Kapitel 6

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„Emily, wach auf!" N rüttelte sachte an mir und versuchte vergebens mich zu wecken. „Wie um alles in der Welt schaffst du es schon so früh aufzustehen?", fragte ich den Grünhaarigen gequält, nachdem ich von meinem Visocaster die Uhrzeit erfuhr und einmal gähnte. „Indem man sich den Sonnenaufgang ansieht und währenddessen Frühstück macht.", antwortete er. „Du hast Frühstück gemacht?" Ich stand auf, stellte mich auf meine Zehenspitzen und blickte über N hinweg. Doch ich fand nichts zu essen. „Vor lauter Hunger hast du das Frühstück alleine gegessen.", stellte ich fest. „Hier wirst du noch eine Weile brauchen, bis du etwas findest, aber..." N sah in die Baumkrone. „Das ist jetzt nicht dein ernst..." Ich blickte ungläubig zwischen dem Baum und N hin und her. N zog mich zum Stamm, grinste keck und sah mich herausfordernd an. „Ich hoffe du kannst klettern." „Aber hallo!" Diesen Gefallen tat ich ihm jetzt nicht und ich versuchte mich einmal nicht zu blamieren. Geschickt hängte ich mich an den ersten Ast, zog mich dort hoch und stellte mich auf den Ast. Von dort führten Äste wie eine Wendeltreppe den Baum hoch. Ich hüpfte von Ast zu Ast, bis ich einen wirklich sehr breiten Ast, der eher einem Stamm ähnelte, erreichte und dort eine weiß-rot-karierte Decke, bestückt mit Köstlichkeiten, auffand. „Setz dich doch.", bot mir N einen Platz an, als er bemerkte, dass ich fast ein Teil des Baumes wurde. „Die Aussicht ist fantastisch! Wie hast du diesen Platz gefunden?" „War nicht sonderlich schwer." N reichte mir einen Teller, auf dem zwei Brötchen lagen und setzte sich ebenfalls. „Außerdem liebe ich es zu klettern. Ein bisschen Kind bin ich doch noch geblieben." „Ist auch gut so." „Was?" „Das du Kind geblieben bist. Meine Freunde Bell und Cheren sind oft schon zu erwachsen, laufen mit ernsten Mimiken durch die Gegend und legen den Spaß in den Hintergrund. Das ist wirklich schade, früher hatten wir immer viel Spaß miteinander." Irgendwie wurde ich traurig. Als wir noch Kinder und keine pubertierenden Teenager waren, war eindeutig alles besser. N schluckte den Rest seines Brötchen hinunter und sah mich dann etwas bedrückt an. „Ich wollte jetzt kein Thema anfgreifen, dass dich traurig stimmt..." „Ist schon gut. Ich werde Bell und Cheren noch ihr inneres Kind entlocken. Nebenbei habe ich ja noch einen anderen Chaoten, mit dem ich Spaß haben kann.", antwortete ich. Ein breites Lächeln entwickelte sich in Ns Gesicht. Na bitte, jetzt hatte ich ihn fein säuberlich den Hintern gerettet!

Pikachu und Ottaro, die ebenfalls am Baum saßen, balancierten auf das Astende zu und platzierten sich dort nebeneinander. „Hast du auch Pokemon?" „Ja, ich habe welche, trage aber nur einen Freund mit mir mit." Nach einem Moment, sprach N grinsend weiter. „Jetzt willst du ihn kennenlernen, stimmt's?" „Bingo." „Na dann, klettern wir aber zuerst vom Baum." Ich sprang also die lange Asttreppe wieder hinab und landete sanft im Gras, als ich schon N am Boden sah. Zuerst lächelte ich ihm zu, doch dann runzelte ich meine Stirn und biss mir auf meine Lippen. „Warte! Ich bin doch vor dir geklettert... sag mal, bist du vom Baum gesprungen!?", fragte ich entsetzt. „Waren bloß drei, vier Meter.", meinte er gelassen. „Pf ja, ist ja nicht tragisch.", meinte ich sarkastisch und brachte N somit zum Lachen. „Junge, mach nicht solche Sachen, wenn ich neben dir stehe.", grinste ich und verschränkte meine Arme.

N zog einen ziemlich alten Pokeball aus seiner Tasche und warf ihn in die Luft. „Los, komm raus mein guter, alter Freund!" Ein grau-rotes Pokemon materialisierte sich und gab ein freudiges „Zor" von sich, als ihn N streichelte. Ich sah derweil im Pokedex nach, um welches Pokemon es sich handelte. „Aha, du bist also Zoroark, der treue Begleiter von N." Ich steckte meinen Pokedex wieder zurück in die Tasche und lächelte Zoroark zu, der mich etwas Verdattert ansah. Vorsichtig streckte ich meine Hand nach ihm aus und streichelte ihm am Kopf. „Schön dich kennenzulernen, Zoroark.", meinte ich lächelnd. Er brummte ein „Zor-or", als ich ihm das Ohr kraulte. N und ich lachten. „Na gut, ich werde mich dann wieder auf die Fersen machen." „Gut. Ich hoffe wir sehen uns bald wieder." N drehte sich um und marschierte mit Zoroark an seiner Seite los. „N, warte!", rief ich ihm hinterher. Er blieb stehen und wirbelte herum. „Danke für alles!" „Keine Ursache.", antwortete er, winkte und spazierte dann weiter. Pikachu hopste in meine Arme und winkte N ebenfalls hinterher. Als er im Wald verschwunden war, ließ er seine Hand sinken. „Wir sollten auch weiter. Bis nach Orion City, ist es nicht mehr weit.", sagte ich freudig, als ich mir den Rucksack auf die Schulter warf.

Nach einigen Stunden Fußmarsch, raschelte etwas rechts neben mir in einem Busch. Ich entdeckte einen lila Schwanz der sich hinter den Busch bewegte. Ruckartig bewegte er sich nicht mehr, als ich mich zu den Busch umdrehte. „Pikachu? Ich glaube, uns verfolgt jemand.", meinte ich leicht verdutzt. „Komm raus, wir tun dir nichts.", versuchte ich den geheimnisvollen Verfolger zu locken. Oberhalb des Strauches zuckten nun zwei lila Ohren. Darauf lugten zwei Augen hinter dem Busch hervor. „Pika.", versuchte er es. Das kleine Pokemon sprang hinter dem Busch hervor. „Felilou", miaute er. „Guten Tag, Felilou.", begrüßte ich das Pokemon, das einige Meter weiter weg saß und jeden meiner Bewegungen aufmerksam beobachtete. Ich zückte meinen Pokedex und bekam einige interessante Informationen über Felilou. Pikachu hüpfte von meiner Schulter und hopste zu Felilou hinüber.

Die beiden verstanden sich auf Anhieb gut miteinander und führten eine Art Smalltalk über Pokemondinge, von denen ich mein Leben noch nie etwas gehört hatte. Mein kleiner, gelber Freund hüpfte anschließend wieder zu mir zurück und Felilou kam ebenfalls zwei Meter vor mir zum Stehen. Langsam streckte ich meine Hand aus und hockte mich währenddessen hin. Felilou schnupperte an meiner Hand, bevor ich ihm das Ohr kraulen konnte. „Lou.", schnurrte er. „Du bist süß.", lachte ich leise und schenkte Felilou ein Lächeln. „Felilou?" „Pikachu, Ottaro und ich sind auf Reise. Wir mischen etwas Einall und dessen Arenaleiter auf. Außerdem wollten wir etwas von der Welt sehen, oder Pikachu?" „Ka-Pika." Aufgeregt sprang Felilou um mich herum. „Feli-Feli-lou.", rief er. „Ja, die Welt ist sehr schön. Man erlebt so viele tolle Dinge und lernt neue Freunde kennen." „Lou?", fragte das kleine, katzenähnliche Pokemon. „Na klar darfst du! Das wird der Hammer, ich verspreche es dir!", versprach ich ihm. Ich stand auf und Felilou stellte sich mir gegenüber auf. „Pikachu, du bist dran!" Pikachu stellte sich vor mich hin und aus seinen roten Backen sprühten Funken. „Los Pikachu, Ruckzuckhieb." Er schoss mit einer irren Geschwindigkeit los, doch Felilou sprang genauso schnell in die Luft. Verdutzt blieb Pikachu stehen. „Vorsicht! Felilou kommt von oben! Weich schnell aus!" Pikachu kratzte gerade noch so die Kurve und konnte der Kratzfurie von Felilou auszuweichen. „Jetzt Donnerblitz!", rief ich. Die Attacke saß und Felilou ging zu Boden. „Pokeball, fang!" Ich warf den Pokeball auf Felilou, der von dem roten Licht eingesaugt wurde. Nach einem „Klick", blieb der Ball ruhig an der Stelle liegen. Ich jubelte: „Klasse, wir haben es geschafft!" Ich hob den Pokeball vom staubigen Boden auf und befreite Felilou. Nachdem Felilou Ottaro kennengelernt hatte, gingen wir zu viert nach Orion City weiter.

Pokemon- Freunde fürs LebenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt