Draco trommelte unruhig mit den Fingern auf den Tisch. Er hatte seinen Blick starr auf Harrys Rücken gerichtet - auf Harrys Rücken und dessen Becher, der vor ihm stand.
Denn in diesem Becher befanden sich Kürbissaft und Amortentia.
Der Liebestrank, der häufig nur auf seine erstaunliche Fähigkeit, Farbe und vor allem Geruch nach Belieben anzupassen, beschränkt wurde, war deutlich unterschätzt. Zu häufig wurde vergessen, wie mächtig der Trank eigentlich war - als stärkster aller Liebestränke. Optik und Geruch waren nur ein Zeichen seiner Macht nach außen, für diejenigen, die die Glücklichen waren, den Trank nicht schlucken zu müssen. Und der Grund dafür, dass die wirkliche Macht so häufig vergessen wurde, war wahrscheinlich der, dass Amortentia so selten genutzt wurde. So selten wurde er wirklich von jemandem geschluckt - und das war auch gut so.
Amortentia mochte nicht auf die gleiche Weise mächtig sein wie das Veritaserum oder der Trank der lebenden Toten. Es war auf seine eigene Weise mächtig, indem es die Sinne eines Menschen verwirrte und eine einzige Begierde über alle anderen Bedürfnisse und Absichten stellte.
Und genau das war Dracos Absicht. Wenn Harry Potter ihn hasste und sich nicht davon abbringen lassen wollte, dann musste Draco das eben anders regeln. Auf diese Weise.
Er hielt den Blick weiterhin auf den Gryffindortisch gerichtet. Die Anspannung, die das Warten darauf begleitete, wann Harry endlich trinken würde, übernahm immer mehr Kontrolle über Draco. Er spürte, wie die Adern aus seiner Hand hervortraten.
Für Draco, der wusste, was sich in Harrys Becher befand, war das auch sehr offensichtlich zu erkennen. Harry, Weasley und Granger sahen alle sehr glücklich und unbeschwert aus. Nur wussten sie nicht, dass das daran lag, dass ein starker Liebestrank ihnen mit seinem individuellen Geruch ein Wohlgefühl auslöste. Draco wusste es.
Dann hielt er die Luft an, als Harry endlich zu dem Becher griff. Er trank einen Schluck und setzte den Becher wieder ab. Er hatte nicht außergewöhnlich viel getrunken, aber Draco wusste, dass es genug war. Ein Tropfen auf Harrys Zunge hätte gereicht.
Draco stand auf und verließ die Große Halle. In der Eingangshalle davor blieb er kurz stehen und überlegte. Der Trank würde nicht lange brauchen, um seine Wirkung freizusetzen. Er würde dafür sorgen, dass Harry ihn finden würde.
Also lief Draco los. Es war Essenszeit, also waren die Gänge leer. Er lief Treppen hoch, um so weit wie möglich von allen Menschen wegzukommen, auch wenn es ihm eigentlich egal war. Es ging ihm nicht um irgendwelche ungewollten Zuschauer, es ging ihm um Harry. Und nur um ihn.
Draco wusste nicht mal, in welcher der oberen Etagen er sich befand, aber er lief einige Gänge entlang und lehnte sich dann an die Wand. Das einzige, was er jetzt noch tun musste, war warten.
Das musste er nicht lange tun.
Harrys Kopf sah flüchtig um die Ecke und als sein suchender Blick Draco erkannte, trat Harry ganz in den Gang. Und Draco tat nichts. Er sah Harry nur an und konzentrierte sich auf dessen Augen, während dieser ihm näher kam.
Harrys Gesichtsausdruck war seltsam - aber anziehend, wie immer. Sein Ausdruck war genau, wie wenn Harry so verführerisch und rebellisch schief lächelte. Nur lächelte er nicht schief. Es war, als konnte Draco durch die geweiteten Pupillen seines Gegenübers direkt in seinen Kopf sehen. Er konnte beinahe das Verlangen sehen, dass Harry durch den Zauber für ihn empfand. Draco kannte es zu gut, denn es war genau das Verlangen, das er für Harry empfand, in jeder Sekunde eines jeden Tages. Nur war Dracos Verlangen echt. Er stand nicht unter dem Einfluss eines Trankes oder Zaubers. Und für einen kurzen Moment wünschte er sich, es wäre so gewesen. Unter einem Zauber zu stehen, nicht klar denken zu können, enthielt keine Verantwortung. Aber Draco trug diese Verantwortung - mal ganz abgesehen davon, dass er sich auf nicht gerade legale Weise einen Haufen gefährlicher Zaubertrankzutaten besorgt hatte, sich dann verbotenerweise in den Zaubertrankkerker geschmuggelt hatte, dort einen verbotenen und mächtigen Trank gebraut hatte und diesen jetzt mutwillig einem Schüler verabreicht hatte.
Aber das spielte jetzt keine Rolle. Denn Draco hatte das Gefühl, dass sein Kopf sich jetzt ungefähr so anfühlte, wie Harrys sich anfühlen musste; ganz und gar übernommen von Liebe und Verlangen.
Harry trat direkt vor ihn und lächelte Draco jetzt provokant an. Draco fiel auf, dass er die Luft angehalten hatte und stieß sie mit einem Mal aus.
Er sah das Verlangen in Harrys Augen und er spürte, dass er selbst sich nicht mehr lange kontrollieren können würde.
»Ich habe dich gesucht.«, sagte Harry mit ruhiger, rauer Stimme. Draco konzentrierte sich darauf, seine Atmung normal zu halten.
»Ich weiß«, sagte er knapp und schluckte den Speichel runter, der sich in seinem Mund angesammelt hatte.
»Ich weiß nicht, woher es kommt«, sagte Harry immer noch verführerisch lächelnd und trat einen weiteren Schritt auf Draco zu, »aber ich verspüre ein plötzliches, nicht zu bändigendes Verlangen nach dir, Draco Malfoy.«
Draco nickte einfach. Er war unfähig etwas zu sagen. Harrys Nähe machte ihn verrückt. Und dann konnte er es nicht mehr aushalten und legte seine Lippen auf Harrys.
Und wie auf ein Stichwort umschlang Harry ihn mit seinen Armen und erwiderte den Kuss unglaublich leidenschaftlich, während Draco sich in Harrys Haaren festkrallte. Der Blonde spürte, wie sein Atem unregelmäßiger wurde. Es fühlte sich so gut an.
Während Draco Harry enthemmt sein Shirt vom Leib riss, hob dieser ihn leicht an der Wand hoch.
Um seiner Lunge eine Auszeit zu geben, knabberte Draco an Harrys Ohr, während der Gryffindor mit seinen Küssen von Dracos Lippen zu dessen Hals überging.
Und Draco wusste, wie falsch es war. Es war falsches Verlangen, falsche Begierde, falsche Lust. Es war falsche Liebe. Es war so falsch. Und doch so gut.
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Ich weiß nicht, ob ich den ersten Teil dieses Doppel-OneShots oder den zweiten weniger mag. Ich weiß nicht, ob es an der Handlung oder meiner Schreibweise liegt, er gefällt mir nicht so gut. ›Briefe‹ hat mir zwar auch nicht gerade gefallen, aber selbst meine Fan-Fiction (›Why || Drarry‹) fand ich nicht unbedingt gut. Ich liebe das Schreiben, aber bin mit dem Resultat nie wirklich zufrieden, ich weiß nicht, vielleicht bin ich zu perfektionistisch.
Aber diese beiden ›Falsche Liebe‹ OneShots sind mir irgendwie gar nicht gelungen.
Und ich hasse es noch mehr, dass ich dazu jetzt so viel geschrieben habe. Das macht die Sache nicht wirklich besser. Also höre ich jetzt auf.
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Drarry OneShots
Hayran KurguJap, Drarry OneShots, ich denke, da gibt es nicht viel zu erklären. Natürlich gehören alle Figuren J.K. Rowling, aber die Handlungen sind mein Werk. Ich bin nicht kreativ, aber manchmal habe ich doch ein paar Ideen... Viel Spaß beim Lesen!
