Zum Glück befand sich in dem Laden momentan keiner außer uns. „Wir haben sie los“, sagte ich locker und richtete mich auf. „Sag mal spinnst du?! Wegen dir bin ich einen halben Marathon gelaufen!“, sagte er ziemlich laut. „Wer so geistesgestörte Fans hat, muss damit leben. Hier zieh das an“, sagte ich und zog ihm meine Kappe über den Kopf und hielt ihm dann noch meine Sweatjacke hin.
„So wirst du nicht erkannt. Nun mach schon!“, drängte ich ihn. Ich er zog seinen beigen Mantel aus den ich nun anzog und er meine Jacke. Sie war mir zwar viel zu groß aber bei seinen breiten Schultern war sie doch eine Nummer zu klein und sie spannte sich eng an seine Muskeln. Sein Mantel war mir etwas zu lang und hing nur etwa zehn Zentimeter über dem Boden, aber er roch nach ihm.
Wir liefen so unauffällig wie möglich auf dem Laden und schlenderten wie zwei normale Leute auf Einkaufstour durch die Straßen. Von der Menge war zum glück nichts mehr zu sehen, aber trotzdem zog Ray sich meine Kappe tief ins Gesicht und hielt seinen Kopf unten. So sah er ein bisschen wie ein Gangster aus. Ich konnte mir ein grinsen nicht verkneifen.
Ich kramte mein Handy aus der Tasche und rief Ray's Fahrer an. Zum Glück hatte ich alle wichtigen Kontakte bekommen, sonst hätten wir wahrscheinlich zurück laufen können, oder in einem Taxi fahren müssen. Als sein Fahrer endlich da war fuhr er uns zurück ins Büro.
Zum Glück hatte er für heute keine Außentermine mehr, sodass ich ihn mir vorknöpfen konnte.
„Ray, komm her. Wir müssen jetzt über diese Geschenke reden“, sagte ich und sah ihn ernst an. „Das können wir auch noch verschieben. Ich bin beschäftigt“, sagte er nur stumpf. Ich seufzte genervt und verdrehte die Augen. Dann lief ich zu ihm und zog ihn am Arm zum Sofa. „Du bist echt der schlimmste Bodyguard den ich je hatte“, meinte er beleidigt und sah mich an wie ein Kind das keinen Lolli bekommen hatte.
„Wie lange bekommst du schon diese Geschenke?“, fing ich an. „Das läuft schon seit ein paar Wochen so. Zur Sicherheit hab ich immer alle Geschenke aufgehoben, aber ich denke sie sind harmlos. Mehr als Drohungen hab ich nie bekommen.“ Drohungen also. Wer weiß was noch dahinter steckt. Aber immerhin hat er nicht diese fragwürdigen Geschenke weggeworfen. „Wenn du fertig bist, dann komme ich mit zu dir und schau mir das mal genauer an“, mit diesen Worten ließ ich ihn weiterarbeiten bis es 20 Uhr war und dann fuhr sein Fahrer uns zu ihm. Er hatte eine riesige moderne Villa. Und da wohnt er alleine? Irgendwie schwer zu glauben...
Wir betraten sein Anwesen und ich zog meine Schuhe aus und warf meine Jacke auf den kleinen Sessel am Eingang. „Nur zu, fühl dich ruhig wie Zuhause!“, sagte er ironisch. Ich lächelte nur und sagte „Danke“. Ich lief ihm hinterher und folgte ihn in sein monströses Wohnzimmer. Ein glatter und blitzblanker Mamorboden blendete mich und der Wohnbereich bestand aus weiß, Gold und Grautönen.
„Wohnst du hier wirklich alleine?“, fragte ich ihn geschockt. „Ja, ich brauch meinen Platz. Komm mit ich zeig dir diese Geschenke, damit du endlich Ruhe gibst“, sagte er gelangweilt. Ich folgte ihm eine große Wendeltreppe aus Glasstufen hoch und einen langen Gang entlang. Am Ende des Gangs stieß er eine Türe auf und knipste das Licht an. Meine Augen weiteten sich ungläubig.
Der komplette Raum war bis oben hin vollgestopft mit Fanpost. Er bahnte sich den Weg durch das Chaos und deutete auf eine Ecke mit nicht so freundlich aussehenden Geschenken. Ich ging an ihm vorbei und nahm alle Geschenke. Da es aber mindestens zehn waren drückte ich Ray auch einige in die Hand und wir gingen wieder runter in das Wohnzimmer.
Ich verteilte alle Geschenke auf dem goldenen Glastisch und machte das erste auf. So ging es die nächsten zwei Stunden weiter. Ich inspizierte jedes einzelne Paket und achtete auf jedes kleinste Detail. Tatsächlich waren es oft nur zerfetzte Teddybären mit Kunstblut, oder Messer und Drohbriefe. Oft stand nur das selbe drin. Es kam also immer nur von einer Person. Nirgends standen Absender drauf. Irgendjemand schien hier etwas gewaltig an Ray zu stören.
Aber wer? Es könnte jeder sein. Ich sollte wohl vorerst noch vorsichtiger sein und aufpassen mit wem er sich abgibt. Vielleicht wird diese Sache ja doch nicht so langweilig wie ich dachte. Ich verstehe diesen Typen aber gut. Ich würde Ray auch manchmal am liebsten ein Messer in den Bauch rammen. Mein Blick glitt zu Ray der friedlich mit der Fernbedienung in der Hand sich durch die Kanäle klickte.
Ich gähnte und streckte mich über die Sofalehne. Als ich auf mein Handydisplay schaute, stellte ich fest das es schon fast 23 Uhr war. Eigentlich war ich um diese Uhrzeit noch lange nicht müde, aber dieser Tag hatte mich irgendwie genug gestresst.
„Du solltest nach Hause gehen. Du hast schon genug Chaos angerichtet“, sagte er ohne mich anzusehen. „Ich werd heute hier bleiben. Ich bin zu müde um nach Hause zu gehen und außerdem hast du bestimmt tausend Zimmer in diesem riesigen Haus.“ Er sah mich geschockt an. „Das ist jetzt nicht dein ernst, oder? Warum sollte ich dich bei mir schlafen lassen? Das ist mein Haus!“, sagte er empört. So ein Arsch.
„Ist mir sowas von egal. Ich bin müde und außerdem hatte ich eh vor hier einzuziehen. Alleine bist du hier auch nicht sicher und diese Pakete kommen alle vom gleichen. Eventuell wirst du sogar beobachtet. Also sag mir jetzt einfach wo ich schlafen kann“, verlangte ich und stand auf. Er sah mich etwas perplex an und begleitete mich dann aber zu einem Zimmer. Seins lag wenige Zimmer neben meinem. Falls was wäre, könnte ich also schnell eingreifen.
Müde fiel ich in das riesige Bett und schlief schnell ein.
DU LIEST GERADE
My little Bodyguard
AcciónRuby Sanchez ist ein stures 19 jähriges Mädchen, dass sich nichts sagen lässt. Ihr Vater ist der Boss der Mafia in der Stadt und versucht seine Tochter zur Vernunft zu bringen. Aber Ruby lässt sich das nicht gefallen und will ihr eigenes Leben leben...
