihren Mann. Sie wusste, dass sie stirbt und ihren Mann wiedersehen wird. Das war für sie ihr bergauf. Ihre große Liebe wiedersehen. Der Tod ist nicht immer schlecht. Wir machen ihn nur zu was schlechtem."
Ich lehnte mich zurück ins Bett und kuschelte mich an Marlons Brust.
"Wie schaffst du es immer die richtigen Worte zu finden?", fragte ich leise.
Marlon lachte kurz. "Das hab ich von meiner Mom."
"Vermisst du sie?"
"Manchmal."
"Erzähl mir mehr über sie."
"Nicht jetzt. Schlaf erstmal."
Er gab mir einen Kuss auf die Stirn und strich mir beruhigend durch die Haare, bis ich wieder einschlief.
(...)
Als ich am Morgen aufwachte, ging ich direkt joggen. Es war zwar kalt draußen, aber die Sonne schien bereits, was das Wetter um einiges erträglicher machte.
Die kalte Luft in meinen Lungen war Balsam für meine Seele und am Ende der Runde war mein Kopf wie leer gefegt.
Außer Atem lief ich die Auffahrt hoch, während ich Jays Nachricht beantwortete.
Jay
Andy lädt am Wochenende zum Saufen ein. Bringst du Marlon mit?
Linus
Ich kann ich fragen ob er Lust hat
Jay
Jipppiiieeehhh ^_^
Linus
Wtf? Was ist dieser Smiley?
Jay
Zu Gay?
Linus
Definitiv
Jay
Bumst du mich jetzt?
Linus
Nur, weil ich auf Jungs stehe, heißt es nicht das ich meinen Geschmack verloren habe.
Jay
Schade, hatte mich schon gefreut :c
(┬┬﹏┬┬)
Linus
Ich blockier dich gleich
Jay
(っ °Д °;)っ
Kopfschüttelnd steckte ich mein Handy in die Tasche und schloss die Haustür auf.
"Magst du einmal mitkommen, Schatz?", fragte meine Mom mich, welche mich bereits im Flur abfing.
Ich nickte und folgte ihr in die Küche. Dort saß Steve am Esstisch und Marlon stand hinter der Küchentheke.
"Wir haben geredet.", erklärte Mom. "Über dich. Die Beziehung zu Marlon und dir."
Ich blieb in der Tür stehen und verschränkte die Arme vor meiner Brust.
"Wir haben gemerkt, wie gut Marlon dir tut.", sagte Steve. "Wie gut ihr euch beiden tut. Wir dachten am Anfang einfach, dass ihr gute Freunde seid."
"Und wir haben gemerkt, wie wichtig ihr einander seid.", ergänzte Mom.
Ich seufzte leise und fragte mich wie lange dieses Geschwafel noch gehen soll. Marlon schaute zu mir und lächelte mich leicht an. Entweder um mir Trost zu spenden, weil sie immer noch gegen unsere Beziehung sind oder weil sie es endlich akzeptieren. Ich tippe auf Ersteres.
Meine Mutter sprach weiter: "Wir wollen gute Eltern sein und deswegen ist es für uns in Ordnung, wenn ihr ein Paar seid. Wir können eure Gefühle nicht unterdrücke und ignorieren."
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Trust me
RomanceAls Linus mit seiner Mutter zu ihrem neuen Liebhaber und seinen zwei Kindern zieht, fällt eine Welt für ihn zusammen. Er kämpft mit mentalen Problem, die er nach außen hin nicht zeigt. Langsam verliert er sich selbst immer mehr. Und dann ist da noch...
