Ein intensives, warmes Gefühl flutete auf einmal meinen Körper, zerrte an meinem Herzen, so dass die Luft mir in meiner Kehle stecken blieb. Es war berauschend, wie es durch mich hindurchdrang. Wie eine Flutwelle, drang es in jeden klitzekleinen Winkel meines Körpers, von meinen Fingerspitzen, bis zu meinen kleinen Zehen, fing alles an zu kribbeln. Es war als ob ich unter Strom stand, mein Mund öffnete sich leicht, meine Augen auf das Braun seiner Iris gerichtet, das so verdammt dunkel war. So dunkel, wie die Stellen eines Sees, an welche die Sonne nicht hinreichte.
Sobald die tiefen Worte aus seinem Mund gedrungen waren, wand er sich um und verschwand wieder in seinem Zimmer. Ich starrte immer noch auf die Tür, mein Herz schlug wild in meiner Brust, während das warme Licht der Lichterkette, den Raum durchflutete. Ich saß einfach nur da, starrte auf seine Zimmertür und ließ das Gefühl mich durchfluten.
In den Tagen bis zum Kampf, sah ich Macaulay kein einziges Mal. Seine Tür blieb verschlossen und selbst auf der Arbeit im Steels sah ich ihn nicht. Ich sah ihn selbst nicht trainieren, was mich ziemlich beunruhigte, da er jeden Tag im Steels vorzufinden war und an manchen Tagen sogar Stunden lang trainierte. Ich wusste, dass er seinen Körper nicht vom bloßen Herumsitzen bekam und dass er die Männer im Boxclub nicht nur durch seine bloße Anwesenheit einschüchterte, sondern weil sie wussten, wie gut er im Ring war. Ich wusste, dass es Logan und Aiden ebenfalls zu beunruhigen schien. Wenn die beiden glaubten, dass ich nicht zuhörte und mit meiner Arbeit beschäftigt war, hörte ich das Flüstern der Beiden und mehr als einmal fand ich sie Beide auf dem Flur, die Köpfe zusammengesteckt.
Aiden verhielt sich in meiner Gegenwart weiterhin wie gewohnt, allerdings spürte ich immer öfter seinen Blick auf mir und ich sah in seinen Augen immer häufiger das Verlangen mich zu küssen. Ich wusste nicht warum, aber die Vorstellung Aiden zu küssen, ließ ein merkwürdiges Gefühl in mir aufsteigen. Ich fühlte mich wohl mit ihm und auf eine gewisse Weise fühlte ich mich auch von ihm angezogen, doch irgendetwas schien mich zu beunruhigen. Immer häufiger träumte ich von Macaulay und die Tatsache, dass er sich in seinem Zimmer verschanzte, machte es nicht besser.
Am Tag des Kampfes wachte ich mit klopfendem Herzen und Nervosität auf. Macaulay hatte immer noch nicht die Tür geöffnet und ich fragte mich, wie er seine natürlichen Bedürfnisse überhaubt befriedigt hatte. Irgendwann musste er doch einmal auf Toilette oder etwas essen!
Es war ein paar Stunden vor dem Kampf, ich stand gerade in der Küche mit einer Schüssel Schokoflakes, als seine Tür aufging. Mit einem Ruck wurde mir die Luft genommen. Sein Kinn war von unordentlichen Stoppeln überdeckt, seine Augen müde und von Augenringen umrandet. Er sah aus, als ob er Tage lang nicht geschlafen hatte, sein Körper sah ein wenig dünner aus. Meine Augen folgten jede seiner Bewegungen, von der Art und Weise wie er durch das Wohnzimmer lief, sich die Schuhe zuband und eine seiner Lederjacken nun überwarf. Sein Blick kreuzte für einen kurzen Moment meinen, bevor er nach seinen Schlüsseln auf der Anrichte griff und die Wohnung verließ.
Die letzten Stunden bis zum Kampf spürte ich, wie die Nervosität in mir hochkroch. In der letzten halben Stunde tigerte ich in meinem rot-weiß- schwarz karrierten Rock durch das Wohnzimmer, meine rote Baskenmütze hielt meine wilde Lockenmähne in Schacht. Es war schon dunkel der Mond hing über dem Himmel, ließ die Welt draußen fast gespenstisch aussehen.
Als es endlich so weit war, warf ich meine Jacke über meinen roten Pullover, zog ein paar schwarze kniehohe Stiefel über meine Strumpfhose und lief mit klopfendem Herzen die Treppe herunter.
Statt der üblichen 40 Minuten brauchte der Bus nur 30 Minuten. Nach 8 Uhr war der Verkehr ruhig, die Straßen nicht mehr so gestaut. Auf der einen Seite war ich froh darüber, dass ich nicht so lange brauchte auf der anderen Seite war ich unglaublich nervös.
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Oceans Apart ✔
RomanceFünf Jahre ist es her, als Ella Taylor nach Schottland gezogen ist. Als Ella das Herz von Macaulay gebrochen wurde. Mittlerweile ist sie mit einem anderen Mann verheiratet, doch sie hat ihn niemals vergessen. Den Mann, der sie die Bedeutung von wahr...
