~ 19 ~
Von Kyle höre ich die nächsten Tage nichts mehr. Ich frage mich, ob das jetzt immer so ablaufen wird. Mal verbringen wir etwas Zeit miteinander, unterhalten uns halbwegs normal über völlig unkomplizierte Dinge und dann verschwindet er wieder tagelang.
Kyle ist wirklich ein Buch mit sieben Siegeln und es reizt mich ungemein herauszufinden, was hinter seinen Geheimnissen steckt.
Clara winkt mir schon von weitem zu, als ich die Mensa betrete. Mit am Tisch sind Isaac und Matt.
„Und? Erzähl schon!" Sie tippt mit ihren rot lackierten Nägeln ungeduldig auf dem Tisch herum.
„Naja..." Ich zucke die Schultern und klaue mir den roten Apfel, den Matt auf seinem Tablett hat liegen lassen und beiße einmal kräftig rein. „Beftanden würde if sagen."
Während Clara vor Freude laut quietscht und in die Hände klatscht, rollt Isaac mit den Augen. „Das war doch auch sowas von klar! Wie soll es schon anders sein, wenn man sich tagelang hinter seinem Buch versteckt und alles Wissen in sich rein prügelt!"
„Na na", tadelt Matt ihn auch schon sofort und legt mir einen Arm um die Schulter. „ Sind wir doch lieber stolz darauf, dass wir endlich mal jemanden in der Clique haben, der das Leben ernst nimmt und die Latte des Intelligenzdurchschnitts erheblich in die Höhe treibt!" Er zwinkert mir zu und klaut mir dann wieder seinen Apfel von meiner Hand, um selbst einmal kräftig reinzubeißen. „If bin stolz auf dif", quetscht er hervor und ich muss lachen, weil lauter Bröckchen des Apfels aus seinem Mund fallen.
„Und wie sieht es bei dir aus?", frage ich Clara.
Sie zuckt mit den Schultern. „Durchgefallen. Aber was soll's, ich probiere es einfach in drei Wochen nochmal."
Und wieder frage ich mich, wie alle das hier so auf die leichte Schulter nehmen können. Klar ist das die erste Klausur, aber vor allem Clara muss dich beigebracht bekommen haben, was es heißt Verantwortung zu tragen. Ihre Eltern sind stinkreich und das haben sie bestimmt nicht geschafft, indem sie Vorlesungen geschwänzt haben und jede Klausur als unwichtig angesehen haben.
„Ach du meine Güte!", ruft sie plötzlich und starrt mit offenem Mund hinter mich. „Was ist denn mit dem passiert?"
Schnell drehen sich alle um, inklusive mir und ich sehe, wie Kyle den Raum betritt und nach irgendetwas oder irgendwem Ausschau hält.
Als er uns entdeckt, kommt er mit langen Schritten auf uns zu und man sieht ihm mit jedem weiteren an, wie geschafft er zu sein scheint.
Doch das wirklich erschreckendste ist sein Gesicht.
Seine Haare fallen ihm wirr ins Gesicht, seine Augen sind untermalt von dunklen Ringen und sein linkes Auge ziert ein Veilchen.
Wenn Kyle sonst bedrohlich und einschüchternd wirkt, so sieht er jetzt mörderisch aus.
„Sagt kein Wort zu ihm!", knurrt Matt in unsere Richtung und legt den angebissenen Apfel zurück aufs Tablett.
„Hey Man!", grüßt er Kyle und schlägt ihm einmal kräftig auf die Schulter. Warum nur habe ich das Gefühl, dass diese lockere Stimmung nur aufgesetzt ist?
„Ich brauche dich. Jetzt."
Matt nickt, als hätte er augenblicklich verstanden. „Bin schon unterwegs." Er schnappt sich seien Tasche und folgt Kyle dann hinaus.
Kyle hat mich nicht eines Blickes gewürdigt.
„Was war das denn bitte?", frage ich laut und sehe den beiden nach.
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HOLD ME TIGHT - abgeschlossen
General Fiction»Ich weiß nicht, ob es gut war, hier her zu kommen. Ich weiß nicht, ob es gut war, ihm zu begegnen. Noch schlimmer aber ist es, dass ich nicht weiß, wie sehr sein Schicksal mein Leben verändern wird« _ Mira: jung, hübsch & zurückhaltend Kyle:...
