"Trotzdem müssen wir irgendetwas tun. Hier einfach nur zu sitzen und Däumchen zu drehen ist wirklich kein gutes Gefühl", unterbrach Hanji die Stille, die eingetreten war, nachdem Levi abgedampft war.
Erwin stand an der Fensterbank gelehnt und knetete nervös seinen Oberarm. Eine alte Gewohnheit, die schon lange nicht mehr aufgetreten war. Gedankenverloren nickte er und dachte nach. Er dachte über ihre Situation nach, aber noch viel mehr über Levi. Er verhielt sich seltsam. Sein Mann bewahrte doch sonst immer einen ruhigen Kopf und schien zur Zeit auch viel gereizter als üblich. Nachdenklich kratzte Erwin sich sein Kinn, welches schon leichte Stoppeln vermuten ließ.
"Erwin? Hey", Rico stieß den blonden Mann an und er schreckte auf:"Wie bitte?"
"Geh zu ihm", murmelte Rico und versuchte zu lächeln:"Rede mit ihm."
"Ja, das werde ich", sagte Erwin und nickte in die kleine Runde ehe er rausging und die Treppen runter. Allein schon die Tatsache, dass Levi sich nicht nur ein anderes Zimmer, sondern auch eine andere Etage ausgesucht hatte, um dort zu schlafen, hatte Erwin völlig aufgewühlt. Es brauchte eine Weile, bis er das richtige Zimmer fand. Levi hatte es ihm zwar gezeigt, aber hier unten sah alles gleich aus und Erwin hatte ihm auch bisher die Ruhe gegeben, die Levi zu brauchen schien. Als er endlich das richtige Zimmer fand, atmete er auf und war insgeheim erleichtert, dass er Levi vorfand. Es hätte auch sein können, dass sein Mann einfach ohne Absprache losgegangen wäre.
"Geh", knurrte Levi als er den Kopf ins Zimmer schob.
Langsam kam Erwin rein und schloss die Tür wieder hinter sich. Er setzte sich auf das leere Bett und sah zu Levi, der an der Fensterbank saß:"Schatz, bitte rede mit mir. Was ist los?"
"Ich habe gesagt, dass du gehen sollst, alter Mann. Wirst du taub?", fragte Levi, doch irgendwie fehlte der sonst so liebevolle Unterton. Erwin atmete tief durch:"Nein, ich möchte jetzt wissen, was mit dir los ist. Du kannst es mir sagen, wenn du Angst hast, Levi. Das haben wir alle, glaub mir. Diese ... Situation ist alles andere als-"
"Angst?", fragte der kleinere schnaubend:"Scheiße, ich hab keine Angst. Dieser ganze Scheiß geht mir einfach nur höllisch auf die Eier. Mehr nicht."
Erwin schwieg und richtete seinen Blick auf den Boden:"Ich möchte nur helfen. Ich bin für dich da, das weißt du, oder?"
"Ich weiß. Verdammt, natürlich weiß ich das", murrte Levi und schnaubte abfällig. In der spiegelnden Fensterscheibe beobachtete er, wie Erwin aufstand und zu ihm kam. Er spürte die großen, warmen Händen auf seinen Schultern und den Kuss, den Erwin ihm in den Nacken hauchte:"Ich liebe dich. Wenn etwas ist, dann kannst du mir das jederzeit sagen."
"Ich liebe dich auch", erwiderte Levi nur stumpf.
Als Erwin das Zimmer verlassen hatte, rollte eine einzelne Träne über Levis Wange, die er sich energisch wegwischte.
Im leeren Gang blieb Erwin einige Augenblicke lang stehen. Irgendetwas war mit Levi los. Das wusste er. Aber er wusste auch, dass dieser ihm nichts sagen würde, solange das nicht von ihm ausging. Schweren Herzens akzeptierte Erwin das für's Erste und ging wieder nach oben zu den anderen. Im Schwesternzimmer fand er niemanden, weshalb er in das Patientenzimmer ging, in dem Jean lag. Hier fand er immerhin die Jungs und Laura. Stirnrunzelnd kam er rein:"Wo sind denn Hanji und Rico?"
"Die beiden haben sich entschieden, in den Keller zu gehen und dort nach alten Radios und dergleichen zu suchen. Rico meinte, sie könne damit vielleicht eine Verbindung zum Militär oder zumindest zur Außenwelt aufbauen", antwortete Laura. Erwin nickte. Das könnte durchaus funktionieren. Hoffentlich gab es überhaupt noch so etwas wie ein Militär ... Er konnte es sich nicht recht vorstellen. Bevor er jedoch weiter in diesen Gedanken versank, sah er Jean an:"Wie geht es dir?"
"Besser. Danke", sagte der Junge und lächelte unsicher:"Lauras Behandlung ist echt eine große Hilfe."
"Das ist gut", sagte Erwin, musste aber feststellen, dass der jüngere immer noch blass wie eine Leiche war. Aber Laura hatte ihm ebenfalls versichert, dass es jetzt bergauf ging und ihr wollte Erwin glauben. Sein Blick ging zu Eren und Armin. Die beiden sahen ebenfalls blass und müde aus:"Wie geht es euch?"
"Den Umständen entsprechend", murmelte der Blonde. Eren schnaubte etwas:"Ich hätte jetzt nichts gegen 'ne heiße Dusche und gute Pizza."
"Ja, das hätte ich jetzt auch gerne", sagte Erwin leicht schmunzelnd:"Ich bin echt stolz auf euch. Ihr macht das Ganze hier wirklich verdammt gut mit."
"Danke, Sir", sagte Eren und grinste sogar stolz. Armin lächelte ermutigt:"Das haben wir unseren Lehrern zu verdanken. Und Ihnen natürlich."
"Ihr braucht wirklich nicht so förmlich zu sein", meinte Erwin sanft und zwinkerte ihnen zu. Armin nickte:"Ja, in Ordnung. Danke."
Sie blieben einfach gemeinsam im Zimmer, denn Jeans Wunde war gut abgedeckt und somit sicherer vor Bakterien und Schmutz. Eine Stunde später kam Hanji dann ins rein geplatzt:"Leute! Kommt! Wir sind kurz davor, eine Verbindung zu kriegen!"
Verwundert hob Erwin die Augenbrauen:"Ihr habt ein Radio gefunden?!"
"Komm", sagte Hanji bloß voller Begeisterung und war schon wieder weg. Er schüttelte lächelnd den Kopf über sie und ging mit Armin und Eren zurück ins Schwesternzimmer. Laura blieb derweil bei Jean, damit er nicht vollkommen alleine zurückblieb.
"Hier", Hanji war vollkommen aus dem Häuschen:"Wir haben eine Art Feld aufbauen können, mit dem wir eine Störung der Funkwellen in einem bestimmten Umfang stören und damit auf uns aufmerksam machen können!"
"Das Militär ist darauf geschult, auf solche Unregelmäßigkeiten zu reagieren", ergänzte Rico nüchtern und sah von dem alten Radio auf. Erwin erkannte Zweifel in ihrem Gesicht und zog eine Augenbraue hoch:"Aber?"
"Aber das Feld, wie Hanji es nennt, bedient nur einen Umkreis von vielleicht zwei Kilometern. Das heißt, wir müssten schon echt Glück haben, dass jemand so nah hier vorbeikommt", antwortete sie.
"Scheiße. Und wie wahrscheinlich ist das?", fragte Eren verzweifelt und Ricos Blick sagte mehr als tausend Worte. Er stöhnte:"Wir werden hier sterben!"
"Unsinn, das werden wir nicht. Vielleicht haben wir ja irgendwie die Möglichkeit, den Umkreis zu erweitern", sagte Erwin und sah fragend zu Rico. Die runzelte eher kritisch die Stirn:"Da bin ich mir nicht so sicher, aber natürlich können wir es versuchen."
"Dann macht das. Jeder Meter zählt", bat der große Mann und die beiden klugen Frauen verschwanden wieder im Keller, wobei Hanji weiterhin voller Freude schien. Erwin besah sich das Radio und blickte dann nach draußen:"Hoffentlich hilft es ..."
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The Awakening
FanfictionEs gibt keine Dämonen? Das Böse existiert nicht? Dunkle Machenschaften sind Humbug? Das dachten auch Levi und Erwin. Doch dieser Glaube ändert sich schlagartig, als seltsame Geschehnisse passieren. Menschen drehen durch - bringen sich um, verstümmel...
