Erinnerungen an Schnee und Eis
Oh du unsterbliches Land, wie bist du herrlich. Selbst in meinen phantasievollsten Träumen habe ich mir nicht ersinnen können, wie hoch die Gipfel der Berge hinauf ragen in den unablässig wolkenlos blauen Himmel, der über dir erstrahlt. Wie weit die Ebenen und wie dicht die Wälder sind, die deine Landschaft prägen. Bis auf ihren sandigen Grund lassen mich die Seen durch klares Wasser wie Glas blicken. Quellen und Flüsse sprudeln überall. Ulmos melodischer Gesang immerwährend in ihrem Plätschern verewigt. Der Farbenfrohsinn der Blumen auf den grasgrünen Wiesen und die Zartheit der Blüten an den sprießenden Bäumen fasziniert mich jeden erneuten Tag, an dem es mir vergönnt ist, in ihrem Schatten zu wandeln. Das Land des ewigen Frühlings nennt man dich nicht ohne Grund, denn der Herrin Yavanna ist diese von ihr beherrschte Jahreszeit am liebsten.
Warm trotz der frühen Stunde scheint die Sonne auf mich hinab, prickelt angenehm auf der Haut und dringt tief hinein bis zum friedlich schlagenden Herzen. Behindert nur von den sich in dem seichten Windhauch wiegenden Blätterdach der alten Eiche, dessen Geborgenheit ich gelehnt an ihren dicken Stamm suchte. Aufgewachsen bin ich unter dem Schutz von Bäumen und auch, wenn ich viel in meinem langen Leben bislang sah und erlebte, immerzu zog es mich zurück, fühle ich mich am wohlsten, in ihrem Schatten.
Die Vögel über mir singen melodische Lieder, um den neuen Tag zu begrüßen. Das Rauschen der Baumwipfel als Untermalung. Idyllisch ist es hier und beinahe drohe ich begleitet von all der Friedlichkeit in einen hier zwar nicht notwendigen, aber dennoch angenehmen, da immer traumreichen Schlaf zu gleiten. Indes ein Grollen wie von einem in weiter Ferne heraufziehenden Gewitter höre ich plötzlich näherkommen und in der Beschaulichkeit springen kleine Risse auf.
Schwerfällig öffne ich ein Auge und blinzle gegen das Licht-Schatten-Spiel, um etwas zu erkennen. Als ein Grummeln stellt sich die Störung heraus. Ein überaus schlechtgelauntes Grummeln, das in dieser tief-brummenden Stimmlage und begleitet von solch ungehobelten Schimpfwörtern nur von einem Zwerg oder ihrem Schöpfer höchstpersönlich stammen kann. Jedoch, das des Meisters allen Handwerks ist durchaus schrecklicher. Einmal nur in den letzten zehn Jahren, in denen ich nun schon hier verweile, erlebte ich einen seiner Zornesausbrüche, die mit Blitz und Donner, unter ihnen erzitternden Berghängen seiner Festung und einem Zerstörung anrichtenden Sturm einhergingen. Wie ich danach gerüchteweise hörte, haben ihm die tolldreisten Neffen Thorins wohl einen Streich gespielt. Irgendetwas mit minderwertigem Eisen, dass sie unter das schmuggelten, was er für ein neues Schwert vorsah. Natürlich riss der Rohling bereits beim ersten Schlag seines gewaltigen Hammers und er schleuderte ihn im Zorn so weit und hoch, dass er in der Kuppel des Wachturms Ilmarins stecken blieb. Sternschnuppen verfangen sich nun manchmal an ihm, die Ilmarë, die Magd Vardas, mit viel Mühe entfernen muss.
Nein, dieses Grollen kommt unzweifelhaft von einem seiner Kinder. Und da es in ganz Aman nur einen Zwerg gibt, dem es gestattet wurde ebenfalls wie wir Elben unter den Bäumen und auf den Wiesen zu wandeln, erwarte ich trotzend der ungemütlichen Laune mit Vorfreude meinen Herzensbruder.
Nicht lange dauert es, da lässt Gimli sich in das weiche Gras neben mir plumpsen. Selbst hier, in einem Land, indem es recht unwahrscheinlich ist, dass ein Ork oder anderes Gesindel hinter Bäumen hervorgesprungen kommt, ist er immerzu geharnischt und bewaffnet. Aber ich mutmaße, gewissermaßen nackt fühlen sich Zwerge ohne jegliches Metall an ihrem Körper. Das Abendrot seines Bartes und der damit verflochtenen Haare verblich im Laufe der vielen gemeinsamen Jahre. Jedoch das Altern ließ nach, als er den ersten Fuß auf Amans Boden setze, genauso wie all die anderen Leiden der Sterblichkeit, denen er verfiel. Das größte und wohl schmerzhafteste davon allerdings erst in dem Moment, als er die Herrin Galadriel wiedererblickte.
„Was hast du an einem so wundervollen Tag so schlechte Laune, nîn mellon?", frage ich ihn neugierig, als er weiterhin in Khuzdul vor sich hinbrummt. Kurz nur hört er damit auf, schnaubt missmutig und fuchtel mit den Armen über die vor uns liegende Lichtung.
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Mittelerde Adventskalender 2020
FanfictionDer Winter hat Mittelerde fest im Griff und beschert seinen Bewohnern schöne, lustige oder auch nachdenkliche Momente. Ein Gemeinschaftsprojekt von den Autoren: RonjaAlsters, de_Neige, LaraniEleyja, ShirinsStorys, Elbenkriegerin241, Lenya2018, Cynth...
