Kapitel 8
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war ich immer noch ganz geflasht. Ich konnte es nicht fassen. Jetzt wo ich in der 1. Liveshow war, ging es für mich morgen, am Montag, ins Boot Camp nach London.
Als ich das gehört habe, dachte ich am Anfang an diese schrecklichen Camps von früher in England, wo Teenager hingehen mussten, wenn sie irgendetwas getan haben.
Aber natürlich war das nicht so etwas. Uns wurden dort nur Tanzsäle zur Vergnügung gestellt, wir konnten die anderen Tänzer und Tänzerinnen kennen lernen und uns wurde Hilfe angeboten. Eine Woche ging das, dann war die erste Liveshow.
Dies hatte man mir alles erzählt, nach meinem Auftritt und nachdem klar war, dass ich in der 1. Liveshow war. Ich war so aufgeregt und freute mich ziemlich, weil ich dann außerdem Lynn wieder sehen würde.
Heute war ein Tag mit meiner Mutter geplant, also stand ich auf und ging ins Bad. Ich holte meinen rosa Nagellack und setzte mich auf den kleinen Hocker im Bad. Ich, so tollpatschig wie ich war, verlor das Gleichgewicht und stützte mich mit meiner rechten Hand ab, um nicht hinzufallen. Da spürte ich etwas scharfes an meiner Hand. Schmerz durchfuhr mich und ich hob meine Hand an, um zu sehen, was es war. Eine Scherbe steckte ein Stück in meiner Hand und selbst an der Seite, die nicht in meiner Hand steckte, war Blut. Es war die Scherbe mit der ich mich einmal versucht hatte zu. Ich habe mich irgendwie erschrocken. Nicht, weil sie in meiner Hand steckte und es unglaublich weh tat, sondern weil ich sie eigentlich schon längst vergessen hatte. Es war schon länger her, dass ich es versucht hatte.
Ohne lange zu überlegen, zog ich mir die Scherbe langsam aus der Hand und wickelte mir einen dünnen Verband um die Hand, der die Blutung stoppte. Schließlich schmiss ich die Scherbe in den Müll und lackierte meine Nägel, um mir dann anschließend die Zähne zu putzen, meine Haare zu kämmen und mir etwas gemütliches anzuziehen. Ich entschied mich für einen grauen Hoddie von H&M und eine schwarze Röhrenjeans.
Dann ging ich nach unten, um mit meiner Mutter zu frühstücken. Nach dem Frühstück entschieden wir uns in den Park zu fahren und am See zu entspannen.
Gegen 14:00 Uhr waren wir dort, breiteten die Decke aus und legten uns in die Sonne. Wir quatschten viel über alles Mögliche und natürlich auch über Got to Dance.
"Warum hast du uns eigentlich nie gezeigt, wie toll du tanzen kannst?" fragte mich meine Mutter.
"Tanzen war der einzige Weg, den ich hatte, um zu flüchten und abzuschalten. Und ich wollte nicht, dass sich da irgendeiner einmischt."
"Aber was dachtest du denn was Papa und ich machen würde?"
"Keine Ahnung ehrlich gesagt...ich glaube ich hatte einfach Angst, dass ihr mir sagt, was ich machen soll, oder mich in die Tanzschule steckt oder so..."
"Aber du weißt, dass wir dich zu nichts genötigt hätten, was du nicht machen willst? Wir hätten dich aber unterstützen können."
"Aber das wollte ich auch nicht. Ich wollte etwas haben, was nur mir gehörte. Etwas, was ich nicht teilen musste. Außerdem bedeutet tanzen für mich, sich zu öffnen und eine Geschichte zu erzählen. Tanzen ist Träumen mit den Füßen."
Meine Mutter schwieg und ich auch und wir genossen einfach die Zeit zusammen. Als wir Hunger bekamen, gingen wir schließlich noch etwas essen, bevor wir wieder nach Hause fuhren. Wir kuschelten uns noch zusammen mit Popcorn auf die Couch und guckten Pitch Perfect. Ich ging dann aber schließlich hoch, um meinen Koffer zu packen. Meine Mutter steckte auf einmal ihren Kopf durch meine Tür.
"Na, kommst du klar?"
"Ja, alles gut." Ich lächelte.
"Okay, dann gute Nacht und bis Morgen mein Engel."
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Tanzen ist Träumen mit den Füßen
Teen FictionTanzen war ihr Leben, doch niemand wusste davon. Bis zu dem Tod ihres Vaters hatte sie niemand tanzen gesehen. Doch mit dem Tod und dem ehemaligen Traum ihres Vaters änderte sich ihr komplettes Leben. Doch als sie James traf, drohte ihr Ziel aus den...