Die Tränen liefen immer noch mein Gesicht herunter, als ich auf die leere Leiter starrte, die vom Dach nach unten führte. Mein Herz hatte sich zusammengezogen, ich spürte wie sich ein schweres Gewicht auf meine Kehle legte, so als ob sie jemand zusammen drückte. Ich hatte noch nie in meinem Leben so einen Schmerz gespürt. Es war als ob man mir mein Herz herausgerissen hatte. Der Wind, der zuvor noch eisig gewesen war, schien mir nichts mehr auszumachen. Er wehte durch mein Gesicht, zog in jede Ritze meiner Kleidung, doch alles was ich wahrnahm war der Schmerz in meiner Brust, der sich anfühlte, als ob sich ein Loch in meiner Brust befand.
Meine Augen waren von Tränen verschleiert, meine Unterlippe zitterte, als ich meinen Kopf auf meinen Knien abstütze. Ein lauter Schluchzer drang aus meiner Kehle, hallte durch die dunkle eiskalte Nacht.
LASS MICH EINFACH IN RUHE!
Die Worte hallten in meinem Kopf wieder als ein erneuter Schluchzer aus meinem Mund drang. Ich saß einfach da und weinte. Weinte, weil es weh tat. So verdammt weh.
Ich wusste nicht wie lange ich dort saß, in der tiefsten Dunkelheit der Nacht, aber als ich mich erhob, war der Mond schon verblasst. Er leuchtete nicht mehr so hell am Himmel wie zuvor. Für einen kurzen Moment fühlte ich mich wie der Mond. So als ob ich nur noch halb da wäre. Verblasst.
Meine Augen fühlten sich vom ganzen Weinen schwer an, als ich vorsichtig das Dach herunterstieg. Das Haus lag dunkel vor mir, als ich durch das Fenster hindurchkletterte und es hinter mir schloss. Wie immer fiel mein Blick auf seine Tür, die nun offen stand. Ich schluckte, ein Stich durchfuhr mein Herz, als ich mich auf wackeligen Beinen auf die Couch niederließ. Ich rollte mich zusammen, winkelte meine Beine an und hoffte, dass die Dunkelheit mich in diesem Moment verschlingen würde, denn es tat weh. Es tat mit jedem verdammten Atemzug weh.
Mein Blick fiel auf den Wecker neben mir. Es war vier Uhr am Morgen. Zuhause musste es zehn Uhr abends sein. Zuhause. Es war das erste Mal, dass ich über Toronto wieder als mein Zuhause nachgedacht hatte. Tränen drangen in meine Augen, meine Unterlippe zitterte, als ich eine Hand auf meinen Bauch presste.Mit meiner freien Hand holte ich mein Handy hervor und wählte die Nummer von dem Menschen, dessen Stimme ich jetzt am Meisten brauchte.
Es klingelte ein paar Mal in der Leitung.
„Daddy?", meine Stimme klang dünn, als er endlich abhob.
„Ella Prinzessin?", seine warme, weiche Stimme drang direkt bis in mein Herz und plötzlich konnte ich nicht mehr an mich halten. Ich brach unkontrolliert in Tränen aus.
„Ella Baby, was ist passiert?", seine Stimme klang nun besorgt.
„Ist alles okay mit dir?"
Meine Unterlippe zitterte nun, als ich stumm mit meinem Kopf schüttelte. Meinen Vater schien das wahnsinnig zu machen, denn plötzlich hörte ich im Hintergrund des Telefons, das Klirren von einem Schlüsselbund.
„Okay, ich nehme den nächsten Flug."
Die entschlossenen Worte meines Dads holten mich aus meiner Starre.
„Nein!" rief ich schluchzend aus.
„Ella ich merke doch, dass es dir nicht gut geht. Glaub ja nicht, dass dadurch, dass du ausgezogen bist, sich irgendetwas zwischen uns ändert! Du und dein Bruder seit immer noch neben deiner Mutter mein Ein und Alles und wenn du glaubst, dass ich euch..."
„Da... Dad, du brauchst nicht zu kommen. Ich .. ich kann nur nicht schlafen und wollte deshalb deine Stimme hören", unterbrach ich ihn, inzwischen hatte er sich ziemlich in Rage geredet.
Ich hörte, wie mein Dad am anderen Ende der Leitung verstummte. Es dauerte eine bestimmte Weile, bis er sich beruhigt hatte.
„Okay", gab er schließlich von sich, seine Stimme klang wieder weicher. Und dann begann er zu singen. So wie er es meine ganze Kindheit getan hatte, wenn ich nicht einschlafen konnte.
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Oceans Apart ✔
RomansaFünf Jahre ist es her, als Ella Taylor nach Schottland gezogen ist. Als Ella das Herz von Macaulay gebrochen wurde. Mittlerweile ist sie mit einem anderen Mann verheiratet, doch sie hat ihn niemals vergessen. Den Mann, der sie die Bedeutung von wahr...
