23.

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Als ich Clara an dem gewohnten Platz im Café sitzen sehe, staune ich nicht schlecht.

„Deine Haare sind grün!"; rufe ich lauter als beabsichtigt und halte mir schockiert die Hand vor den Mund.

„Ich weiß", grinst sie breit und fährt sich einmal provokant durch ihre nun grüne Mähne.

Kopfschüttelnd setze ich mich ihr gegenüber und greife mir ihren Milchshake, um einen Schluck davon zu nehmen.

„Wer hat dich denn auf diese Idee gebracht?"

„Oh, das war keine Idee. Das ist das Ergebnis einer Wette. Zwischen mir und Isaac. Am Anfang war ich nicht begeistert, genau wie du. Aber je länger ich mir das Meisterwerk anschaue, desto besser gefällt es mir."

„Und um was ging es bei der Wette?"

„Nichts, was jungfräuliche Bibliothekarinnen angeht", zwinkert sie und bekommt das Strahlen gar nicht mehr aus ihrem Gesicht.

„Du und Isaac, ihr seid jetzt also..."

„Noch nicht offiziell", winkt sie ab. „Aber ich würde es schon als Beziehung bezeichnen. Also bist du, zur Überraschung aller, doch nicht die einzige, die jetzt vergeben ist."

Ich verschlucke mich am letzte Schluck und huste kräftig. „Naja", röchle ich. Verdammt, das brennt. „Das ist nicht mehr ganz der aktuelle Stand."

Sie runzelt die Stirn. „Warum? Hat Matt jetzt etwa auch eine Freundin? Ich wusste es, ich hab ihm gesagt, diese Kleine steht auf ihn. Und endlich hat er mal-"

„Clara, Matt hat keine Freundin. Zumindest wäre es mir neu. Aber ich habe auch keinen Freund mehr. Seit dem letzten Wochenende."

Als ich ihre großen, runden Augen und den schockierten Blick sehe, weiß ich, dass ich ihr eine lange und ausführliche Erklärung schuldig bin.

Welche ich ihr dann natürlich auch liefere. Von Anfang bis Ende, jedes Detail.

„Wow", macht sie, als ich dann schließlich zu Ende berichtet habe. „Ich weiß nicht, was mich mehr schockiert. Die Tatsache, dass ich deinen Chris völlig falsch eingeschätzt habe, oder doch der mir völlig fremde Kyle, der..."

„Ich habe meinen Namen gehört?"

Erschrocken zucke ich zusammen, als dieser urplötzlich neben unserem Tisch steht und frech auf uns herab grinst. Gleich darauf folgt Matt, der sich neben ihn stellt und uns mit einem „Hi Mädels" begrüßt.

Stumm flehe ich Clara mit meinem Blick an kein weiteres Wort darüber zu verlieren und sie scheint sofort zu verstehen.

„Bilde dir bloß nicht ein, dass sich die Welt nur um dich dreht, King", motzt sie und streckt ihm die Zunge entgegen.

Er rollt nur mit den Augen und lässt sich dann links neben mir auf den Stuhl fallen. „Deiner?", fragt er, ohne auf eine Antwort zu warten und greift nach dem Milchshake.

„He!", beschwert sich Clara noch, doch da ist es bereits zu spät.

„Hallo, schöne Frau!" Matt zwinkert mir kokett zu und setzt sich dann auf den Stuhl mir gegenüber. „Wie geht es meiner Intelligenzbestie?"

„Deine Intelligenzbestie?", lache ich und schüttle den Kopf. „Träum weiter, Mattilein."

Gerade will er etwas erwidern, da schlägt Clara ihm schon auf den Hinterkopf. „Hör auf dich an sie ran zuschmeißen, du Troll. Sie hat gerade eine Trennung hinter sich!"

Die Anspannung die plötzlich von Kyle ausgeht spüre ich sofort. Sie ist praktisch greifbar.

Er rutscht unruhig auf seinem Stuhl herum, räuspert sich und verschränkt schließlich die Arme vor der Brust.

Ihm wäre es also tatsächlich unangenehm, wenn jemand erfahren würde, dass er einen Abend menschlich war und er mir geholfen hat.

Diese Erkenntnis sollte mich eigentlich nicht wirklich überraschen. Geschweige denn enttäuschen.

„Na umso besser. Dann kann ich dich ja endlich mal um ein Date bitten!"

Für diesen Spruch fängt er sich tatsächlich wieder eine Schelle ein. „Sei nicht so ein Arsch!", faucht sie und schon beginnt eine hitzige Diskussion zwischen den beiden.

Ich muss schmunzeln.

„Nochmal was von ihm gehört?"

Spinne ich, oder hat Kyle mich gerade wirklich angesprochen?

Tatsächlich spüre ich, wie sein Blick mein Profil studiert .

„Nur ein paar Anrufe", murmle ich und schaue auf meine Hände. „Ich habe aber keinen entgegen genommen."

„Gute Entscheidung!"

Plötzlich spüre ich eine warme Hand auf meinem Oberschenkel. Erschrocken sehe ich zu ihm und kann ein liebevolles Grinsen auf seinen Lippen erkennen.

Moment mal. Liebevoll?!

„Mira!" Léon steht plötzlich hinter uns.

Sofort nimmt Kyle seine Hand wieder weg, aber bereits zu spät.

Er hat es schon längst gesehen und mustert uns mit gerunzelter Stirn.

„Léon, hi!" Ich lächle nervös und drehe mich auf meinem Stuhl herum, damit ich ihn besser ansehen kann.

„Ich wollte ja nicht stören, aber du hattest vor mir noch deine letzten Notizen zu geben, damit ich sie mir übernehmen kann."

Nach immer sieht er Kyle und mich abwechselnd an und schiebt sich nervös die Hände in seine hinteren Hosentaschen.

„Oh, stimmt! Da müssen wir aber kurz auf mein Zimmer, ich habe alles dort auf meinem Schreibtisch."

Ich stehe auf und schultere meine Tasche. Gerade will ich mit ihm aufbrechen, als ich höre wie hinter mir ein weiterer Stuhl zurückgeschoben wird und Kyle neben mich tritt.

„Ich begleite euch. Ich muss noch etwas mit dir besprechen", erklärt er und grinst breit.

Ich schlucke. Auch Clara und Matt starren uns mit offenem Mund an. Nur Léon lässt ein kurzes „Tzz" hören, wodurch er sich sofort einen bösen Blick von Kyle einfängt.

„O-okay", stammle ich, völlig überfordert mit der Situation.

Und so machen wir uns zu dritt auf zu meinem Zimmer.

Unterwegs verfolgen uns natürlich etliche neugierige Blicke und ich fühle mich immer unwohler in meiner Haut.

Nervös schließe ich die Tür zu meinem Zimmer schließlich auf und lasse beide eintreten. „Ich suche die Notizen schnell. Gib mir zwei Minuten."

„Kein Problem."

Ich denke nicht, dass sie dir erlaubt hat, dich auf ihr Bett zu setzen", höre ich Kyle plötzlich knurren und drehe mich zu den beiden um.

Tatsächlich sitzt Léon auf meinem Bett, während Kyle an der Wand ihm gegenüber, mir ganz nah lehnt.

„Schon okay, bleib ruhig sitzen"; sage ich und mustere Kyle stirnrunzelnd. Was bitte hat er für ein Problem? Es ist nur ein Bett. Und es ist nur Léon.

Ich beeile mich wie eine verrückte. Dieses kleine Wohnheimzimmer ist wirklich zu klein für so viel Testosteron im Raum.

Als ich ihm schließlich die Notizen überreiche, zieht er mich überraschend in eine Umarmung.

„Sei vorsichtig", haucht er mir ins Ohr und lässt mich sofort wieder los.

Kyle hat in diesem Moment vermutlich vor ihn mit seinem Blick zu töten.

„Also", beginne ich, als wir schließlich alleine sind. „Über was möchtest du mit mir reden?"


HOLD ME TIGHT - abgeschlossenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt