Nachdem Herr Ackerman also dieser Christa beim Aufsammeln geholfen hatte und sie sich, ohne zu übertreiben, 100 mal dafür bedankt hat, folgte ich ihm wieder in den Eingangsbereich, da schon schon sein nächster Patient auf ihn wartete.
So ging das dann auch drei Stunden lang.
Wirklich viel von den anderen, die dort auch arbeiteten, bekam ich nicht mit.
Bei dem kleinen Physiotherapeuten folgte ein Termin auf den nächsten und wir waren gefühlt ständig nur am Behandeln und Wechseln der Kabinen.
Irgendwann blickte ich zur Uhr. 12:51 Uhr. Erwin hatte mir zuvor noch erklärt, dass jedem Mitarbeiter eine Mittagspause zusteht, die sie auch zwischen 12 und 14 Uhr definitiv einnehmen sollen. Und ich spürte in diesem Moment auch, wie viel Hunger ich eigentlich hatte.
Als wir gerade den Patienten, den Herr Ackerman zuletzt behandelt hatte, verabschiedeten, meldete ich mich etwas kleinlaut zu Wort: "Ehm...also wenn's ok ist, dann würde ich jetzt in die Mittagspause gehen."
Er schaute mich kurz an und wieder durchfuhr mich ein kleiner Schauer.
Diese stahlgraue Farbe seiner Augen passte so gut zu ihm. Sie wirkte einschüchternd und kalt, aber dennoch war ich in der Lage, einen gewissen Funken im Verborgenen in ihnen erkennen zu können.
"Mach das", sagte er und sah dabei selbst kurz auf seine Armbanduhr, welche sich um sein dünnes Handgelenk schlang. Dann stellte er noch die Stühle an seinen vorherigen Platz und desinfizierte alles.
"Kommen Sie denn nicht mit?", wollte ich wissen. Inmerhin hatte er ja auch noch nichts zu sich genommen. Und so wie er aussah, würde ihm das ganz gut tun...
Nicht etwa, dass er ZU dünn war. Nein, nein. Eigentlich war sein Körperbau recht schön. Halt zart, aber trotzdem schön.
Dennoch würde ihm mehr Essen nicht schaden.
Der Schwarzhaarige schüttelte nur den Kopf und verschwand dann mit einem "Hab jetzt meinen nächsten Patienten" aus der Kabine.
Mich ließ er einfach dort stehen.
Ob er wohl bis 14 Uhr noch eine Pause machen wird? Ich wollte mich nicht weiter damit beschäftigen und stapfte mit grummelndem Magen in Richtung des Aufenthaltsraums. Dort angekommen schloss ich schnell meinen Spind auf, um die Lunchbox rauszuholen. Ich ließ mich auf einen der Stühle fallen und öffnete sie: zwei Sandwiches, ein Apfel, ein Joghurt und eine Cola.
Du bist die beste, Mama!
Hungrig stürtze ich mich auf mein Essen, bis plötzlich die Tür aufgeschlagen wurde und ich ein lautes "YIIIIIE" vernahm.
Erschrocken zuckte ich zusammen und starrte zu der braunhaarigen Frau mit Pferdeschwanz, die soeben hineintrat.
"Ohhhh bitte entschuldige! Ich hatte kein bisschen damit gerechnet, dass hier vielleicht jemand sitzen könnte!! Ahahah! Da war ich mal wieder zu vorschnell!", lachte sie mit einem, meiner Meinung nach, leicht verrückten Unterton in ihrer Stimme.
"Schon ok", gab ich freundlich, aber mit vollem Mund zurück und kratzte mich am Hinterkopf. Sie richtete ihre Brille und musterte mich dann noch ein wenig genauer.
"WOOOOAAAH!", stieß sie dann plötzlich aus und ich erschrak erneut, da sie so rumschrie, "Du bist Eren, oder? Erwin hat mir gerade erzählt, dass wir einen neuen Unterstützer haben! Wie aufregend!" Sie hüpfte vom einen Bein aufs andere.
Dann kam sie mir ganz nah, griff meine Hand und schüttelte diese ziemlich doll.
"Ich bin Hanji Zoe. Du kannst mich Hanji nennen! Oh wow, ich freue mich, dass wir jetzt zusammen arbeiten!!"
Ein wenig perplex blickte ich in ihre vor Freude funkelnden Augen. Dann schluckte ich mein Sandwich runter und schenkte ihr erneut ein schiefes Lächeln.
"Ja, ich mich auch."
Selbst, wenn sie ein bisschen crazy war, mochte ich Hanji jetzt schon.
Sie setzte sich vor mich und versuchte mich ein bisschen auszufragen: "Und? Wie ist dein erster Arbeitstag bis jetzt so? Hast du vorher auch schon mal wo gearbeitet? Bist du noch Schüler? Ouh, möchtest du gleich mal mit mir mitkommen und mir zusehen, wie ich einer Frau eine Lymphdrainage gebe? Das ist nicht soooo spannend, aber du kannst da was lernen!! Oder bist du jemand bestimmtem zugeteilt worden? Nun sag schon!"
Ich holte kurz Luft und beantwortete ihr dann alle ihre Fragen. Zum Schluss sagte ich: "Alsoo ich denke, dass ich gleich wohl bei dir zugucken darf. Danach muss ich aber wieder zu Herrn Ackerman, da Erwin mich ihm zugeteilt hat."
Hanjis Augen wurden etwas größer und ihr Lächeln breiter. "Du wurdest SHOOOORTY ZUGETEILT??!! Ahhhh wie cool! Da kannst du ganz ganz viel lernen, Eren! Und mach dir nichts draus, wenn er vielleicht ruppig oder abweisend zu dir sein sollte. Er meint es nicht so! Er ist ein wirklich gaaaaaaanz toller Mensch, was er nur nicht zeigt!", erklärte sie mir enthusiastisch.
Ich nickte leicht. "Trotzdem hab ich das Gefühl, dass er mich nicht mag...", murmelte ich vor mich hin mit meinem Blick auf den Tisch gerichtet.
"Aaaaach, eigentlich mag Levi auch niemanden! Nur seeeehr wenige Leute würde er wirklich als 'Freunde' bezeichnen. Und dazu gehören beispielsweise Erwin und ich", sie zeigte stolz mit dem Daumen auf sich. Hm...Mochte er wirklich fast niemanden? Aber warum nicht? Und wie kann ich ihn dazu bringen, mich zu mögen? Immerhin arbeiten wir jetzt zusammen und da wäre es schon vorteilhaft, würde er mich mögen..
"Und...ehm...wann mag er jemanden? Also...wie...ehm..." - "Du willst, dass er dich auch mag?!?!", unterbrach mich Hanji und lehnte sich dabei über den halben Tisch.
"Naja...eh...das wäre schon ganz...cool", gab ich von mir, wobei ich nervös meine Hände knetete.
"AAHHHHH, das ist ja sooo süß!! Du willst, dass Levi dich maaaag awww!!!", rief sie und wippte mit ihrem Stuhl rum.
"H-Hanji! Nicht so laut, bitte!", versuchte ich ihr lautes Organ zu unterdrücken.
Sie hielt sich eine Hand vor den Mund und fing verschmitzt an zu kichern: "Ach so...Upsi hihihi. Entschuldige. Aber das hört sich nur einfach sooo süß an!! Und Levi braucht dringend noch einen neuen Freund!!" - "Nun ja...eh...eigentlich möchte ich nur, dass wir uns bei der Arbeit halt...gut verstehen."
Nun wechselte ihr Blick von extremst aufgeregt zu eher enttäuscht. Warum war sie denn auf einmal enttäuscht?
"Hmm ach so...Ok", sie schien zu überlegen, "Naja. Es ist gar nicht so schwierig wie du es dir vorstellst:
1. Geh ihm nicht permanent auf die Nerven. Also nicht so wie ich. Aber ich darf das, thihi.
2. Respektiere sowohl seine Privatsphäre als auch seinen Reinlichkeitsdrang. Ich weiß nicht, ob du das schon bemerkt hat, aber er legt seeeehr viel Wert auf Ordnung und Sauberkeit.
Und 3. Zeig ihm einfach, dass er sich auf dich verlassen kann. Beweise ihm, dass er dir vertrauen kann, egal in welcher Situation und sei immer für ihn da, wenn er mal Hilfe braucht. Was allerdings auch nicht oft vorkommt..."
Das klang eher so, als würde sie mir bei einer Partnervermittlung oder so was helfen und nicht dazu beitragen, dass ich mich mit dem Typen, mit dem ich jetzt zusammen arbeitete, besser verstand.
Aber trotzdem war ich ihr sehr dankbar für ihre Ratschläge. Und die lassen sich sicherlich auch gut befolgen!
"Vielen Dank, Hanji", lächelte ich sie an und ihre Wangen wurden rot vor Freude.
"Aaaach keine Ursache!", kam es von ihr.
Daraufhin stand sie auf und holte sich selbst etwas zu essen aus dem Kühlschrank, in welchem die Mitarbeiter scheinbar ein richtiges Essenslager hatten, da ich dort alles mögliche an Essen sah! Pizza, Kuchen, ja sogar eine Flasche Sekt! Ich musste grinsen.
Es schien ja doch ziemlich entspannt hier zu zu gehen. Hanji nahm sich den Pizzakarton raus und stellte ihn auf dem Tisch ab. Ohne die Pizza aufzuwärmen, schob sie sich ein Stück in den Mund und fragte, ob ich ebenfalls eins wollte, was ich aber verneinte. Sie sah schon beinahe ausgehungert aus. Da wollte ich ihr nichts weg essen.
Auch ich konzentrierte mich wieder auf mein Essen, bis die Tür erneut aufgeschlagen wurde. Diesmal stand jedoch Herr Ackerman dort.
"Diese ganzen Hornochsen hier!", schimpfte er, schmiss die Tür hinter sich zu und ging direkt zum Wasserkocher, welchen er füllte und anstellte.
"Heyyy, Shorty!", begrüßte ihn Hanji, "Was ist denn los? Wieder einen blöden Patienten gehabt?"
Angesprochener rollte mit den Augen und drehte sich mit verschränkten Armen zu uns um.
"Ja, was denkst du denn, Vierauge? Den ganzen Tag schon hab ich nur Scheiß-Patienten, die nicht in der Lage sind das zu tun, was man ihnen sagt! Die wollen doch alle anscheinend gar nicht gesund werden!", wütend gestikulierend erzählte er von seiner letzten Patientin, "Gerade kam Frau Heinrichs rein, sagt nicht mal vernünftig 'Guten Tag', was mich auch schon wieder innerlich total auf die Palme gebracht hat! Und dann meint die doch allen ernstes mich anmeckern zu müssen, von wegen ich würde meinen Beruf nicht richtig machen, weil es ihrem Knie noch genau so schlecht geht wie immer! Ich hätte der am liebsten ins Gesicht gesagt, dass sie endlich mal ihren fetten Arsch hoch kriegen und sich bewegen soll, diese blöde Kuh! 50 mal hab ich ihr schon gesagt, dass die Behandlung nur was bringt, wenn sie nebenbei auch mit Spott anfängt! Aber nein, die wollen ja alle nicht hören!!!"
Verängstigt saß ich auf meinem Stuhl und traute mich nicht, mich zu bewegen.
Puh. Er konnte ganz schön aus der Haut fahren. Aber wenn man das so hörte, war das auch verständlich...
"Ach, Levi~", Hanji stand auf und legte einen Arm um seine Schultern, was auch wieder ziemlich lustig aussah, da sie ca. 10cm größer war; niedlich, "Jetzt mach dir doch nichts draus. Du weißt doch, dass eh immer wir Schuld sind, wenn es den Leuten hier nach ihrer ersten Behandlung nicht um 90% besser geht. So ist das nun einmal. Aber sich darüber aufzuregen führt nur unnötig zu hohem Blutdruck und", sie strich mit dem Zeigefinger über seine Stirn, "Zornesfalten."
Er gab ein 'Tch' von sich und schaute genervt zur Seite.
Ich überlegte, wie ich mich jetzt wohl in dieses Gespräch einbringen könnte. Immerhin wollte ich nicht so tatenlos hier rum sitzen.
"Soll ich Ihnen vielleicht irgendwas bringen, Herr Ackerman? Oder kann ich sonst was für Sie tun?", fragte ich letztendlich und zog seinen Blick auf mich. Im Augenwinkel sah ich, wie Hanji mich freudig angrinste.
"Nein", murrte der kleinste von uns und goß sich dann das heiße Wasser in eine Tasse mit einem Teebeutel Schwarztee.
Man...Kann er mich denn wirklich so gar nicht leiden? Wie soll ich das denn ändern, wenn er so abweisend ist?
"Dann...setzen Sie sich doch bitte wenigstens", bot ich an und stand sofort von meinem Platz auf.
"Kein Bedarf. Ich sitze doch eh schon den ganzen Tag. Dann kann ich jetzt auch mal stehen", entgegnete er und mein Blick wurde etwas traurig.
Nun ergriff Hanji das Wort: "Mensch, Levi! Der Junge meint es doch nur gut mit dir! Also lass dir auch gefälligst mal helfen!" Wieder verdrehte er nur die Augen, seuftzte dann aber und bewegte sich auf mich zu.
"Schön", er ließ sich auf dem Stuhl nieder und rührte in seinem Tee, "Danke, Eren."
Eine Welle der Freude überkam mich. Das erste Mal, dass ich etwas für ihn tun konnte! Ich denke, dass ist ein guter Anfang.
Meine Gedanken wurden daraufhin auch von Hanji bestätigt, welche mir zuzwinkerte.
Ja. Weiter so, Eren!
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The guy I'm working with / Ereri (Ger)
FanfictionEine Ereri Fanfiction. Eren hat gerade die Schule abgeschlossen und nun nichts mehr zu tun. Doch da sich alle seine Freunde bereits einen Job gesucht hatten, konnte er sich nicht mehr mit ihnen treffen und hing nur noch Zuhause rum. Als sein Vater j...
