Mr. Smith P.O.V.:
Ich sitze immer noch neben Alexa und halte ihre kalte Hand, als sich der Typ, der geweint hat, neben mich setzt. Ich war anscheinend so in Gedanken versunken, dass ich nicht bemerkt habe, dass sie aufgehört haben sich gegenseitig anzuschreien. Als der Typ aber dann einen Arm unter ihre Kniekehlen tut und den anderen unter ihren Rücken, bin ich noch verwirrter. Er hebt sie hoch und geht so schnell, dass man Angst hat er könnte stolpern, aus dem Zimmer.
Ich schaue ihm hinterher, wie er aus der Tür geht und der andere Typ folgt ihm. Mit einem lauten Knall, lässt er die Tür hinter sich zufallen, sodass ich kurz zusammenzucke. Jetzt sitze ich alleine in dem Raum und schaue mich um. Es gibt nur eine kleine Glühbirne, die ein bisschen Licht spendet und sonst ist der Raum komplett leer, bis auf die dünne Matratze.
An der Wand angelehnt setze ich mich auf den Boden und schließe meine Augen. Vor ihnen erscheinen Bilder von meiner Familie. Bei dem Anblick von meiner Frau kommen mir die Tränen. Sie ist vor zwei Jahren bei einem schweren Autounfall um Leben gekommen. Maddy war gerade mal 6 Jahre alt gewesen. Als die Polizei vor unserer Tür stand wusste ich, dass etwas schlimmes passiert war, aber bis heute kann ich immer noch nicht glauben, dass sie tot ist. Weg für immer. Nie wieder werde ich sie umarmen können, nie wieder ihre wunderschöne Stimme hören, nie wieder sehen können. Nichts hat sie von sich übrig gelassen außer Erinnerungen, an die wunderschöne Frau mit den kristallblauen Augen, in denen ich mich jedes Mal verloren habe. Immer wenn ich Maddy anschaue, sehe ich sie. Sie hat dieselbe Augenfarbe, Haarfarbe und die gleichen Gesichtszüge. Einfach alles erinnert mich an sie, wenn ich Maddy anschaue. Nie wieder werde ich einen Menschen so lieben, wie ich sie geliebt habe.
Ich öffne meine Augen wieder und versuche die Tränen wegzublinzeln, wobei ich kläglich scheitere. Nun fließen alle Tränen über meine Wange und das erste Mal seit Monaten, spüre ich das große Loch in meinem Herzen. Die letzten Monate habe ich den Schmerz ignoriert und so viel gearbeitet, dass ich keine Zeit hatte über sie nachzudenken. Aber meine Gedanken wandern zu Maddy. Was meine kleine Prinzessin wohl gerade so macht oder wo sie überhaupt ist? Geht es ihr überhaupt gut? Ich kann nur froh sein, dass ich zu dem Zeitpunkt, als sie gekommen sind um mich zu holen, da war. Das kleine Mädchen hatte nicht so viel Glück. Sie war alleine Zuhause und da ihre Eltern nicht da waren, dachten sie, dass sie das kleine Mädchen mitnehmen sollten. Zu uns hatten sie nur gesagt, dass es der größte Schmerz für die Eltern ist, wenn sie wissen, dass ihre kleine Tochter entführt wurde wegen ihnen. Und jetzt ist sie tot! Wurde qualvoll erstochen, obwohl sie so klein war. So kraft- und hilflos. Ich könnte mir gar nicht den Schmerz vorstellen, wenn ich wüsste das Maddy tot wäre. Dann hätte ich die Menschen verloren, die mir alles bedeutet haben. Vor Frust und Schmerz hätte ich mir wahrscheinlich selbst ein Messer in mein Herz gestochen. Normalerweise sagen man, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt, aber das ist nur eine Lüge. Man versucht es sich einzureden, aber wenn man erst einmal in einer schlimmen und aussichtslosen Situation gelangt, weiß man spätestens dann, dass es nicht wahr ist. Das schlimmste ist, ich bin in so einer schlimmen Situation geraten und weiß erst seit kurzen, dass ich bald tot sein werde. Entweder die Typen bringen mich um oder ich halte den Schmerz irgendwann nicht aus und begehe Selbstmord.
Ich kann von Glück reden, dass bis jetzt keiner von den zweien zurückgekommen ist und ich hoffe, dass es auch nicht so schnell passieren wird, denn dann werden sie mich höchstwahrscheinlich umbringen. Aber wenigstens sind sie anscheinend noch zur Vernunft gekommen und haben Alexa ins Krankenhaus gebracht, denn sie hätte es nicht verdient zu sterben. Sie ist einfach nur besorgt wegen ihren Eltern gewesen und hat sie gesucht. Wenn man sein eigenes Leben aufs Spiel setzt, um seine Eltern zu finden, muss man sie schon sehr lieben. Mich hat bis jetzt wahrscheinlich noch niemand gesucht. Aber wer soll es auch tun? Maddy ist viel zu jung und mit den Verwandten habe ich seit der Beerdigung von meiner Frau, kein Wort gewechselt. Wer wäre schon so verrückt und würde deshalb sein Leben für mich aufs Spiel setzen.
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Vermisst
Misterio / SuspensoSchreie in der Nacht und das Verschwinden von Menschen. So hat Alexa ihre Eltern verloren, doch sie ist fest entschlossen ihre Eltern und die anderen verschwundenen Menschen wiederzufinden. Doch dabei muss sie feststellen, dass es schwieriger wird a...
