~ 30 ~
»Du meinst die Nacht, in der Amber gestorben ist?« Ich weiß nicht wie ich beschreiben soll, was auf einmal mit Kyle passiert, als ich diese Worte ausspreche. Verschiedenste Regungen sind in seinem Gesicht zu sehen. Überraschung, Verwirrung und zum Schluss nur noch Wut. »Ich habe nur davon gehört, ich wollte nicht...«
»Ach, vergiss es doch.« Schneller als ich überhaupt reagieren kann, steht er auf und tigert wie wild im Zimmer auf und ab. »Ich wusste, dass er seine Klappe nicht halten kann. Léon ist ein verdammter Wichser.« Er fasst sich ins Haar und atmet einmal tief durch. »Und wieso genau bist du dann noch hier, wenn du es bereits weißt?« Erst jetzt sieht er mich wieder an und die Traurigkeit, die ihm plötzlich aus dem Gesicht zu springen scheint, lässt mich nach Luft schnappen.
»Léon hat mir nichts erzählt«, erkläre ich ruhig. »Ich habe mit Clara darüber gesprochen, weil sie und Amber wohl beste Freunde waren. Ich habe sie trösten wollen.« Dass ich Clara zuerst darauf angesprochen habe, muss er ja nicht zwingend wissen. Schließlich hat er mir eben mehr als deutlich gezeigt, was er davon hält, wenn ich mich in seine Angelegenheiten einmische. »Sie hat mir erzählt, dass Amber diesen Autounfall hatte und gestorben sei. Mehr weiß ich nicht.« Natürlich weiß ich, dass Kimberly seit dem irgendwas zu verbergen hat und natürlich weiß ich auch, dass zwischen Kyle und Léon irgendetwas vorgefallen sein muss. Aber Kyle wird wahrscheinlich komplett ausrasten, wenn ich weiter nachfrage.
Er sieht mich weitere Sekunden lang reglos an, ehe er tief ein und ausatmet und wieder auf mich zukommt. »Da hat mich wohl kurz Panik überkommen.«
Ich schlucke, als er sich vor mir auf die Knie sinken lässt und die Hände auf meine Oberschenkel legt. »Und wieso?«
Ein schiefes Lächeln erscheint, allerdings wirkt es mehr verbittert als ehrlich gemeint. »Jeder hat wohl so seine Leichen im Kelle, kleine Mira. Nichts für unwissende, unschuldige Mädchen.« Sein Daumen legt sich auf meine Unterlippe und seine Augen scheinen sich jeden Gesichtszug von mir genaustens einzuprägen. »Tu mir nur einen Gefallen.« Er beugt sich weiter zu mir und ich kann seinen Atem wieder auf meinen Lippen spüren. »Halt dich von ihm fern.«
Ihm? »Du meinst Leon?« Ich hauche die Worte einfach nur, weil ich mich nicht richtig darauf konzentrieren kann, worüber wir hier überhaupt reden. Seine Nähe bringt mich einfach komplett um den Verstand. »Leon ist doch nur ein Freund.«
Er zuckt zusammen, als hätte ich ihn geschlagen. »Léon ist kein Freund, Mira. Halt dich einfach von ihm fern, vertrau mir.« Seine Augen sehen abwechselnd in meine und dann wieder auf meine Lippen. Er beißt sich auf seine eigene. »Ich frage mich gerade, ob ich weiter mit dir diskutieren soll, oder deinem hübschen Mund einfach eine andere Beschäftigung gebe.«
Bevor er mich komplett aus der Bahn wirft, stehe ich schnell auf und wische mir meine schweißnassen Hände an meiner Hose ab. »Ich verstehe nicht, was dein Problem mit ihm ist. Und wenn du nicht bereit dazu bist, mir zu erklären was du dir glaubst einzubilden, werde ich ganz sicher nicht das tun was du forderst.« Ich gehe langsam rückwärts zur Tür. Er verfolgt misstrauisch jeden meiner Schritte. »Du vertraust mir nicht, ich vertraue dir nicht. So ist der Deal, King.«
Er lacht bitter und setzt sich zurück auf's Bett. Seine Ellbogen stützt er auf seine Knie und sieht mit gesenktem Kopf zu mir rüber. »Na schön. Dann treib dich eben weiterhin mit ihm herum. Ich habe dich gewarnt. Wenn er sein wahres Gesicht zeigt, bin ich nicht dran schuld, dass du ihm völlig naiv in die Arme gelaufen bist.« Er reibt sich die Schläfe, als ob er wieder diese komischen Schmerzen bekommen würde. Aber bevor ich nachfragen kann, redet er schon weiter. »Und nun zu deinem Ex. War er bei dir?«
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HOLD ME TIGHT - abgeschlossen
Ficción General»Ich weiß nicht, ob es gut war, hier her zu kommen. Ich weiß nicht, ob es gut war, ihm zu begegnen. Noch schlimmer aber ist es, dass ich nicht weiß, wie sehr sein Schicksal mein Leben verändern wird« _ Mira: jung, hübsch & zurückhaltend Kyle:...
