#15 Arschlochsein

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Ich hätte dem Schlag von Naruto ausweichen können. Das hätte ich bestimmt nach über 15 Jahren Kampfsporterfahrung. Aber ich hatte es nicht getan. Weil ich es doch irgendwie verdient hatte. Selbst nachdem ich Hinata so verzweifelt sah und Naruto so verstört, war ich immer noch der festen Überzeugung, es sei nur zu ihrem Wohl. Dabei würde es doch jetzt sowieso rauskommen. Nur, weil ich Schiss bekommen hatte. Nur, weil ich nicht der Arsch sein wollte, der es monatelang verheimlicht hatte. Vielleicht hätte ich es ihnen schon viel früher sagen sollen. Oder wohl eher: Vielleicht hätte Jiraiya es ihnen früher sagen sollen.

Ich schmeckte Blut auf meiner Zunge und mein Kopf dröhnte wie doll und verrückt. Ich öffnete meine Lider und wurde sofort von blendenden Licht empfangen.
"Ah, verdammt.", knirschte ich, als ich den pochenden Schmerz in meiner Nase spürte. Mir war außerdem noch so verdammt schwummrig.

Ich versuchte mich aufzusetzen, doch ließ es direkt wieder sein.
Mit einem Mal wurde die Tür aufgeschoben und eine Frau in Krankenschwester-Kleidung schien kurz erschrocken, doch lächelte dann.
„Ah, Sie sind wach! Wie fühlen Sie sich?", fragte sie mich direkt und ging auf mein Bett zu.
„Was ist passiert, nachdem ich bewusstlos wurde?", fragte ich sie.
„Soweit ich weiß, mussten sie operiert werden. Die Chirurgen haben Ihre Nase wieder gerichtet, Herr Hyuga. Sie wird aussehen wie früher, das kann ich Ihnen versichern.", erklärte sie und ich nickte.
„Sagen Sie, heute wurde ein recht alter Mann mit Herzinfarkt eingeliefert. Ich denke jedenfalls, dass es ein Herzinfarkt war. Wissen Sie, wie es ihm geht?", fragte ich wieder und sie überprüfte verschiedene Dinge währenddessen.
„Ähm ...", überlegte sie, „Ja, das kann sein. Also, Sie gehörten doch zu diesem Ehepaar, oder? Dann kann ich Ihnen doch die Information weitergeben, nicht wahr?"
„Meine Cousine hat heute seinen Pflegesohn geheiratet, also denke ich, ja schon."

Sie seufzte und nahm plötzlich meine Hände. Ihr Blick verriet nichts Gutes. Ich kannte diesen Blick. Als Kind, als die Ärzte mir am Krankenbett sagen mussten, mein Vater sei tot, schauten sie auch so. So mitleidig, so beschissen. Ich schüttelte schon mit meinem Kopf. Nein, nicht schon wieder.

„Es tut mir leid, aber er ist wenige Minuten, nachdem er im OP war, gestorben. Die Ärzte hatten alles versucht, doch sein Herz war schon zu schwach. Ich ... Ich bin nicht gut in so etwas und eigentlich ist das auch nicht meine Aufgabe, Todesnachrichten zu überbringen, aber ... Sie haben mein vollstes Beileid, Herr Hyuga."

Ich schluckte und nickte. Es war so klar.
„Ich danke Ihnen, ich ... Es ist alles gut."
„Sicher?"
„Ja, ich denke schon. Sind Sie mir böse, wenn ich etwas allein sein möchte?", fragte ich sie und sie antwortete mit einem Nicken und einem leichten Drücken meiner Hände, bevor sie wieder aus dem Zimmer verschwand.

Ich schloss meine Augen und musste das alles erstmal verarbeiten.

Jiraiya. Er war tot.

Ich drehte meinen Kopf auf die Seite und es fühlte sich an, als würde mein Gehirn sich mit verdrehen.

Ich schaute aus dem Fenster in die dunkle Nacht und atmete erstmal ein und aus.

Naruto würde mich so hassen, ich konnte es schon spüren.
Gott, fühlte ich mich schlecht.

Ich schloss wieder meine Augen und versuchte etwas Ruhe zu finden. Ich war erleichtert, als ich in den Schlaf glitt.

~~~

Das Vögelzwitschern weckte mich und  ich öffnete langsam meine Augen. Ich sah direkt zu den Fenstern und schaute in den blauen Himmel. Die Fenster waren geöffnet und der Wind jagte eine Gänsehaut über meinen ganzen Körper.

„Neji?"

Ich drehte meinen Kopf und auf einem kleinen, weißen Hocker saß Tenten. Ich konnte ihren Gesichtsausdruck nicht definieren, jedenfalls sah sie nicht glücklich aus.

„Möchtest du etwas trinken?“, fragte sie und ich nickte.
Darauf reichte sie mir einen blauen Becher mit Strohhalm. Ich klemmte den Strohhalm zwischen meine Lippen und trank das Wasser.

„Wie geht es dir?“
„Ganz okay, schätze ich.“, antwortete ich und gab Tenten den Becher wieder in die Hand.
Sie seufzte und stellte ihn wieder auf meinem Nachttisch ab.

Tenten legte ihre Hände in ihren Schoß und atmete kurz durch.

„Neji, rede mit mir. Hinata hat mir alles erzählt und wenn du deiner Cousine schon nichts sagen kannst, dann sag es wenigstens mir. Ich bin eine Außenstehende und stehe nicht ansatzweise mit Jiraiya in einer Verbindung.“, sie sah mich an und presste ihre Lippen aufeinander.

Ich drehte meinen Kopf wieder Richtung Fenster und schaute mir die Bäume an, die im Wind hin und her wiegten.

Ich wusste, sie wollte nur helfen. Das wusste ich, keine Frage. Aber es war Tenten. Wir hatten uns gerade erst wieder vertragen und dann sollte ich von Jiraiya und seinem Herzproblem erzählen?

„Neji, ich bitte dich. Wir sind Freunde. Ich weiß doch, dass dir das Ganze schon eine Weile auf deinen Schultern lastet.“

Ich drehte mich wieder zu ihr und schaute in ihre wunderschönen braunen Augen, die mich nun besorgt musterten.

„Okay. Ich erzähle es dir.“, gab ich schließlich nach und begann von Anfang an.
Tenten nickte ab und zu und hielt meine Hand als Beistand.

„Und warum kannst du es Hinata und Naruto nicht einfach erzählen? Stell dir mal vor, irgendetwas wäre mit Hinata und Naruto würde dir nichts sagen. Wie würdest du dich denn fühlen?“, fragte sie zum Ende.
„Ich verstehe genau das ja voll und ganz, nur ... Ich habe es ihnen mehrere Monate vor ihnen geheim gehalten. Weißt du, ich wäre immer der Arsch gewesen, ob ich es ihnen verheimlicht hätte oder nicht. Ich wollte Jiraiya die Möglichkeit geben, es ihnen zu sagen, da er es so wollte. Und an dem Abend, an dem er eingeliefert wurde, da wusste ich ja nicht ... Da wusste ich ja nicht, dass er ...“, meine Stimme brach ab zum Ende und Tenten drückte meine Hand sanft.

„Wenn du aus dem Krankenhaus raus bist, musste du unbedingt mit den beiden reden. Ich kann gerne mitkommen, wenn du willst.“, schlug sie vor und lächelte mich lieb an.
„Danke, das wäre mir eine große Hilfe. Wirklich danke, dass du für mich da bist.“, bedankte ich mich und schenkte ihr ein breites Lächeln.

„Ach so, und Neji?“
„Ja?“, meinte ich total ahnungslos.
„Deine Stimme hört sich grad so beschissend an!“, prustete sie los.
Augenrollend sah ich beim Lachen zu und musste zugeben, durch die Operation hörte ich mich an wie eine Ente.

Hiii! Ich bin back mit nem kurzen Kapitel, aber hey! Vielleicht wird ja dafür das Nächste länger! 😉

Also, wir sehen uns, meine Schnuggies! ❤🍑

harmony tea - naruto.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt