Es war der schönste Frühlingstag, den man sich nur vorstellen konnte. Das Gras und die jungen Blätter der Bäume leuchteten in einem hellen, frischen Grün. Die Vögel zwitscherten ausgelassen, als würden sie das Ende des langen Winters feiern. Überall sprießten erste Blumen; letzte Frühblüher, erste Gänseblümchen. Es wäre ein wunderschöner Tag gewesen.
Aber Harry war sich sicher, dass sie es so gewollt hätte.
Ein letztes Mal prüfte er mit seinen Händen, ob das schwarze Hemd wirklich überall richtig in der ebenso schwarzen Anzughose steckte. Es schien alles zu sitzen, also bewegte Harry sich langsam in Richtung der anderen Menschen.
Leicht zittrig tastete er nach, ob der abgegriffene Zettel noch in der Hosentasche war. Er hasste sich selbst dafür, dass er ein wenig nervös war. Natürlich wurde es fast vollständig von den anderen Emotionen verschluckt, aber nicht ganz. Nervosität drehte sich immer um einen selbst. Etwas ziemlich egoistisches. Und heute war der allerletzte Tag, an dem Harry egoistisch sein wollte.
Er wischte die einzelne Träne, die sich einen Weg über seine Wange bahnte, schnell weg.
Harry interessierte sich nicht für die vielen Leute, einige von ihnen würde er sicher nicht mal kennen. Er hielt nur nach dem roten Haarschopf Ausschau und fand ihn schnell am Rand der kleinen Menge.
Schnell ging er hinüber zu seinem besten Freund, der die Hände in den Taschen des dunklen Tweedjackets vergraben hatte.
»Ron, hey.«, begrüßte Harry ihn und schloss ihn sofort in die Arme. Der Rothaarige antwortete nicht, sein Kopf war in der Halsbeuge vergraben. Rons Arme hielten Harrys Körper unheimlich fest, als wäre er der einzige Halt. Harry wollte nicht in Erwägung ziehen, dass das vielleicht wahr sein könnte.
Die Umarmung hielt lange an. Aber Harry wich nicht zurück. Erst als Ron selbst wegtrat, tat er es auch.
»Du siehst gut aus.«, sagte Ron mit brüchiger Stimme und Harry wusste, dass sein Freund einfach nur etwas harmloses hatte sagen wollen. Etwas Positives, Sorgenfreies. Aber ihnen beiden war bewiesen worden, dass nichts jemals komplett sorgenfrei sein konnte. Und sie wussten genau, dass sie heute in keiner Sekunde sorgenfrei sein würden. Oder Positiv. Oder hoffnungsvoll. Das war alles lächerlich und sie wussten es.
»Wo ist Rosie?«, fragte Harry und versuchte, wie in einem ganz normalen Gespräch zu klingen. Eines, das sie vielleicht vor zwei Wochen geführt hätten.
Ron schluckte bevor er antwortete. Harry war sich ziemlich sicher, dass es war, um die Tränen zu verdrängen.
»Sie ist zuhause. Mum passt auf sie auf. Ich werde morgen mit ihr herkommen.« Harry nickte zustimmend. Das war wahrscheinlich keine schlechte Idee. Rose war schließlich erst zwei Jahre alt.
Bei dem Gedanken daran, wurde Harry wieder schmerzlich bewusst, dass es viel zu früh gewesen war. Er hätte niemals gedacht, dass das alles hier passieren würde.
Er hatte gehofft, dass es niemals passieren würde.
Heute war es genau eine Woche her. Viele der letzten Tage war Harry bei Ron gewesen. Aber es war für sie beide einfach unerträglich gewesen. Es war wahrscheinlich ganz gut gewesen, dass Ron sich mit der Organisation hatte ablenken können.
»Ich glaube, es geht los.«, Ron zeigte in die Richtung der Holzbänke. Harry schluckte schwer und biss sich auf die Lippe, als ihn die Anordnung der Bänke an Fleurs und Bills Hochzeit vor einigen Jahren erinnerte. Wie makaber. Er schämte sich für diesen Gedanken.
Bill und Fleur hatten zu heute absagen müssen. Die kleine Dominique hatte vor einigen Tagen Scrofunguluse bekommen und das erforderte jede Hand der vierköpfigen Familie.
Aber nicht nur Bill und Fleur hatten abgesagt. Es gab viele, die nicht hatten kommen können.
Mit einem matten, grüßenden Blick setzte er sich in die erste Reihe neben Mr. und Mrs. Granger, während Ron nach vorne zu dem kleinen Pult ging. Die Lehne der Holzbank drückte im Rücken und Harry betete, dass es schnell vorbei wäre.
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Drarry OneShots
FanfictionJap, Drarry OneShots, ich denke, da gibt es nicht viel zu erklären. Natürlich gehören alle Figuren J.K. Rowling, aber die Handlungen sind mein Werk. Ich bin nicht kreativ, aber manchmal habe ich doch ein paar Ideen... Viel Spaß beim Lesen!
