Jungkook POV
Die nächsten Tage über waren Taehyung und ich ständig zusammen. Und ich genoss es wirklich sehr, es schien so, als würde die Zeit stehen bleiben, wenn wir uns trafen. Selbst dieser Fast-Kuss, (Auch wenn ich immer noch nicht glaubte, dass er mich wirklich küsse wollte) schien in Vergangenheit zu geraten, -wir schwiegen beide das Thema tot-, was mich aber nicht traurig werden ließ, ganz im Gegenteil; ich war glücklich darüber. Ich wusste nicht, wie ich Taehyung einordnen sollte. Er war gewiss kein Mensch, der sich in Schubladen stecken lassen ließ und er zeigte mir mit jedem Tag mehr, dass Menschen nicht in 'Schubladen' denken sollten, da man so keine vollständige Charakterentwicklung durchlebte und wir so die heutige Jugend bildeten, über der man sich doch lautstark beschwerte. Aber niemand sah, wer wirklich verantwortlich dafür war: Wir. Die älteren Generationen. Ich liebte seine Art zu denken, ich liebte es, wie gut er mit Worten umgehen konnte. Kurz gesagt: Ich liebte seine Art und hatte vielleicht einen kleinen Crush auf ihn. Nicht selten hatte ich mir vorgestellt, wie es wäre, wenn er mich wirklich geküsst hätte.(Falls es überhaupt ein Kuss werden sollte) Und die Vorstellung fand ich nicht einmal abstoßend oder gar ekelig. Ich freute mich auf jede Sekunde, die ich mit ihm verbringen durfte und so war es auch heute. Ich hatte seine Nummer ja noch und schrieb ihm gleich nach unserem ersten Treffen an und jetzt schrieben wir fast pausenlos miteinander, wenn wir mal nicht zusammen herumlungerten. Es war ein unfassbar schönes Gefühl verstanden und akzeptiert zu werden und diese Gefühl wollte ich nie wieder missen. Ich war durch Taehyung selbstständiger geworden und traute mich jetzt meine Meinung kund zu tun. Meine Eltern waren nur noch enttäuscht von mir und das merkte man ihnen auch stark an; während sie mich am ersten Abend anschrien und mit Fragen bombardierten , sagten sie jetzt nichts mehr dazu. Sie hatten am ersten Abend auf mich gewartet, selbst dies taten sie nicht mehr. Sie versuchten zwar sich nichts anmerken zu lassen, aber jedes kleines Kind hätte bemerkt, das hier eindeutig was schief lief. Natürlich verletzte mich das ein kleines bisschen, aber sobald ich Taehyung sah oder schrieb, waren diese Zweifel verflogen. Ich lebte gerade, früher hatte ich existiert. Existiert für Andere.
Taehyung und ich trafen uns immer in einem Café, was nicht weit von meinem Zuhause entfernt lag. Auch wenn ich so zuzusagen meine Mutter betrug, war es mir egal. Würde ich mit Tae an meiner Seite in unserem Café aufkreuzen, würde es nur abfällige Blicke geben und am Ende des Tages würde sie mir vielleicht sogar den Kontakt verbieten, -damit ich wieder der "alte" werde. Entweder blieben Tae und ich in dem Café oder wir spazierten in der Gegend rum, -und gingen natürlich zu seinem Lieblingsplatz. Wie immer ließ Taehyung auf sich warten, deswegen bestellte ich mir schon mal ein heißes Getränk und schaute aus dem breiten Fenster. Wir suchten uns immer einen Platz am Fenster, da wir es beide liebten, einfach aus dem Fenster zu starren um die Landschaft oder die Menschenmassen zu bestaunen. Die einzige Natur waren hier wirklich die Bäume, die am Straßenrand zur Verschönerung angepflanzt worden waren, was, wenn man so drüber nachdachte, ziemlich traurig war. Aber Busan war eben eine Großstadt und das hieß in der heutigen Gesellschaft sowas wie "viel Stress - keine Natur". Leider.
Ich erkannte aus dem Augenwickel, dass jemand das Café betrat und sich meinem Tisch näherte. Natürlich war es Taehyung. Er setzte sich hin und sah auch aus dem Fenster. Wir begrüßten uns nicht wirklich, unteranderem, weil wir es nicht als nötig empfanden. Irgendwann jedoch lenkte ich meinen Kopf zu ihm und sah ihn an. Sein Seitenprofil war wirklich schön, er war generell ziemlich hübsch und seine roten Haare unterstrichen seinen Look nur noch mehr. Aber schlussendlich war es egal, welche Haarfarbe er hatte, an ihm würde alles gut aussehen, darauf würde ich mein letztes Hemd verwetten. Langsam erwachte ich aus meinen Tagträumen und bemerkte, dass auch Tae mich ansah. "Wie geht es dir?", fragte er direkt nachdem ich seinen Blick erwidert hatte. Und auch wenn dies eine Smalltalk Frage war, wusste ich, dass er sie keineswegs deswegen gestellt hatte. Diese Frage war so ziemlich immer das Erste, was er mich fragte; auch aufgrund meiner familiären Situation. (Selbst, wenn ich ihm nicht wirklich oft was erzählt hatte, konnte er sich denken, wie es bei mir Zuhause ablief.) "Mir geht's gut, auch weil du jetzt da bist" Es war zumindestens keine Lüge. "..Auch wenn meine Mutter ziemlich enttäuscht ist, dass ich gestern schon wieder nicht da war." Eigentlich hätte ich gestern, sowie heute, im Café aushelfen sollen, damit sich meine Mutter wieder um etwas anderes kümmern konnte, aber ich hatte abgesagt. Natürlich tat es mir auch leid, aber anders wollten sie ja nicht begreifen, dass man mich nicht mehr so herumschubsen konnte. Ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass ich die freie Zeit für die Schule nutzte, -denn das tat ich überhaupt nicht. Seitdem ich mich regelmäßig mit dem Rothaarigen traf, litten meine schulischen Leistungen. Ich war nicht schlecht in der Schule geworden, es reichte lediglich nur nicht mehr für jede Extrapräsentation. Zeit um meine Hausaufgaben zu machen, hatte ich generell nicht. Auch schon früher hatte ich sie nicht, aber da hatte ich sie dann in der Nacht erledigt. Aber auf Wunsch Taehyungs, schlief ich nachts jetzt und schrieb die Hausarbeiten bei Jimin Hyung ab oder ließ mir irgendeine Ausrede einfallen. Zum Glück nahmen meine Lehrer mir das nicht sehr krumm, auch wegen meiner exzellenten Vergangenheit. Ich schrieb nicht jede Hausaufgabe ab, natürlich nicht, manchmal nahm ich sie auch mit hierhin und Tae half mir dann dabei, sofern er das brauchte. Denn eins hatte sich nicht geändert: Meine Begeisterung etwas neues (kennen) zu lernen. Sie hatte die letzten Jahre zwar etwas gelitten, da ja ein paar Leute der Meinung waren, dass ich der Beste sein musste und sie es sozusagen mir reingeprügelt hatten, aber ich baute sie mir mühsam wieder auf.
"Du weißt, dass ich stolz auf dich bin, oder?", fragte er mit einem amüsierten Lächeln nach. Natürlich wusste ich das, er sagte es mir ja auch mindestens zehn Mal am Tag, und oder schrieb es mir. Dennoch brachte ich ein neckisches "Nein" hervor, wo wir beide aber wussten, dass das eine totale Lüge war. "Spinner.", sagte er schließlich und mein Blick, den ich auf meinem Tee gerichtet hatte, schnallte nach oben. "Was? Ich? Niemals. Und wenn, ich bin ein süßer Spinner." Um meinen Sätzen etwas mehr Ausdruck zu verleihen, warf ich mir meine imaginären Haare über die Schulter, was ihn kurz zum Schmunzeln brachte. "Wie recht du doch hast. Mein kleiner, süßer Spinner." Auch wenn ich die ganze Situation nicht ernst nahm, hallten seine Worte in meinem Kopf wieder. Und es verunsicherte mich enorm, dass ich nicht wusste, ob ich den Worten Glauben schenken sollte und konnte, oder nicht. Aber das war nicht das erste Mal, dass er sowas einfach sagte. Er wiederholte ständig, wie süß ich doch war und so weiter. Natürlich verunsicherte mich das, ich meine, wenn würde es nicht verunsichern? Er bemerkte schließlich, dass ich nichts darauf erwidern konnte und sogar meine Augen abwandte, denn er machte ein amüsiertes "Aww" Geräusch und beließ es dann dabei. Nach einer Weile, indem eine unangenehme Stille -ja, sowas gab es tatsächlich auch bei Taehyung- die Atmosphäre beherrschte, stand er langsam auf und bekam direkt einen fragenden blick meinerseits. "Ich bin gleich wieder da.", sagte er und ging den Weg zu den Toiletten. Ich beschloss V anzuschreiben, er wusste schließlich immer, was man in so einer Situation tun konnte, damit wenigstens die unangenehme Stimmung verschwand. Ich schickte die Message ab und kurz darauf blinkte Taes Handy auf. Das war wahrscheinlich nur ein dummer Zufall, dennoch wartete ich bis sein Display erloschen war und schickte dann noch eine Nachricht an V. Und leider blinkte auch dann sein Handy auf und ich drehte es kurzerhand zu mir, um einen Blick darauf erhaschen zu können. Tatsächlich zwei neue Benachrichtigungen von Instagram. Von kookiekooks. Von mir.
Seit dem Vorfall waren einige Tage vergangen. Ich glaube, ich hatte mich noch nie so schlecht gefühlt wie ich mich jetzt fühlte. Jimin wusste jetzt auch über alles Bescheid, ich hatte es ihm noch am gleichen Tag erklärt und sozusagen alles gebeichtet. Naja, fast alles, das mit dem Fastkuss musste er nicht unbedingt wissen, fand ich. Ich wusste zwar, dass er mich niemals dafür verurteilen würde, er war ja selber bi und egal, was er mir sagte, er fand Yoongi ganz schön interessant. Dennoch war es mir einfach unfassbar peinlich darüber zu sprechen, vorallem eben weil es Taehyung war! Er tat mir schon etwas leid, ich hatte ihm schließlich nichts davon erzählt und sagte auch jede weitere Verabredung ab, was ihn sicherlich auch verletzte. Aber schließlich hatte ich keine Person gefälscht, also konnte es mir doch ziemlich egal sein, was mit ihm passierte, nicht? War es aber nicht. Ich vermisste ihn, ich vermisste sein Lachen, ich vermisste seine Art, ich vermisste so ziemlich alles. Die Stunden, die mich einfach alles kurz vergessen ließen, zählte ich zu den besten meines Lebens und da war ja klar, dass ich es nicht einfach aufgeben konnte. Ich konnte ihn nicht einfach aufgeben und ich wusste nicht, ob ich nun froh oder traurig darüber sein sollte. Wenn man es objektiv betrachtete, sollte ich dankbar für V sein, denn ohne ihn gäbe es kein "uns". Aber ich verstand einfach nicht, warum er diese Rolle noch weiter gespielt hatte, selbst als wir anfingen Freunde zu werden. Ihm hätte doch klar sein müssen, dass man sowas nicht einfach machen konnte ohne mit irgendwelchen Konsequenzen. Egal wie viele Wörter ich mir für Taehyung ausdachte, egal wie oft ich mir das Szenario ins Gedächtnis rief, es veränderte nichts daran, das ich die Zeit mit ihm unglaublich vermisste und mich nach seiner Nähe sehnte. Meinen kleinen Crush auf ihn wurde dadurch nicht kleiner, er verdoppelte sich fast und das machte die Sache nur unerträglicher. Ich wusste, dass ich ihn nicht ewig ignorieren konnte (und ich wollte es selbst nicht), aber ich war nun mal immer ein kleiner Sturkopf und wartete auf seinen ersten Schritt. Auch, wenn er keine Ahnung hatte, was er falsch gemacht hatte oder ob er überhaupt irgendetwas falsch gemacht hatte. Ich beschloss morgen nochmal darüber nach zu denken und jetzt zu schlafen. Es war mittlerweile wieder nach Mitternacht und zu einem Entschluss, der brauchbar war, kam ich ohnehin nicht.
Wie sehr ich mir jetzt einen realen V wünschte..
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different worlds | yoonmin ; vkook
FanfictionYoongi und Jimin. Jungkook und Taehyung. Vier Menschen. Vier verschiedene Lebenssituationen. Eine Geschichte. __________ Anmerkungen: boyxboy 20% texting ! Triggerwarnung. You don't like it? Don't read it! started: 10.11.2017 finished: 16.03.2018 ...
