14.

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~ 14 ~

Den Rest des anschließenden Tages reden wir überhaupt nicht mehr über diesen Vorfall. Man merkt Chris an der Art wie er mich ansieht , oder wie er meinen Berührungen ausweicht an, dass ihm das sehr sehr unangenehm ist. Und ich muss sagen, auch mir ist die ganze Sache etwas peinlich, denn ich habe Chris dazu gedrängt, ohne seine Einverständnis dafür zu bekommen.

Die nächsten Tage verbringe ich damit, mich auf die erste Prüfung im Literaturkurs vorzubereiten. Mr. Phillips Devise lautet: Je früher man anfängt, desto eher hat man es hinter sich.
Wo er recht hat, hat er Recht.

Nachdem ich mich aber meines Wissens genug auf die Prüfung vorbereitet habe, beschließe ich dann doch mal wieder etwas mit Clara zu unternehmen.

Gut, wir sind zwei völlig verschiedene Personen. Und trotzdem fehlt sie mir. In den Zeiten, in denen wir zusammen waren, habe ich mich wirklich super mit ihr verstanden und ich hatte nie das Gefühl, dass sie mich zu etwas drängen würde.
Auch wenn Chris der Meinung ist, dass ich mich durch sie zu meinen Dummheiten verleiten lasse – wobei er von diesen Dummheiten weniger als die Hälfte weiß – bin ich mir darüber im Klaren geworden, dass das alles ganz allein meine Entscheidungen waren und mich niemand so wirklich dazu gezwungen hat.

Ich bin einfach nur in Versuchung gekommen. Und dadurch, dass ich vor diesem College auf keinerlei Partys gewesen bin, ist es da nur logisch, dass ich auch dementsprechend nicht mit Alkohol in Berührung kam.

Also werde ich der Freundschaft zwischen mir und Clara noch eine Chance geben. Schließlich ist sie die einzige Person, die ich hier wirklich kenne und mit der ich mich auch sehr gut verstehe.

„Endlich sehen wir uns mal wieder", strahlt sie übers ganze Gesicht und nimmt mich fest in die Arme, was mich ziemlich überrascht. „Du darfst dich nicht so sehr zurück ziehen, Frau Bibliothekarin." Ermahnend hebt sie einen Finger.

Ich lache und schlage ihn weg. „Ich musste mich auf die Prüfung vorbereiten."

Clara erwidert daraufhin nichts und führt mich stattdessen in das Lokal, welches sie ausgesucht hat. Was sich nach näherem Betrachten als eine Bar herausstellt. Ich komme nicht drum herum, innerlich zu stöhnen.

„Hey, guck nicht so!", ruft sie, als sie die Begeisterung in meinem Gesicht abliest. „Keine Sorge, ich werde mich nicht betrinken. Stattdessen sorge ich dafür, dass du das auch nicht tust. Ich denke mal nach der Aktion letztes Mal ist dir der Spaß daran endgültig vergangen."

Erschrocken reiße ich die Augen auf. „Du weißt davon?"

Sie zuckt die Schultern. „Naja, Kyle hat kein Geheimnis daraus gemacht."

Die Bedienung kommt und nimmt unsere Bestellung auf. Dabei wirkt sie ein wenig gereizt und kommt wohl nicht damit klar, dass Clara keine Zitrone in ihrer Cola mag, denn sie verdreht die Augen.

„Was... Was hat Kyle erzählt? Du musst wissen, dass ich damit nicht angefangen habe!"

„Womit denn angefangen?" Ihre schwarz umrahmten Augen mustern mich aufmerksam. „Du warst betrunken und er hat dich nach Hause gebracht. Ihm ist es alles andere als angenehm, dass wir das über ihn wissen."

„Oh... achso." Einen Moment lang habe ich schon daran gedacht, das Kyle ihnen erzählt hätte, was wirklich passiert ist. Dass er damit geprahlt hat.
Plötzlich muss ich über mich selbst schmunzeln. Ja, klar. Kyle gibt damit an, dass er mit einer – wie nennt mich Clara immer so schön? Bibliothekarin – rumgemacht hat. Wie lächerlich, Mira. Ernsthaft. Lächerlich.

„Von was bist du denn jetzt ausgegangen? Nach deinem Blick nach zu urteilen seid ihr miteinander im Bett gelandet." Sie lacht und wischt sich eine imaginäre Träne von den Augen. „Dieses Bild im Kopf. Du und Kyle..."

Ich schlucke nervös und knete unruhig meine Finger. „Wie läuft's denn mit dir und Isaac?"

Clara's Lachen erstirbt und sie zieht die Augenbrauen zusammen. Sie mustert mein Gesicht, als wäre es ein offenes Buch.

„Sag mir bitte nicht, dass es wahr ist und du mit Kyle King geschlafen hast."

Ich verschlucke mich beinahe an dem Schluck Wasser. „Ich... Nein!", rufe ich laut und stelle das Glas wieder ab. „Blödsinn, wie kommst du denn darauf?!"

„Mira, ich warne dich. Ich weiß ich habe das schon einmal gesagt, aber Kyle ist wirklich kein guter Umgang und wenn du mit ihm -"

„Es war nur ein Kuss!", unterbreche ich sie. „Ich war betrunken, er war betrunken. Auf der letzten Party. Es war lediglich ein ganz banaler Kuss."

„Oh Gott, Mira." Sie schlägt sich die Hände über den Kopf und lässt sich mit der Stirn auf die Tischkante fallen. „Was tust du nur? Ich dachte du hättest einen Freund?" Jetzt hebt sie wieder den Kopf. „Du kleines Luder", grinst sie schief und in ihren Augen blitzt es amüsiert.

„Das ist nicht witzig, Clara", beschwere ich mich. „Das ist-"

„Wenn es nur ein ganz banaler Kuss war, dann musst du dir ja keine Gedanken machen?" Ihre hochgezogene Braue verrät mir, dass sie bereits ganz genau weiß, welche Gedanken ich mir mache.

„Man Clara!" Ich lasse mich gegen die Lehne fallen und massiere mir die Schläfe. „Ich mache mir solche Vorwürfe! Wie kann ich das nur Chris zumuten. Er ist so einfühlsam und nett und liebevoll... und was mache ich?!"

Sie zuckt belanglos mit den Schultern. „Du bist jung, hübsch und kommst endlich mal aus deinem goldenen Käfig raus. Wer soll es dir da schon verübeln, wenn du Spaß hast. Das Leben ist immerhin viel zu kurz, um sich schon so früh an jemanden zu binden."

Schockiert sehe ich sie an. „Das ist nicht dein Ernst", stöhne ich.

Die Bedienung kommt und serviert uns unsere Getränke. Wie sie dabei genervt die Cola auf den Tisch vor Claras Nase knallt, zeigt nur wie sehr sie Lust auf diesen Job hat.
Stirnrunzelnd sehe ich ihr hinterher. Wenn sie so wenig Lust auf diesen Job hat, soll sie es doch einfach lassen.

„Natürlich ist das mein Ernst!", holt Clara mich zurück in unser eigentliches Gespräch. „Ich habe vollstes Verständnis dafür. Dir allerdings Kyle dazu auszusuchen, ist nicht gerade besonders klug. Glaub mir, diesen Mistkerl werde ich mir auch noch einmal vornehmen!"
Sie greift sich ihr Glas und zeiht die Nase kraus, als ihr die Kohlensäure ins Gesicht spritzt.

„Wir waren betrunken und das war's auch schon. Kyle macht sich nichts daraus und ich mir auch nicht. Außerdem hat er selbst ja auch eine Freundin. Bitte sprich ihn nicht darauf an, ihm ist das wahrscheinlich noch unangenehmer als mir."

„Kyle hat eine Freundin?" Sie zieht die Augenbrauen nach oben und sieht schwer irritiert aus. „Das ist ja mal was ganz neues. Woher weißt du das?"

„Ich habe sie gesehen. Er war mit ihr und noch einem weiteren Paar im Restaurant. Sie sahen ziemlich vertraut miteinander aus."

Clara stützt das Kinn in ihre Hand und scheint ernsthaft darüber nachzudenken. „War es ein älteres Pärchen? Und Kyle's Begleitung eine Barbie, nur mit braun gefärbten Haaren." Ich nicke. „ Dann war es nicht eine Freundin von Kyle." Sie schüttelt bestimmt den Kopf und nimmt wieder einen Schluck von ihrer Cola. „Das ist Kimberly. Passender Name, hm?" Sie schmunzelt. „Sie ist seine Stiefschwester. Und das ältere Pärchen was dabei war, war dem nach Kyle's Vater und seine neue Lebensgefährtin."

Misstrauisch überdenke ich die Situation und vor meinem inneren Auge blitzt noch einmal diese ganz gewisse Szene auf. „Kyle hat sie schon ziemlich verdächtig berührt. Ich meine, so berührt man ja nicht seine Stiefschwester."

„Kyle macht vor gar nichts halt", gibt Clara monoton zurück, als ob es das normalste von der Welt wäre, dass Kyle anscheinend was mit seiner Stiefschwester am laufen hat. „Und da Kimberly sowieso von Anfang an scharf auf ihn war, wird er wahrscheinlich nicht abgelehnt haben. Dazu kenne ich ihn viel zu gut."

Plötzlich durchfährt mich ein Schauer und ich schüttle mich vor Ekel.

Kyle hat also was mit seiner Stiefschwester. Was für ein perverses Arschloch.

HOLD ME TIGHT - abgeschlossenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt