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»Beeindruckende Aussicht, nicht wahr?«

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»Beeindruckende Aussicht, nicht wahr?«

Die tiefe Stimme von Grigorij riss Lily aus ihrer stummen Betrachtung. Während die Gesellschaft auf Dessert wartete, hatten sich alle vom Tisch erhoben. Es hatte sie wie magisch zurück zur Fensterfront gezogen. Sie fühlte sich auf seltsame Weise gleichzeitig alleine und mitten drin, wenn sie auf die Flut aus Lichtern und Schatten der Stadt unter ihr schaute. Es war ein tröstliches Gefühl.

Mit ihrem professionellen Club-Lächeln drehte sie sich zu dem Mann um. Er war klein, auch wenn er sie immer noch um einen halben Kopf überragte. Sie konnte sehen, dass er Anzugschuhe mit etwas mehr Absatz als gewöhnlich trug. Ein eitler Mann, der seine geringe Größe als Defizit ansah. »Ich liebe Hamburg bei Nacht.«

Er nickte stumm und nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarre. »Die Nächte sind immer schön in unserer Perle.«

Schweigend standen sie nebeneinander, doch jegliches positive Gefühl, dass ihr die Skyline zuvor gebracht hatte, war verschwunden. Der stämmige Mann stand zu nah an ihr dran und statt wie sie aus dem Fenster zu schauen, lag sein Blick starr auf ihr. Sie schluckte.

»Du wirkst nicht wie der Typ Frau, den unser Alex mitbringen würde.«

Nervös befeuchtete Elisabeth ihre Lippen. »Was soll das heißen?«

Er zog erneut an seiner Zigarre und puffte ihr den Rauch ins Gesicht, ohne mit der Wimper zu zucken. »Du bist zu poliert.«

»Poliert?« Unwillkürlich entfuhr ihr ein Lachen. »Was auch immer das heißen soll.«

»Die einzigen Frauen, mit denen Alex sich abgibt, sind die Schlampen in seinem Club.« Grigorijs Stimme klang hart. »Und du wirkst nicht so, als ob du für Geld die Beine breit machst.«

Ein Zittern erfasste ihren Körper, doch Lily weigerte sich, vor diesem schmierigen Kerl Schwäche zu zeigen. Wenn Alex in illegale Geschäfte verwickelt war, dann war es dieser Mann definitiv auch. Sie würde weder sich noch Alex die Blöße geben, ihr Bildungsbürgertum durchscheinen zu lassen. »Das klingt beinahe so, als ob du implizieren willst, dass Alex mich für meine Gesellschaft bezahlt. Oder habe ich mich verhört?«

»Hah!« Grigorij grinste plötzlich breit. »Ich sehe, du bildest dir viel darauf ein, mit ihm hier zu sein. Aber sag mir, Schätzchen.« Er trat noch näher an sie heran. »Weißt du überhaupt, wer er ist?«

Sie konnte den Wodka und den Zigarrenrauch im Atem des Mannes riechen. Seine braunen Augen starrten sie nieder, als wollte er sie an Ort und Stelle sezieren. Erneut leckte sie sich über die Lippen. »Er ist niemand, auf dessen schlechter Seite man enden will. Ich bin klug genug, das zu wissen. Und ich habe das Gefühl, damit bin ich klüger als du.«

Sein Grinsen wurde noch breiter. »Mmmh, du gefällst mir, Mädchen. Loyal. Das ist eine Eigenschaft, die ich sehr schätze. Bist du dir sicher, dass du mit ihm auf das richtige Pferd setzt?«

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