Liebesgeständnis

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Draco warf einen ermutigenden Blick in die grünen Augen und begann dann.

»Harry, hör zu. Es gibt da etwas, das ich dir sagen muss. Ich weiß, als was du mich siehst. In deinen Augen bin ich Draco Malfoy - ein widerlicher, arroganter Egoist. Und ich weiß auch, dass du damit Recht hast, aber ich kann trotzdem nicht länger schweigen.
Ich war eingebildet. Und dreist. Und auch unglaublich intrigant. Doch du musst mir glauben, wenn ich dir sage, dass Menschen sich ändern können. Sogar ich kann mich ändern.
Ich weiß, wie abstoßend es auf alle wirken muss, wie dogmatisch ich mit anderen umgegangen bin. Doch Dinge haben sich geändert. Meine Ansichten. Und du bist es, der mir gezeigt hat, dass ich falsch liege, immer falsch gelegen habe.
Wahrscheinlich klingt es einfach nur eingebildet und feige, wenn ich mich damit rechtfertige, dass ich nie eine Wahl hatte. Doch das spielt jetzt auch keine Rolle. Ich habe eingesehen, wie viel ich falsch gemacht habe. Und ich habe beschlossen, mich zu ändern.
Ich weiß natürlich auch, dass allein der Wille nicht den kompletten Menschen ändert. Vorsätze sind gut, doch ich weiß, wie schwer sie einzuhalten sind, wenn sie gegen die eigene Natur verstoßen. Und davor fürchte ich mich. Dass mein Innerstes so ist, wie es all die Jahre war. Schlecht. Dass es sich wirklich nicht ändern lässt, egal wie stark mein Wille ist.
Und ich weiß, was du denkst. Reue entschuldigt die Vergangenheit nicht - geschweige denn, dass sie sie aufhebt. Auch ich weiß das. Aber manchmal muss man Menschen eine zweite Chance geben. Bitte unterschlag diese Entschuldigung nicht, denn es gab vielleicht nie etwas, das mir mehr am Herzen lag.
Bis auf eine Sache. Und das ist der eigentliche Grund, warum ich mit dir reden wollte. Wahrscheinlich sollte ich schon unglaublich dankbar sein, dass du mir überhaupt bis hierhin zugehört hast. Ich sollte es nicht weiter ausreizen. Aber ich würde es mir nie verzeihen, diese Chance jetzt nicht zu nutzen.
Harry, ich glaube, du weißt nicht, was du auf mich für eine Wirkung hast. Ich glaube es nicht nur, ich weiß es.
Ich wusste nie, ob ich froh darüber sein sollte oder nicht, denn hättest du einfach in meinen Kopf gucken können, wäre das katastrophal gewesen. Aber es hätte mir so viele Worte abgenommen. Worte, die ich jetzt versuche zu finden, um sie dir zu präsentieren, so, dass du sie nicht falsch verstehst und dass sie genau das ausdrücken, was ich wirklich denke und fühle. Auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass keine Worte stark genug dafür sind.
Nun, das ist aber natürlich nicht alles. Weißt du wie es sich anfühlt, jemanden zu lieben? Ich glaube, ich wusste es nie, bis es mir irgendwann gewährt wurde, zu lieben. Und seitdem weiß ich, dass Liebe das Schrecklichste ist, das es gibt. Liebe ist schmerzhaft, unsensibel und absolut qualvoll. Sie zerreißt dich von innen, jede Sekunde weiter, in der du ihr nicht gewährst. Denn sie ist in deinem Kopf und möchte Kontrolle. Doch der Liebe einfach nachzugeben, ist unmöglich. Und es gibt nur ein einzige Sache, die die sadistische Liebe besänftigen kann. Das ist das Objekt der Liebe. Und bitte Harry, ich möchte nur, dass du weißt, dass du es bist, den mein inneres Monster als Grund auserwählt hat, um mich rücksichtslos aufzufressen, bis ich ihm nicht endlich nachgebe. Du hast die Liebe in mein Leben gebracht, und ich liebe und hasse dich dafür. Aber du sollst wissen, du bist der einzige, der meinen dauerhaften Schmerz beenden kann.«

Draco hatte den Blick in den letzten Sätzen von den grünen Augen abgewandt. Jetzt kehrte er wieder dorthin zurück. Harrys Augen sahen aus, wie sie es getan hatten, bevor er begonnen hatte zu reden.

Wütend schlug Draco mit der Hand auf den Tisch und wischte das Foto aus seinem Sichtfeld. Er war ein verdammter Feigling. Er würde sich nie trauen, Harry Potter zu sagen, was er täglich dessen Foto erzählte. Die Wahrheit. Dass er ihn liebte.

Doch was erwartete Draco von einem Foto auch als Reaktion auf ein Liebesgeständnis?!

Eine einzelne Träne rann Dracos Wange herunter - nur ein minimaler Ausdruck der Verzweiflung, die ihn schon seit so vielen Jahren zerriss.

Drarry OneShotsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt