siebzehn

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Es war ein wundervoller Julitag. Die Vögel zwitscherten und die Sonne tanzte auf meinem Gesicht, als ich mit Max im Park spazieren ging. Hand in Hand gingen wir über einen Steg auf das Wasser, wo wir uns hinsetzten und die Beine ins Wasser baumeln ließen. Ich summte fröhlich vor mich hin, während Max einen Apfel aß.

"Wollen wir schwimmen gehen?", fragte er nach einiger Zeit. Ich liebte es zu schwimmen, also stimmte ich freudig zu.

Wir standen auf und begannen uns auszuziehen. Bis auf unsere Unterwäsche trugen wir nichts mehr, also sprangen wir übermütig ins Wasser. Wir spritzen uns gegenseitig nass und unser Lachen schallte laut von den umherstehenden Bäumen wieder.

Seit wann standen dort Bäume?

Nach einiger Zeit wollte Max in dem See ein paar Bahnen schwimmen, also legte ich mich auf eine kleine Insel in mitten des Sees. Ich ließ mich von der Sonne trocknen und schlief fast ein, bis ich plötzlich einen lauten Schrei hörte.

Schnell sprang ich auf und rannte zum Wasser. Einige Meter vor dem Steg, auf dem wir vorhin noch saßen, bildete sich eine rote Lache im Wasser. Ich konnte kaum etwas erkennen, außer das Scharlachtrot, das sich im Wasser ausbreitete. Ohne groß nachzudenken sprang ich in das Wasser um zu dem Blut zu gelangen. Erst als ich dort angekommen war, sah ich, wessen Blut es war. Max' Leiche trieb auf dem Wasser. Seine Augen waren weit aufgerissen und seine Brust zierte eine tiefe Schnittwunde, aus der das Blut floss und sich auf faszinierende Art und Weise mit dem Wasser vermischte.

Ich musste hier weg. Weg von der Leiche. Weg von meinem toten Freund. Ich war wie betäubt, konnte kaum atmen, geschweige denn mich über Wasser halten.

Doch als ich zu dem Steg blickte, sah ich eine Gestalt. Ich fror plötzlich und auch der Himmel schien sich zu verdunkeln. Die schemenhafte Person hatte ein Messer in der Hand und lachte leise. Ich bekam Panik und wollte zu der Insel zurück schwimmen, doch als ich mich umdrehte stand der Unbekannte auch dort. Er war überall. Es gab kein Entkommen. Je länger ich den Unbekannten anstarrte, desto schwerer fiel es mir mich zu bewegen. Meine Glieder versagten und ich sank hinab ins Dunkel des Sees.

Bevor ich auf dem Grund des Sees ankam, sah ich ganz deutlich ein Gesicht.

Es war das Gesicht vom Zuhälter.


Ich wachte -wieder einmal-Schweiß überströmt auf, das Bild von Max und dem Zuhälter noch genau vor Augen. Ich war wie gelähmt und konnte mich noch immer nicht bewegen. Ich griff langsam zu meinem Handy.

Was hatte das zu bedeuten? Würde Max etwas passieren? Was hat der Zuhälter damit zu tun? Ich war verwirrt.

Ich wählte ohne es zu bemerken Max'Nummer und hielt mein Handy ans Ohr.

"Hey Babe. Was gibt's?", meldete er sich mit verschlafener Stimme. Ich war überglücklich seine Stimme zu hören und zu wissen, dass es ihm gut geht. "Sophie? Baby?"

"Hey Schatz... Hab ich dich geweckt?" Meine Stimme klang kratzig und ich musste husten.

"Ja hast du. Aber ist nicht schlimm, ich hätte eh bald aufstehen müssen... Was ist denn los?"

"Ich habe geträumt. Du warst tot. Ich...", ich brach in Tränen aus. Ich wollte ihm von Liam und vom Zuhälter erzählen, aber ich konnte nicht.

"Süße, alles gut. Ich bin doch da! Es geht mir gut. Hör bitte auf zu weinen... Du hast keinen Grund, dich schlecht zu fühlen!"

"Doch. Hab ich. Schatz, ich muss dir was erzählen.", meine Stimme war gebrochen, doch meine Tränen versiegten.

"Ich bin in ner halben Stunde bei dir, Baby."

Damit legte er auf und ließ mich mit meinen Gedanken und meinen Schuldgefühlen alleine.



Aus dem Leben einer Nutte.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt