Marlon
"STOP!"
Ich schaute zu dem Typen, welcher geschrien hat und ließ den Schrank los.
"Es reicht! Marlon gewinnt!"
Die Menge flippte aus und David gleich mit.
"Mein Goldesel!", rief er und packte mich an den Schultern. "Dem hast du es ordentlich gezeigt!"
Ich nickte und schaute wie mehrere Leute den Schrank vom Boden aufkratzten.
Von alleine konnte er sich nicht mehr auf den Beinen halten. Er blutete immer noch wie ein Schwein, was mir ein wenig Genugtuung gab.
"Was ist los?", fragte David und gab mir meine Wasserflasche.
"Nichts. Hätte nur nicht gedacht, dass es so ein leichter Kampf wird."
David lachte kurz. "Das war kein leichter Kampf. Du warst nur voll im Rausch. Den Typen hättest du umgebracht, wenn der Kampf nicht gestoppt worden wäre."
Niemals wäre ich dazu in der Lage. Aber ich war so wütend auf alles und jeden, dass der Kampf nur so an mir vorbeiflog.
"Deswegen frage ich dich jetzt nochmal. Was ist los? Hast du Liebeskummer?"
"Was? Nein. Wieso sollte ich?"
"Naja, nach Julian warst du so ähnlich drauf wie jetzt. Und dann hast du mir doch von dem Typen erzählt, denn du flachlegst. Läuft da auch nichts mehr?"
Dafür hasste ich David wirklich. Er war ein guter Zuhörer und konnte immer sofort eins und eins zusammenzählen. Er sagt mir immer wieder, dass Zuhören die halbe Miete ist. Er hörte mir zu und wusste sofort, wenn ich irgendwas habe. Und dann versucht er alles um mein Problem mit mir zusammen zu lösen, damit ich mich wieder auf das Kämpfen konzentrieren kann. Also eigentlich ging es ihm nicht um mich, sondern um sein Geld.
"Nein, ich hab kein Liebeskummer. Der Typ ist einfach... verschwunden. Spurlos."
Er nickte wissend. "Hast du morgen Abend was vor?"
"Bis jetzt noch nicht."
"Gut, nimm dir nichts vor. Wir gehen aus."
"Was?"
"Also... Kein Date! Wir gehen feiern. Ich kenn da eine Bar und dann schleppst du jemanden ab. Wir beide, Rascal und Joris. Sozusagen ein Arbeitsausflug."
"Eher wirst du mich ja sowieso nicht in Ruhe lassen."
(...)
Es war keine normale Bar. Es war ein fucking Stripclub.
"Was besseres hättest du dir nicht raussuchen können?", fragte ich zweifelnd.
"Ach komm schon. So ein paar Männern beim Tanzen zusehen ist doch ganz cool."
"Weiß ich nicht.", meinte Joris. "Die Typen versuchen mich mit ihren Blicken auszuziehen."
"Du bist still.", sagte David. "Der Abend dreht sich um Marlon und nicht um dich."
Ich schaute Joris nur mit hochgezogenen Augenbrauen an, während David eine Palette an Getränken bestellte.
"Wie bist du auf diesen Schuppen gekommen? Ich wusste gar nicht, dass es hier sowas in unserer Nähe gibt."
Also Nähe ist relativ. Wir mussten eine gute Stunde fahren um hier her zu finden.
"Ich kenne den Besitzer."
Wir tranken etwas und schauten den Typen beim Tanzen an der Stange und auf den Tischen zu. Zugegebenermaßen gefiel es mir hier sogar etwas. Ich meine, es gab Alkohol umsonst, weil David alles zahlte und heiße Männer oben ohne und in enger Unterwäsche bekleidet zum Angucken.
Also warum den Abend nicht genießen?
David erzählte ein wenig etwas von dem Boss des Ladens und checkte mit mir sogar die Typen ab.
"Welchen von denen willst du haben?", fragte er.
"Wie meinst du das?"
"Da hinten sind die Privatrooms. Da kannst du von denen eine Privatshow kriegen. Oder, wenn du mehr zahlst einen Blowjob. Ich zahl das natürlich!"
"Nein danke. Ich will kein Geld für einen Blowjob zahlen."
"Ach komm schon. Mach es einfach."
"Nein David. Wirklich nicht."
Ich schaute nochmal zu den Privatrooms und sah wie immer wieder Leute rein und rausgingen.
Doch plötzlich stoppte mein Herz kurz, als ich ihn erblickte.
Linus.
Fuck, er arbeitete hier?
Er zwinkerte einem alten Mann zu, welcher ihm Geld in die Shorts steckte und mit ihm in den Privatroom verschwand. Am Liebsten wäre ich aufgestanden und hätte diesem alten Sack einen aufs Maul gegeben. Was fällt diesem Widerling ein sich an jungen Leuten zu vergreifen?
"Na? Doch jemanden gefunden?", fragte David und folgte meinen Blick.
"Ja. Siehst du den?"
"Der da gerade mit dem alten Mann verschwindet?"
"Den will ich."
"Ich denke da wirst du warten müssen."
Ja, das denke ich auch. Und fuck, das Warten dauerte lange. Sehr lange. Ich starrte immer wieder zu den Privatrooms und hoffte, dass der ekelhafte Sack da gleich rauskam.
In der Zeit wo ich wartete, gesellte sich der Chef von dem Laden zu uns und verwickelte uns in ein Gespräch. Er und David erzählten uns über vergangene Zeiten und wie sie sich kennengelernt haben.
"Hey, mein Kumpel hier würde sich gerne deinen Mitarbeiter da ausleihen.", sagte David und zeigte auf Linus.
"Sorry, Kumpel. Aber der hat Feierabend."
"Komm schon Ethan, ich zahle auch das Doppelte.", meinte David.
Ethan seufzte und schien zu überlegen. "Ich bin ein fairer Chef und lasse meine Kunden keine Überstunden machen. Aber ich frag ihn mal."
Er ging zu Linus rüber und zeigte dann auf mich. Linus schaute an Ethan vorbei und fing an zu Grinsen. Dann nickte er.
Mein Herz raste wie verrückt. "Du hast Glück. Viel Spaß.", sagte Ethan.
Meine Beine fühlten sich an wie Wackelpudding, während ich auf Linus zuging. Ich schämte mich dafür auf ihn zuzulaufen, weil alle wussten, dass er mir gleich einen Blowjob geben wird und ich dafür gezahlt hatte.
Linus sagte nichts, er führte mich einfach zu den Privatrooms und schloss die Tür hinter uns. Dann schubste er mich auf den Sessel und setzte sich auf mich.
"Du kommst mich besuchen.", sagte er leise.
Sofort nahm ich sein Gesicht in meine Hände und schaute ihm in seine viel zu großen Pupillen.
"Fuck, Linus was hast du eingeworfen?"
"Ist doch egal. Es geht jetzt um dich, Süßer."
Er wollte von meinem Schoß rutschen, doch ich hielt ihn fest. "Alter, komm klar. Was ist los mit dir?"
Linus grinste nur und rutschte zwischen meine Schenkel. Er wollte mir gerade die Hose öffnen, doch ich hielt ihn auf.
Er seufzte und richtete sich wieder auf. "Bist du jetzt nur hier um zu reden?"
"Ich mach mir Sorgen um dich. Was ist los bei dir? Wieso arbeitest du hier? Wieso kommst du nicht zurück?"
"Zurück.", lachte er. "Es gibt kein Zurück. Es gibt nur Jetzt."
Okay, scheiße er war zu drauf um vernünftig zu reden.
"Weißt du was, Linus? Ist egal."
Ich holte einen fünfzig Euroschein aus meiner Hosentasche und drückte ihm diesen in die Hand.
"Willst du wirklich keinen Blowjob? Du kannst mich auch bestrafen dafür, dass ich abgehauen bin.", sagte er grinsend.
"Nein. Ist egal."
Und damit drängelte ich mich an ihm vorbei.
Doch ich schwöre mir wiederzukommen und mit ihm zu reden, wenn er nüchtern ist.
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Trust me
RomanceAls Linus mit seiner Mutter zu ihrem neuen Liebhaber und seinen zwei Kindern zieht, fällt eine Welt für ihn zusammen. Er kämpft mit mentalen Problem, die er nach außen hin nicht zeigt. Langsam verliert er sich selbst immer mehr. Und dann ist da noch...
