Kapitel 7
Es war der 9. Juli, als ich mit Schweiß auf der Stirn aufwachte und dachte: "Scheiße, scheiße, scheiße! Morgen ist das Casting!"
Ich habe jeden Tag trainiert, aber ich war trotzdem so unsicher. Niemand hatte mich gesehen bis jetzt und man kann sich nicht vorstellen, was das für eine Überwindung für mich ist.
Außerdem wusste meine Mutter immer noch nichts davon. Ich hatte irgendwie Angst davor ihr es zu erzählen, andererseits wollte ich da morgen aber auch nicht alleine hin.
Aber auch an diesem Morgen drückte ich mich mal wieder davor, einfach auch aus dem Grund, weil ich nicht wusste, wie ich es ihr sagen sollte.
Ich stand auf und machte mich fertig und ging ins Bad. Ich kämmte meine Haare und machte sie mir zu einem unordentlich Dutt zusammen. Danach putzte ich mir schnell meine Zähne und zog mir meine Trainingssachen an. Ich holte mir eine Flasche Wasser aus dem Keller, aber passte auf, dass ich meiner Mutter nicht über den Weg lief, sodass mich niemand aufhalten konnte, meinen Tag auf dem Dachboden zu starten.
Seit ich meine Bewerbung eingeschickt hatte, arbeitete ich an der Choreographie für meinen großen Auftritt. Ich hatte mir das Lied "Come Home" von OneRepublic entschieden, denn es passte so verdammt gut zu meiner Situation und mein Vater hat es geliebt. Eins seiner Hobbys war das Singen und er hat es mir, als ich klein war immer vorgesungen, damit ich wusste, dass er mich liebt und ich ihn nie verlassen sollte.
Also ging ich auf den Dachboden, um auch noch einmal den letzten Tag intensiv auszunutzen. Ich wollte mir nicht vorstellen, wie ich mich fühlen würde, wenn ich mich jedem öffnen würde, und dann nicht alle drei goldenen Sterne leuchten würden. Ich würde wahrscheinlich am liebsten sterben und im Erdboden versinken.
Um nicht viel Zeit zu verlieren, schaltete ich sofort die Musik an und fing an an meinem Stand zu arbeiten, dass ich mich präsentieren würde, ich arbeitete an meiner Technik, an den Einzelheiten und Details der Choreographie, die Wege meiner Schritte zu genießen und die Bewegungen zu fühlen. Ich gab mir so viel Mühe, aber zufrieden war ich nur sehr selten mit mir.
Ich trainierte noch länger, intensiver und härter, bis ich dachte, dass ich, wenn ich jetzt nicht aufhören würde, morgen nicht tanzen könnte.
Ich verlies also völlig fertig den Dachboden, mein kleines Versteck und Reich und verschwand eine Etage tiefer in meinem Badezimmer, um eine heiße Dusche zu nehmen.
Als ich fertig war und wieder in meinem Zimmer stand sah ich auf die Uhr. Schon 17:30 Uhr und ich hatte mich bis heute noch nicht bei meiner Mutter gemeldet. Schnell ging ich nach unten. Meine Mutter saß auf dem Sofa und las ein Buch.
"HeyMama.EstutmirLeid,ichwarnachdemAufstehen,direktTanzen,damitichkeineZeitverlierewegenmorgen.Undichhabe dieZeittotalvergessen.UndestutmirsoLeid!!!" redete ich so verdammt schnell, dass meine Mutter mich nur verwirrt ansah. Doch da bermerkte ich und schlug mir die Hand vor den Mund. Schon wieder rollte mir die erste Träne über die Wange.
"Ich habe zwar nicht viel verstanden, aber ich denke wir beide sollten uns gerade mal ein wenig Zeit nehmen, um zu reden. Dann kannst du mir diese ganze Situation mal erklären." Sie lächelte an, was mir Mut gab. Sie klopfte auf den Platz neben sich und ich setzte mich langsam neben Mama und kuschelte mich an sie.
"Fang an, wenn du bereit bist mein Engel."
"Okay..." flüsterte ich.
Wir saßen noch gut 10 Minuten einfach so da, bis ich schließlich anfing:
"Es hat damit angefangen, dass du mir gesagt hast, dass der größte Wunsch von Papa war, mich tanzen zu sehen und dass andere mich tanzen sehen. Ich hatte so ein schlechtes Gewissen, dass der Wunsch nur wegen mir nicht in Erfüllung gegangen ist, sodass ich mich die ganze Zeit gefragt habe, wie ich ihn nachträglich in Erfüllung gehen lassen konnte. Aber irgendwie wollte ich es einfach nicht, dass mich welche tanzen sehen, weil ich mich nicht jedem öffnen wollte und jedem meine Geschichte erzählen wollte. Also habe ich erst versucht, mit ihm zu reden. Einfach so in den Raum rein, vielleicht hätte er es ja gehört und dann habe ich getanzt. Und so dumm wie ich bin, habe ich auf irgendein Zeichen gewartet, dass er es gesehen hat, aber natürlich kam nichts. Dann...dann dachte ich, dass ich es vielleicht nicht nur so in einem kleinen Raum versuchen musste, sondern irgendwo auf einer Bühne, damit mich mehr Menschen sehen. Meine erste Idee war Got To Dance, aber ch war zu unischer und habe mich erst nicht getraut. Aber dann habe ich doch eine Bewerbung abgeschickt, da es der einzige Weg war, noch etwas für Papa zu machen. Und schließlich kam dann auch der Bescheid, dass ich dabei war, dass ich zum ersten Casting eingeladen war. Ich habe mich so gefreut, hatte aber gleichzeitig auch so Panik. Ich wusste nicht wie ich es dir sagen sollte und habe es deswegen irgendwie nie getan. Aber jetzt ist es raus und ich bin so froh drüber. Das Vortanzen ist morgen, hier in Berlin."
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Tanzen ist Träumen mit den Füßen
Genç KurguTanzen war ihr Leben, doch niemand wusste davon. Bis zu dem Tod ihres Vaters hatte sie niemand tanzen gesehen. Doch mit dem Tod und dem ehemaligen Traum ihres Vaters änderte sich ihr komplettes Leben. Doch als sie James traf, drohte ihr Ziel aus den...