„FLO!"
Ich umschlang mein Kissen mit den Armen und drückte mich gegen die Wand, sodass ich möglichst viel Abstand zwischen mir und das Vieh bekam.
„FLO! VERDAMMT NOCHMAL! BEWEG SOFORT DEINEN HINTERN HIERHER!"
Und ich hatte ihm geglaubt, dass er die Spinne aus dem Fenster geschmissen hatte.
„Du Lügner!", brüllte ich ihn an, als er zu mir ins Zimmer kam. „Du hast gesagt, dass du sie ins Jenseits befördert hast!"
Ich wusste ganz genau, dass es die Spinne von gestern Abend war und nicht eines seiner Geschwister.
Mittlerweile standen auch Daniel und Elyas auf der Türschwelle. Sie waren wohl durch mein Rumgekreische neugierig geworden. Nun kämpfte mein Gehirn nicht nur mit meiner Spinnenphobie, sondern auch mit der Schamesröte. Ich trug meinen Pippi-Langstrumpf-Schlafanzug und hatte eigentlich nicht vorgehabt mich in diesem Aufzug den Jungs zu präsentieren. In hundertfache Ausführung grinste das schwedische Mädchen mit zwei Zöpfen von meinem Oberteil. Mein rechtes Hosenbein war grün, das linke rosa. Ich hatte deutlich erotischere Klamotten für die Nacht, doch ausgerechnet heute hatte ich mich für die Pippi-Variante entschieden.
„Netter Pyjama, Pippi", bemerkte Elyas sofort und musterte mich grinsend.
„Macht die Spinne weg!"
Ich zeigte, auch um von meinem Schlafanzug abzulenken, auf das achtbeinige Vieh, das an meinem Regal chillte.
Flo zögerte und sah seine Freunde entschuldigend an. Er wollte wohl sagen: Sorry, dass meine nervige, kleine Schwester jetzt ihr wohnt und unsere Trommelfelle aufs äußerste strapaziert. Immerhin hatte er genug Anstand, es nicht laut auszusprechen.
„Ich mach das schon", erklärte sich schließlich Daniel bereit und ging selbstbewusst zu dem Regal, auf den die Spinne lauerte. Zwar trug Daniel auch ein Spidermanshirt, weshalb ich die Hoffnung hatte, dass es eine Verbindung zwischen den beiden geben könnte, doch ich hatte daran auch so mein Zweifel.
Mit Schrecken musste ich mit ansehen, wie Daniel mit bloßen Händen nach dem schwarzen Ding griff. Doch die Spinne war schneller und seilte sich plötzlich in Lichtgeschwindigkeit ab, sodass es aussah, als hätte sie soeben einen Bunjeesprung unternommen. Mit dem Unterschied, dass sie sanft auf dem Boden gelandet und dann unter meinem Bett verschwand. Instinktiv kreischte ich erneut auf, hüpfte panisch auf meinem Bett herum, weil ich von allen Seiten erwartete, angegriffen zu werden.
„Ella! Es reicht!", mahnte mich Flo, dem langsam der Geduldsfaden zu reißen schien.
Ich machte einen Satz vom Bett in Richtung Tür, wo Elyas noch immer mit einem amüsierten Lächeln das Geschehen beobachtete. Ich stieß ihn leicht bei Seite, um aus dem Raum fliehen zu können.
„Ich werde das Zimmer nicht eher betrete bis die Spinne da weg ist!", stellte ich klar und setzte ein entschlossenes Gesicht auf, um meine Aussage zu unterstreichen.
„Na dann kannst du es dir über Nacht auf dem Küchenboden gemütlich machen", entgegnete Flo. „Ich werde dein Zimmer nicht nach einer Spinne absuchen."
Verdattert sah ich ihn an. Das war nun wirklich nicht nett. Er wusste, dass ich mich wirklich ekelte. Ich war keine von den Tussen, die das nur machte, um Aufmerksamkeit zu bekommen.
„Du hast ein großes Bett. Kann ich nicht bei dir schlafen?", bettelte ich kleinlaut und überlegte sogar für einen Moment auf den Knien vor ihm zu rutschen. Ich würde mir tatsächlich die Blöße geben, wenn dann gesichert war, dass ich im Schlaf nicht von einer Spinne attackiert wurde oder sie mich gar als Brutplatz missbrauchte.
DU LIEST GERADE
Ginger
Storie d'amoreEine beste Freundin hat man für immer. Doch wenn man einen besten Freund hat, wird irgendwann Liebe daraus. Dieses Gerücht hält sich hartnäckig, doch Till und Ella treten den Gegenbeweis an. Ella braucht ihren besten Freund besonders, als das Schi...
