11

398 25 2
                                        

Danke, für euer Feedback!☺ Und viel Spaß beim Lesen.

*****

Hanji bei ihrer Behandlung zuzusehen war mal wieder totlangweilig, da die ältere Frau aufgrund ihrer nicht allzu hohen Geschwindigkeut die ganze Zeit über nur die gleiche Übung machen konnte. Sonst wäre sie mit den Wiederholungen nicht fertig geworden. Ich stand also 30 Minuten neben Hanji - mehr oder weniger anwesend - und hörte ihren typischen Geschichten zu, die meine Aufmerksamkeit jedoch auch nicht wirklich auf sich ziehen konnten. Also schweiften meine Gedanken ab, bis sie letztendlich wieder bei Herrn Ackerman hängen blieben. Er ging mir nicht aus dem Kopf. Und schon gar nicht die Situation von eben...
Als ich daran dachte, erhöhte sich mein Puls wieder leicht und ich bemühte mich, nicht nervös zu werden. So wie ich Hanji nämlich mittlerweise einschätzte, würde sie, sobald sie spürte, dass etwas nicht in Ordnung war, nicht locker lassen, bis sie den Grund meiner Nervosität erfahren würde. Und das darauf folgende Gespräch konnte ich mir nun wirklich sparen...
Nach einer gefühlten Stunde war die Behandlung der Frau dann auch abgeschlossen und ich konnte mich endlich zu meinem geliebten Essen gesellen. Mit - typisch für mich - hungrigen Augen lief ich in Richtung des Aufenthaltsraumes, drückte die Türklinke runter und wünschte mir gleich nachdem ich die Tür geöffnet hatte, ich hätte es nicht getan.
Verdammt.
Jetzt wieder zu verschwinden, wäre wahrscheinlich ziemlich auffällig, wenn nicht sogar unhöflich. Was also bedeutete, ich musste mich dieser Situation nun stellen...Mir war zwar bewusst, dass ich diese Situation sowieso nicht hätte verhindern können, gegen ein bisschen Hinauszögern wäre jedoch nichts einzuwenden gewesen.
Ich schluckte und bewegte mich unter dem stechenden Blick zweier stahlgrauen Augen zu meinem Spind, welchen ich daraufhin langsam öffnete. Noch hatte er nichts gesagt und meine Hoffnung, dass dies auch so bleiben würde, wuchs.
Doch kurz darauf wurde auch diese zerschmerttert, als seine Worte zu mir durchdrangen: "Eren, wir müssen uns unterhalten."
Mir wurde schlagartig kalt.

Levi PoV.

Nachdem ich die Praxis wieder betreten hatte, machte ich mich auf die Suche nach Eren, welche jedoch leider erfolglos blieb. Wo könnte er sein?
Ich fing an, mir den Kopf darüber zu zerbrechen, als mir etwas klar wurde: Eren hatte jeden Tag genauso wie wir eine Pause in der Zeit von 12-14 Uhr. Und er nahm seine gestern um ungefähr 13 Uhr.
Wieso setzte ich mich nicht also in den Aufenthaltsraum und wartete dort auf ihn? Dies käme auch, mal ganz nebenbei gesehen, nicht so drängend und stalkermäßig rüber. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich noch ca. 15 Minuten Zeit hätte, bevor Eren für gewöhnlich seine Pause antrat.
Also ging ich zu dem Raum, in dem sich jeder von den Praxismitarbeitern am liebsten aufhielt und stieß zu einer kleinen Essensrunde mit Pixis, unserem ältesten Mitarbeiter und Annie, unserer Expertin für Ergotherapie.
Während die beiden aßen, kochte ich mir nur wieder einen Schwarztee und setzte mich dann zu ihnen, klinkte mich in ihr Gespräch ein. Nach nicht einmal zehn Minuten waren die beiden schließlich fertig und verließen mit einem "Bis später, Levi" den Raum.
Ich lehnte mich zurück und beobachtete die Tür, darauf wartend, dass Eren eintreten würde, was auch kurze Zeit später geschah.
Doch seinem Blick nach zu urteilen, wollte er sich direkt wieder umdrehen und wegrennen, was er zu meinem Glück und nach meiner Einschätzung von ihm aber nicht tat. Im Gegenteil. Er lief zu seinem Spind und öffnete diesen, jedoch konnte man seine Angespanntheit an seinen Armen und seinem Gesichtsausdruck gut ablesen.
"Eren, wir müssen reden", sprach ich an und konnte erkennen, wie er sogar leicht zusammen zuckte.
Nach einigen wenigen Schweigesekunden vernahm ich schließlich seine Stimme, die auf einmal ganz unsicher und gar nicht mehr aufgedreht klang: "Worüber denn?"
Natürlich wusste er ganz genau, worüber wir zu sprechen hatten. Und ich war mir auch im Klaren darüber, dass ihm das ganze hier wahnsinnig unangenehm sein musste.
Daran warst nur du Schuld, Levi! Warum musstest du dich auch an ihm vergreifen?!
Ich schüttelte schnell meinen Kopf, um diese Gedanken los zu werden. Denn ich war immerhin nicht hier, um mich selber fertig zu machen, sondern um mit Eren über das Geschehene zu reden.
Mein Ziel, was ich mir nach dem Gespräch mit Erwin fest vorgenommen hatte, war es, Eren so viel Freiraum wie möglich zu lassen, ihm dabei aber dennoch emotional näher zu kommen. Also besser gesagt, wollte ich mich mit ihm 'anfreunden'. Somit könnte ich dann auch sicher gehen, ob es sein Charakter oder sein Körper war, der mich die Kontrolle hat verlieren lassen.
"Ich glaube, du weißt es", beteuerte ich und stellte meine Teetasse auf dem Tisch vor mir ab, "Setz' dich bitte."
Ich wollte ihm dabei in die Augen schauen. Vielleicht hatte ich so ja auch eine Chance darauf, einen Einblick in seine Gefühlswelt zu erhaschen. Bei ihm war das nicht schwer. Erens funkelnd grüne Augen waren zu lesen wie Bücher, so viele Emotionen strahlten sie aus. Und für mich war es ein Leichtes zu erkennen, wie oder was er fühlte.
Zögernd drehte er sich zu mir um, den Blick zum Boden gerichtet. Dann setzte er sich in Bewegung und ließ sich wie in Zeitlupe auf dem Stuhl gegenüber von mir nieder. Weiterhin vermied er jeglichen Blickkontakt.
"Hör zu, Eren", setzte ich an und stütze meine Arme auf den Tisch, "Was da eben passiert ist...in der Rückenschule...das...tut mir leid. Ich war nicht ganz ich selbst, wenn du verstehst, was ich damit meine. So ganz genau kann ich es dir nicht erklären, ich kann mich nur noch öfter dafür entschuldigen. Es war wirklich nicht meine Absicht, dich in irgendeiner Weise falsch zu...berühren. Bitte glaub' mir, Eren. Außerdem kann ich dir versprechen, dass das nie wieder vorkommen wird! Lass uns das doch einfach vergessen und sozusagen...nun ja...von vorne anfangen. Du wolltest doch selber auch, dass wir uns besser verstehen, so wie Hanji mir das erzählt hat. Oder etwa nicht?" Mit diesem Fakt, welchen Hanji mir gestern nach der Arbeit unbedingt berichten musste und einem kleinen verschmitzten Grinsen versuchte ich Erens Schweigen zu brechen. Doch nichts.
Ein wenig verzweifelt bemühte ich mich, irgendeine Reaktion von ihm erkennen zu können, jedoch wurde mir dies durch sein nach unten gerichtetes Gesicht erheblich erschwert.
Einige Sekunden vergingen, in denen keiner von uns auch nur ein Sterbenswörtchen über seine Lippen kommen ließ.
Er wollte nichts mehr mit mir zu tun haben. So viel stand fest. Ich hatte es versaut. Nun konnte ich mir eine Freundschaft mit ihm wohl abschminken...
Nein, verdammt! Hör auf so egoistisch zu denken, Levi! Es drehte sich nicht immer nur alles um dich!
Du hast dem Jungen, der sich scheinbar wirklich für diesen Job interessierte, die Chance genommen, hier etwas zu lernen, um sich schon mal einen Plan für die Zukunft machen zu können! Als ob er jetzt noch hier bleiben würde! Er wollte einfach nur hier herein schnuppern und wurde gleich am zweiten Tag von einem doppelt so alten Mann, der keinerlei Kontrolle über seine sexuellen Gelüste besaß, begrapscht!
Aus dieser Sicht hatte ich die Situation tatsächlich noch gar nicht betrachtet...
Es tat mir so wahnsinnig leid...Vermutlich würde er mich nun auch noch anzeigen und ich wäre meinen Job und auch mein Leben in Freiheit los...
Aufgrund dieser Gedanken biss ich mir auf die Lippe, sodass es schon weh tat. Dann stand ich auf, nahm mir meine Teetasse und ging zur Tür.
Ich zog sie hinter mir zu, doch konnte noch eine Millisekunde, bevor sie sich entgültig schloss, ein paar leise Worte vernehmen: "Warten Sie, Herr Ackerman."

The guy I'm working with / Ereri (Ger)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt