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Ohaa. Das ist einfach schon der 15. Teil. Krass, wie schnell das geht🤭😅
Danke nochmal an alle, die meine Geschichte lesen. Viel Spaß😊💞

*****

Diese Erkenntnis, die ich, wie von Armin vorhergesehen, nun wirklich erlangt hatte, hielt mich die ganze Nacht wach.
Ich zerbrach mir regelrecht den Kopf darüber, wie es jetzt weitergehen sollte. Wie ich mich ihm gegenüber nun geben sollte.
Um weder ihn noch mich in irgendwelche Schwierigkeiten zu bringen, wäre es ja wohl das beste, sich einfach so zu verhalten wie bisher.
Nur stellte sich mir dann die Frage: konnte ich dies?
Mir war klar, dass ich mich schon die ganze Zeit so benommen hatte, ohne zu wissen, was dahinter steckte. Aber jetzt wo ich es wusste, war es anders. Nun hatte ich Angst, er könnte es ebenfalls herausfinden. Levi war klug und außerdem ausgezeichnet darin, Menschen einzuschätzen. Und es würde auch vermutlich nicht lange dauern, bis er auf den Trichter käme.
Dann würden sie mich aus der Praxis schmeißen und jeder wüsste danach, dass ich in den Schwarzhaarigen verliebt war...
So weit durfte ich es nicht kommen lassen!
Ich musste mich in seiner Gegenwart ab jetzt zusammenreißen und kein bisschen von meinen Gefühlen für ihn durchsickern lassen!
Das könnte hart werden, dennoch war ich mir sicher, dass es härter wäre, ihn gar nicht mehr zu sehen, als nur meine Gefühle für ihn zu unterdrücken. Wie schwer konnte das schon werden?

*****

Sehr schwer. Es konnte sehr schwer werden.
Wir hatten gerade einmal Samstag abend und ich starb jetzt schon bei dem Gedanken daran, ihn noch mehr als 24 Stunden nicht sehen zu können.
Wenn ich bereits jetzt, wo er noch gar nicht bei mir war, so heftig reagierte, wie sollte das dann erst wieder werden, wenn ich ihn wiedersah?
Und wieso zur Hölle war mir nie aufgefallen, dass ich so empfand? War ich irgendwie auf den Kopf gefallen?
Wie konnte ich nur nicht bemerkt haben, wie sehr ich ihn doch vermisste und wie sehr ich mich freute, ihn zu sehen?
Ich klatschte mir mit der flachen Hand an die Stirn und zog diese dann mit Druck über mein Gesicht.
"Eren, kommst du essen?", hörte ich Mikasas Stimme von außerhalb meines Zimmers, während sie leise klopfte.
"Jaja, bin sofort da", murrte ich, bekam dafür ein "Ok" zurück und setzte mich auf. Eigentlich wollte ich momentan nur in meinem Bett liegen und schmollen. Auf etwas anderes hatte ich schlicht und einfach keine Lust.
Aber ich wollte keineswegs, dass meine Familie unter meiner Laune oder meinen Gefühlen litt.
Also raufte ich mir kurz die Haare, versuchte die Gedanken über Levi beiseite zu schieben und lief schließlich aus meinem Zimmer hinaus die Treppe runter.
Wie immer saßen schon alle am gedeckten Tisch. Ohne ein Wort zu sagen, setzte ich mich dazu und begann, mit der Gabel in den Nudeln rumzustochern.
"Eren, du bist irgendwie so anders in den letzten Tagen. Geht's dir nicht gut?", erklang die besorgte Stimme meiner Mutter.
"Hatte nur 'n bisschen Kopfschmerzen. Von der Arbeit, weißt du", log ich und lächelte sie daraufhin an, "Aber jetzt geht's mir besser."
"Hmm", machte sie und betrachtete mich ungläubig.
Ihre mütterlichen Instinkte machten es mir nicht gerade leicht, ihr etwas vorzugaukeln, doch sie fragte zu meinem Glück nicht weiter nach.
Irgendwann begann dann Mikasa von ihrer Arbeit beim Tierarzt zu erzählen, was sich jedoch nicht gut auf meinen Magen auswirkte. Vor allem nicht beim Essen...
Ich liebte Tiere ja wirklich sehr, aber das, von dem sie da berichtete, war alles andere als süß. So schien es auch meinen Eltern zu gehen, denn sie lächelten sie nur schief an, während mein Vater ihr vorschlug, es uns nach dem Essen zu erzählen.
Mikasa zuckte nur mit den Schultern, nickte dann aber und aß weiter. Ihr schienen diese Geschichten überhaupt nichts auszumachen, wobei sie diese sogar miterlebt, also mit ihren eigenen Augen gesehen hatte.
Für sowas war ich einfach nicht gemacht...Ich war eher der Fan davon, Lebewesen von außen zu begutachten und nicht von innen.
Nach dem Essen half diesmal ich meiner Mum beim Abräumen und wie es auch kommen musste, fragte sie mich erneut, ob es mir gut ging.
Sollte ich es ihr vielleicht erzählen? War es nicht so, dass Mütter immer den besten Rat wussten?
"Also...ehm", fing ich an und platzierte die Teller nacheinader in der Spülmaschine, "W-wie war es, als du das erste Mal v-verliebt warst, Mum?"
Ihre Augen würden größer und sie bekam daraufhin dieses süffisante und allwissende Grinsen auf ihren Lippen, ließ jedoch kein Kommentar ab, sondern beantwortete mir meine Frage.
"Oh, das war wirklich aufregend. Und schön. Es war in meiner Schulzeit. Ich war da ungefähr in deinem Alter, Eren. Vielleicht ein bisschen jünger. Aber naja", sie erzählte und räumte währenddessen das Besteck in die Schublade, "Er war sechs Jahre älter als ich, aber sehr süß. Ich lernte ihn damals beim Basketball kennen, als unsere Klasse schon in der Turnhalle gespielt hatte und dann ein paar Sportler reinkamen, die die Halle nach uns gebucht hatten. Er ist mir direkt aufgefallen und ich wollte unbedingt seine Aufmerksamkeit, also sprach ich ihn an. Und verliebte mich auch direkt in ihn. Ich fragte ihn, ob er Tipps für mich hatte, wie ich besser im Basketball wurde. Und er bot mir dann an, jeden Samstag mit mir auf dem Basketballfeld im Park zu trainieren. Naja, das taten wir dann auch."
Sie kicherte und schien völlig in ihren Erinnerungen versunken zu sein.
Neugierig lehnte ich mich zu ihr, da sie mit dem Reden aufgehört hatte.
"Und wie ging's dann weiter?", drängte ich sie, fortzufahren.
"Ich gestand ihm irgendwann meine Liebe", gab sie zu, drehte sich dann aber weg, um ihre Schürze aufzuhängen.
"U-und dann?", ich lief ihr hinterher, "Was war dann? Hat er es erwidert?"
Meine Mutter stemmte die Hände in die Hüften und drehte sich schwungvoll um.
"Sag mal, Eren. Wieso willst du das denn auf einmal so genau wissen? Sonst hat dich sowas doch auch nicht interessiert", sie kniff mir in die Wange, "Oder verschweigst du mir etwas?"
Ich rieb mir über besagte Wange und schaute leicht beschämt zur Seite.
"Nein, ich...ich möchte es einfach nur so wissen...Und im Übrigen finde ich es sehr wohl interessant, wie meine Mum früher so drauf war!"
Das brachte sie zum lachen.
"Na schön...Also. Ich gestand ihm meine Liebe, er sagte mir aber, dass ich zu jung für ihn sei."
Mein Herz pochte einmal stark.
"A-aber es waren doch nur sechs Jahre! Das ist doch fast nichts!", entsetzt dachte ich an den Altersunterschied von mir und Levi, "Und...was hast du dann gemacht?"
"Na, was wohl", sie nahm meine Hand in ihre und lächelte herzlich, "Was habe ich dir denn schon immer beigebracht, mein Sohn? Was sollst du niemals tun?"
Mein Gehirn arbeitete und ich kramte in den hintersten Ecken.
Solange, bis es mir einfiel.
"Niemals aufgeben", flüsterte ich und starrte an ihr vorbei an die Wand.
"Genau. Und das habe ich auch nicht. Und jetzt rate mal, was dann geschehen ist."
Da ich wirklich keine Ahnung hatte und so schnell wie möglich die Auflösung hören wollte, zuckte ich nur mit den Schultern.
"Fünf Monate lang habe ich nicht aufgegeben und an meiner Liebe für ihn festgehalten, wobei mir der Altersunterschied gänzlich egal war.
Und nach diesen fünf unerträglich langen Monaten, in denen ich ihm immer wieder gesagt habe, dass es doch egal wäre, wie viele Jahre wir auseinander lagen und dass ich ihn trotzdem über alles liebte, gab er nach und gestand mir, dass er sich auch direkt in mich verliebt hatte."
Erstaunt öffnete ich meinen Mund.
"Wow...Das ist echt krass. Aber halt auch...voll schön...irgendwie", ich kratzte mich leicht beschämt am Hinterkopf, weil ich zuvor noch nie mit meiner Mum über das Thema Liebe gesprochen hatte, es sich aber zugegebenermaßen wirklich gut anfühlte, "Aber was ist dann aus dir und dem Typen geworden? Wie lange wart ihr zusammen? Wart ihr dann überhaupt zusammen? Und hast du ihn irgendwann mal wiedergesehen?"
Wieder lächelte sie und zeigte mit ihrem Finger Richtung Wohnzimmer.
"Ich sehe ihn sogar jeden Tag, Schatz."
Nun war ich völlig geplätet. Mums erste Liebe war Dad?
Obwohl er sie damals hatte abblitzen lassen, hat sie nie aufgegeben, immer weiter um ihre erste Liebe gekämft und hat heute sogar ein Kind mit ihm?
Wahnsinn...
Ich spürte, wie ihre Hand meine sanft drückte.
"Aber warum genau wolltest du das jetzt wissen, Eren?"
"Ist jetzt nicht so wichtig. Ich erzähl's dir wann anders, versprochen! Aber trotzdem danke, Mum. Hab dich lieb", damit gab ich ihr einen Kuss auf die Wange und sprintete hoch in mein Zimmer.
Hinter mir ließ ich die Tür ins Schloss fallen und lehnte mich an sie.
Diese Geschichte beeindruckte mich.
Es war absolut bewundernswert, zu sehen, was dabei herauskommen kann, wenn man nicht aufgibt. Wenn man sich von nichts aufhalten lässt.
Und diese Geschichte schenkte mir aus irgendeinem Grund Mut.
Obwohl mir im nächsten Moment wieder schlagartig bewusst wurde, dass dies nur eine von wahrscheinlich tausenden Liebesgeschichten war, wovon die anderen vermutlich nicht unbedingt ein Happy End hatten...
Was sollte ich jetzt tun?
Dachte ich gerade im Ernst darüber nach, Levi einfach meine Liebe zu gestehen?
Eigentlich könnte ich auch direkt bei Erwin kündigen, dann müsste ich mir die Abfuhr nicht antun...
Doch egal wie negativ und düster meine Gedanken zu diesem Thema auch waren, egal wie sicher ich mir war, Levi würde mich eiskalt abservieren, es blieb dennoch ein kleiner, ein klitzekleiner Funken Hoffnung irgendwo in meinem Herzen bestehen. Dieser Funken wollte nicht verschwinden. Er hielt sich an der Geschichte meiner Mutter fest und war davon überzeugt, dass auch meine eigene gut ausgehen würde.
Ich wusste nicht, ob dieser Funken in mir wirklich Recht behalten konnte. Aber bei einer Sache war ich mir zu 100% sicher. Und zwar, dass meine Liebe zu ihm echt war und dass es sich genau deshalb lohnen würde, zu kämpfen.
Wie meine Mutter mir beigebracht hatte: niemals aufgeben! Komme, was wolle!
So begann ich einen Plan zu schmieden. Einen Plan, den ich am Montag versuchen würde, in die Tat umzusetzen.
Doch davor bangte es mir schon jetzt.
*****
Den ganzen Sonntag über verbrachte ich in meinem Zimmer, schmiedete weiter an dem Plan.
Ich weiß, es war eigentlich dumm so etwas zu planen, da man letztendlich eh keinerlei Einfluss auf das nehmen konnte, was geschehen würde.
Dennoch beruhigte es mich.
Und nebenbei stellte ich mich schon mal auf jede Reaktion von ihm ein. Auf alles, was passieren könnte. Einfach alles.
Abends lag ich dann mit dem Gesicht zur Decke gerichtet im Bett und ging ein letztes Mal diesen Plan für morgen durch.
Mein Puls war schon den ganzen Tag auf 200 und er verlangsamte sich selbst jetzt nicht. Zu aufgeregt war ich wegen des morgigen Tages.
Ich wusste nicht, ob es die richtige oder die falsche Entscheidung sein würde, aber wer nichts riskierte, der konnte auch nichts verändern in dieser Welt! Das hatte Armin mal zu mir gesagt.
Ich fand diesen Spruch schon immer toll und er passte jetzt perfekt zu meiner Situation.
Du schaffst das, Eren! Kämpfe! Kämpfe! Kämpfe!
Dieses Wort wiederholte ich so lange in meinem Kopf, bis ich schließlich einschlief.
*****
Am nächsten Morgen galt mein erster Gedanke gleich Levi und dem, was ich heute vor hatte.
Und schon fing mein Herz an, stark gegen meine Brust zu hämmern.
Ich erledigte alles wie in Trance, völlig in meinen Gedanken versunken.
Meine Familie merkte dies natürlich, sprach mich aber nicht großartig darauf an.
Als ich dann aber gerade meine Schuhe anziehen wollte, kam meine Mum zu mir, steckte mir die Lunchbox in den Rucksack, nahm mich dann urplötzlich feste in den Arm und flüsterte mir "Viel Glück" ins Ohr.
Dann ging sie einfach und ließ mich absout verwirrt und blöd dreinschauend stehen.
Wusste sie irgendwas? Ich hatte mich nicht verplappert, also konnte sie gar nichts wissen! Oder doch?
Schließlich beschloss ich, nicht weiter darüber nachzudenken und stieg mit Mikasa in Dads Auto.
Die Fahrt zog sich heute extremst und meine Hände wurden von Minute zu Minute schwitziger. Ekelhaft.
Vielleicht war das doch eine blöde Idee und ich sollte es einfach sein lassen!
Oder?
Nein, Eren. Du ziehst das jetzt verdammt nochmal durch!
"Ja!", rief ich einfach so, was mir einen verwirrten Blick von meinem Dad bescherrte. Den ignorierte ich jedoch gekonnt und stieg aus dem Wagen.
Nun gab es kein zurück.
Mit zitternden Knien betrat ich die Praxis, atmete einmal aus und wieder ein und wollte gerade in Richtung des Aufenthaltsraumes, in dem mich Levi jeden Morgen empfing, als ich am Arm gepackt wurde.
Ich schaute zur Seite.
"Du bist Eren. Hi, ich bin Annie. Wir haben uns noch nicht kennengelernt. Aber was auch immer, da haben wir ja heute genug Zeit zu. Also komm", sagte die blonde Therapeuten neben mir, die ich schon des Öfteren im Vorbeigehen auf dem Gang gesehen hatte.
"Ehm, entschuldige bitte, Annie, aber wie du bestimmt weißt, bin ich Levi...ehm ...also Herrn Ackerman zugeteilt und-"
"Jaja, weiß ich, aber hast du dir die neuen Arbeitspläne noch nicht durchgelesen? Die wurden doch am Freitag schon gedruckt", unterbrach sie mich und rollte mit den Augen. Dann kramte sie einen Zettel aus ihrer Jackentasche und hielt mir diesen vor die Nase.
Und tatsächlich. Dort, wo die Namen der Therapeuten abgedruckt waren, stand "Annie (& Eren)".
Ungläubig starrte ich den Zettel an, weil ich nicht ganz glauben konnte, dass das richtig war.
"Kannst du nicht lesen?", fragte Annie genervt und ich wedelte daraufhin aufgebracht mit dem Zettel rum.
"Da muss ein Fehler unterlaufen sein! Ich arbeite immer mit ihm! Wirklich das kann nicht richtig-"
"Nein, dabei ist kein Fehler unterlaufen", wurde ich erneut unterbrochen und drehte mich in die Richtung, aus der die Stimme kam.
Dort saß Petra hinter der Anmeldung und sah mich nur freudig lächelnd an.

The guy I'm working with / Ereri (Ger)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt