Am nächsten Tag wurde ich von den schrillen und nervtötenden Tönen, die mein Wecker von sich gab, aus dem Schlaf gerissen. Murrend zog ich mich aus dem Bett und trottete zum Wecker, welchen ich auf die andere Seite des Zimmers gestellt hatte, da ich es sonst niemals schaffen würde, so früh aufzustehen.
Nachdem ich mich angezogen hatte, lief ich im Halbschlaf nach unten in die Küche, um zu frühstücken.
Mama und meine Adoptivschwester Mikasa saßen bereits am Tisch. Mikasas Eltern starben damals bei einem Raubüberfall auf das Juweliergeschäft ihres Vaters, in dem sie beide arbeiteten. Und da sie keine anderen Familienmitglieder mehr hatte und wir mit ihrer Familie gut befreundet waren, beschlossen wir, sie bei uns aufzunehmen.
Was auch wirklich kein Problem für mich war. Ich mochte Mikasa. Sehr gerne sogar. Wie eine Schwester halt. Aber sie musste mich bei jeder Kleinigkeit beschützen und tut immer so, als würde ich nichts allein auf die Reihe bekommen!
"Guten Morgen, Schatz", begrüßte mich meine Mutter mit einem für sie typischen Lächeln. "Hmm...", brummte ich zurück und legte meinen Kopf auf den Tisch, gleich neben den Teller, den die beiden extra für mich hingestellt hatten. "Eren, ist alles ok?", fragte Mikasa und klang dabei mal wieder so wahnsinnig besorgt. Innerlich verdrehte ich nur die Augen.
"Ja. Alles in Ordnung", ich richtete mich wieder auf und fing an, mir ein Brot zu schmieren.
"Ich habe dir noch eine Lunchbox gemacht, mein Schatz", Mama deutete auf die Küchenzeile, "Die kannst du dann später auf der Arbeit essen, falls du Hunger bekommst. Sag mal, bist du denn schon aufgeregt?" Mit müden Augen schaute ich sie an. Dann zuckte ich mit den Schultern. War ich aufgeregt? Nein. Eigentlich nicht. Ich freute mich eigentlich eher, mal wieder etwas machen zu können und nebenbei noch Geld zu verdienen! Aber um meine Freude richtig zeigen zu können, war ich einfach zu müde. "Du bist nicht richtig ausgeschlafen, oder? Na dann würde ich sagen, gehst du heute einfach mal früher ins Bett!" - "Mama! Ich bin 18!" Leicht schockiert blickte ich zu ihr. Natürlich. Sie hatte recht. Ich wollte mir aber schlicht und einfach nicht von ihr sagen lassen, dass ich früher schlafen gehen sollte. Das würde ich schon von ganz alleine tun...
"Na schön. Du musst es ja selber wissen", sie stand auf und fing schon mal an, den Tisch abzuräumen. Mikasa half ihr dabei, während ich mir noch schnell mein Brot in den Mund stopfte.
Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es 7:24 Uhr war. Um halb würde mein Vater mit mir los fahren, so wie wir es gestern besprochen hatten.
Also machte ich mich wieder auf den Weg in mein Zimmer, wo ich dann die nötigen Sachen für heute einpackte. Ich hatte leider keine Ahnung, für was die mich heute einsetzen würden, da ich mich generell noch nicht so stark mit diesem Beruf auseinandergesetzt habe. Was ich -im Nachhinein - vielleicht hätte tun sollen...Auf jeden Fall ließ ich einen kleinen Notizblock mit einem Stift in meine Tasche fallen. Dann noch meinen Haustürschlüssel und mein Handy.
2 Minuten später war ich auch schon wieder unten und packte noch schnell meine Lunchbox ein, bevor ich an der Haustür, an der mein Vater schon ungeduldig wartete, in meine Schuhe schlüpfte.
"Komm schon, Eren. Wir müssen los!", hetzte er und schloss die Tür auf. "Jaja. Wir haben aber erst 7:27 Uhr! Wir haben doch Zeit!", entgegnete ich ihm, woraufhin nur ein "Besser zu früh, als zu spät" kam. Ich seufzte leise. Dann verabschiedete ich mich von meiner Mutter und stieg gemeinsam mit meinem Vater und Mikasa, die wir auf dem Weg bei ihrer eigenen Arbeitsstelle absetzen würden, ins Auto. Sie hatte einen Job beim Tierarzt angenommen.
Nachdem wir sie eben dort rausgelassen hatten, wandte sich mein Vater wieder mir zu. Ohne dabei den Blick von der Straße zu lassen.
"Mein Junge, ich wünsche dir heute einen wirklich tollen ersten Arbeitstag. Ich bin mir sicher, du wirst es dort mögen. Erwin und sein Team sind wirklich nette Leute und du wirst mit Sicherheit ganz schnell gut zurecht kommen!"
Ich nickte und schaute aus dem Fenster. Meine Vorfreude auf diesen Job stieg nun doch allmählich an und als mein Vater kurz am Straßenrand hielt, um mich raus zu lassen, hatte ich sogar ein bisschen Herzklopfen.
"Da drüben ist es. Dann viel Spaß und bis später, mein Junge!" - "Bis später, Papa!"
Ich schloss die Autotür und lief schnell über die Ampel, da diese gerade noch grün zeigte. Und dann stand ich auch schon vor der Praxis. 'Titan Fit' hieß sie und hatte zwei große Flügel - einen blauen und einen weißen - als Logo über der Eingangstür thronen.
Noch einmal atmete ich tief ein und aus, bevor ich lächelnd die Praxis betrat.
Es sah total anders aus, als ich es mir vorgestellt hatte. Der Eingangsbereich und der Aufenthaltsraum waren in einem hellen weiß mit teilweise hellblauen Highlights versehen. Hier und da stand eine Pflanze. An der Wand war eine Reihe von Stühlen mit blauen Kissen aufgestellt und daneben war sogar eine kleine Spielecke für Kinder.
Ich war wirklich positiv überrascht von dieser Praxis, da ich Praxen immer nur als kalt und unfreundlich in Erinnerung hatte.
"Entschuldigung, junger Mann. Geht es Ihnen gut?", riss mich eine freundliche Stimme aus meinen Gedanken. Anscheinend musste ich eine Weile nur perplex im Raum gestanden haben, denn sowohl die Frau hinter der Anmeldung als auch der grummelig aussehende Herr, der auf einem der Stühle saß und wartete, schauten mich verwirrt an.
"Ehhhh...", ich ließ meinen Blick zu der Frau mit den hellbraunen, oder schon beinahe rötlichen Haaren schweifen, "J-ja. Alles gut. Entschuldigen Sie bitte. Ich ehm...bin Eren Jäger. Und ich soll ab heute hier arbeiten."
Ich trat ein paar Schritte nach vorne, bis ich meine Arme auf die Anmeldung legen konnte und die Frau dahinter nun erwartend ansah.
"Tut mir leid, aber ich habe keinerlei Informationen darüber vorliegen, dass Sie heute bei uns-" "Eren!", wurde sie unterbrochen und ich sah auf. Erwin kam aus dem Gang, der sich neben der Anmeldung entlang zog und rieb sich dabei die Hände - vermutlich mit Desinfektionsmittel - ein.
"Verzeih mir, Petra, aber das hat sich gestern alles so schnell ergeben, da hatte ich gar keine Gelegenheit mehr, dir davon zu erzählen. Und eben hatte ich es schlicht und einfach vergessen", Erwin lachte und lehnte sich dann vor mir an der Theke an, "Lass dich ansehen, Eren. Groß bist du geworden, ja. Und du siehst genau aus wie dein Vater."
Ich lächelte schief und kratzte mich am Hinterkopf: "Haha. Ja. Das krieg' ich oft zu hören."
Daraufhin legte er einen Arm um mich und drehte sich wieder zu der Frau, die Petra heißen soll. "Eren ist der Sohn von Dr. Jäger. Du kennst ihn doch bestimmt noch, Petra. Er wird ab heute bei uns arbeiten!", verkündete Erwin und erntete ein freundliches Lächeln und ein Nicken von Petra. "Dann willkommen im Team, Eren", entgegnete sie und wandte sich wieder ihren Aufgaben zu, während Erwin mich mit sich zog.
"Also. Ich werd' dich nun einfach mal ein bisschen hier rum führen", verkündete er und zeigte mir daraufhin alles. In dem ersten Bereich, in den man kam, nachdem man durch den kleinen Gang neben der Anmeldung gegangen war, befanden sich acht Kabinen, die alle mit einem Vorhang versehen waren. "Hier werden die Patienten behandelt, die nur für 30 Minuten oder höchstens eine Stunde zur Behandlung bei uns sind", erklärte er mir und ich hörte aufmerksam zu. Hinter diesen Kabinen war ein Raum mit Pezzibällen, Matten und irgendwelchen Geräten, die laut Erwin zur Verbesserung der Beweglichkeit beitragen sollen. Dann lief er mit mir eine Treppe hoch, neben welcher sich ein weiterer Raum befand, in dem ebenfalls Geräte standen, die aber diesmal zur Ausbildung der Kraft da sein sollten. Nachdem wir die Treppe hoch gelaufen waren, kamen wir erneut durch einen Gang, hinter welchem sich ein weiterer Raum befand. "Das ist unsere Rückenschule. Für Leute, die halt Probleme mit ihrem Rücken haben", erklärte Erwin immerzu lächelnd und ich nickte nur weiterhin verstehend.
Dann kamen wir in den letzten Bereich, in dem noch Leute behandelt wurde. Es war ein Fitnessraum mit Laufbändern und einigen Heimtrainern. Daneben waren vier Türen, in welchen auch Patienten behandelt wurden. Diesmal aber welche, die schwerwiegendere Probleme hatten und deshalb auch länger in der Behandlung bleiben mussten. Und wie schon gesagt, waren hier auch keine Vorhänge wie unten, sondern richtige Türen.
"So, Eren. Das ist unsere Praxis. Wenn du jetzt noch ein bisschen weitergehst, kommst du in den Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter. Hier machen wir unsere Pausen und essen. Deine Sachen kannst du ebenfalls dort rein packen. Wir haben Schließfächer dadrin. Die Schlüssel dafür hängen am jeweiligen Schließfach. So. Eine Sache muss ich dir noch sagen: da ich der Chef von diesem Laden hier bin, werde ich nur wenig Zeit finden, um dich hier in deine Aufgaben einzuweisen. Du kannst gerne mal bei all unseren Mitarbeitern zuschauen und auch helfen, aber ich werde dich jemandem zuteilen, von dem ich mir ganz sicher bin, dass du eine Menge von ihm lernen kannst. Er ist unser bester Therapeut. Zwar ein bisschen mürrisch, aber man kommt gut mit ihm klar", sagte Erwin mir und öffnete die Tür des Aufenthaltsraums, "Levi? Ich habe hier jemanden für dich!"
Ich schaute in den Raum und wurde direkt von zwei grau-blauen Augen durchbohrt.
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The guy I'm working with / Ereri (Ger)
FanfictionEine Ereri Fanfiction. Eren hat gerade die Schule abgeschlossen und nun nichts mehr zu tun. Doch da sich alle seine Freunde bereits einen Job gesucht hatten, konnte er sich nicht mehr mit ihnen treffen und hing nur noch Zuhause rum. Als sein Vater j...
