Kapitel 14: Erschöpfung

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Der Weg zur Uni stellte sich als etwas beschwerlich heraus, da viele der Straßen mit Autos zustanden und Jean tatsächlich getroffen wurde, weshalb er stark blutete. Dennoch versuchte Erwin, so ruhig wie möglich zu bleiben. Es brachte nichts, wenn sie jetzt alle in Panik ausbrachen. Das verstanden auch die anderen Erwachsenen. Die drei Jugendlichen jedoch drehten völlig am Rad. Eren schrie immer wieder, dass sie doch etwas tun müssten und Armin brabbelte unverständliches Zeug vor sich her.
"Jungs!", sagte Rico schließlich angestrengt:"Wir sind gleich da. Wenn wir in Sicherheit sind, dann schauen wir nach einem Verbandskasten und kümmern uns darum. Aber wenn wir jetzt einfach stehenbleiben, stehen die Chancen gut, dass diese Biester aus ihrem Versteck kommen und sich auf uns stürzen."
Viel ruhiger wurden die Jüngeren dadurch nicht, aber immerhin waren sie dann still.
Jean presste zitternd die Hand auf seine Wunde. Inzwischen war er leichenblass und traute sich kaum noch, sich in irgendeiner Art und Weise zu bewegen. 

"Okay, wir sind da. Wir tragen Jean rein. Levi, siehst du im Wagen schnell nach nem Verbandskoffer?", fragte Erwin und drehte sich nach hinten. Der Schwarzhaarige nickte und stieg schon aus, um zum Kofferraum zu gehen.
Jean wurde von Mike in die Eingangshalle der Universität getragen, wo Erwin, Hanji und Rico ausschwärmten, um zu sehen, ob die Luft rein war.
Kurz darauf kam Levi hinter ihnen rein und hob einen kleinen Verbandskasten hoch. Mike nickte ihm leicht zu und sag besorgt auf Jean runter, der vor Schmerz das Gesicht verzog und die Augen zusammenkniff.
"Wir müssen uns beeilen", murmelte Levi und sah sich nach den Anderen um. Erwin kam als Erster zurück:"Oben ist alles durcheinander, aber ich habe niemand anderen gesehen. Wenn Hanji und Rico nichts Besseres finden, können wir erstmal da hin. Von dort haben wir auch die Straße in Sicht."
"Dann geht hoch. Ich such die Anderen zusammen und komme nach", sagte Levi und gab seinem Mann die kleine Box aus dem Auto. Erwin betrachtete Levi kurz und nickte:"Gut, aber beeilt euch."

"Natürlich. Jetzt kümmert euch um Jean, sonst verblutet der hier", sagte der kleine Mann und warf dem Jugendlichen einen besorgten Blick zu, der sich aber schnell ins angeekelte wandelte als er das Blut an seinem Shirt sah.

"Gott. Zum Glück haben wir auch ein paar Klamotten mitgenommen", murmelte er und wandte sich ab, um die beiden Frauen zu suchen.
Der Rest der Gruppe folgte Erwin nach oben, wo sie sich eines der ehemaligen Büros raussuchten, um Jean dort auf eine Couch zu legen, die dort stand.
"Okay, eigentlich müssten wir ihm die Kugel entfernen", murmelte Armin leise und sah panisch auf Jean runter. Dieser starrte ihn an:"Ich schwör, wer auch immer da rumpopelt hat danach ne gebrochene Hand!"
"Wir haben eh keine Pinzette", murmelte Erwin als er den Verbandskasten aus dem Auto geöffnet hatte.
"Das ist doch eine Uni für Biologie. Hier wird es sicher irgendwo Pinzetten geben!", fiel Armin ein und schon durchsuchte er den Schreibtisch, doch nichts fand sich. Erwin ging auf den Flur und sah sich um. Levi und die beiden Frauen kamen auf sie zu und sahen ihn fragend an:"Was ist?"
"Wir brauchen eine Pinzette. Irgendwo muss doch eine sein", sagte der Blonde. Hanji nickte sofort:"Wir kommen von einem Flügel mit Laboren und ich hab gleich mal was mitgebracht für Jean."
Triumphierend hielt sie das Laborgerät hoch und ging dann schnell ins alte Büro. Dort hielten Mike und Erwin Jean an Beinen und Armen fest, damit Hanji dem Jungen die Kugel rausziehen konnte, was sofort zu mehr Blutungen führte. Der Aschblonde stöhnte auf und wand sich hilflos unter ihnen:"Fuck!"
"Alles gut, ich hab alles im Griff", sagte Hanji und nahm Jeans Shirt, um es auf die Wunde zu drücken - das schmerzvolle Stöhnen des Jungen ignorierte sie:"Es wäre einfacher, hätte der Typ dich im Arm getroffen."
"Scheiße! Sorry, dass halt grad mein Körper im Weg war!", schrie Jean unter Schmerzen und drehte keuchend den Kopf weg.
Armin hatte sich abgewandt und hielt sich die Ohren zu. Auch Eren wirkte recht blass und es tat ihm wirklich leid, seinen eigentlichen Feind so leiden zu sehen.

Levi war wieder rausgegangen und kam nun mit mehreren Verbänden zurück, damit sie sich besser um Jeans Wunde kümmern konnten.
Das überließ er Hanji und Mike. Mit den anderen suchte er nach weiteren Räumen, wo sie sich auch zum Schlafen gut niederlassen konnten. Dazu wählten sie einen Raum, von dem sie auf die Straße schauen konnten. Es schien wohl ein ehemaliger Pausenraum für Studenten oder Lehrer zu sein, denn er war recht groß und es gab drei Sofas sowie zwei Sessel.
"Das dürfte reichen", murmelte Levi und ließ sich müde auf einen der Sessel sinken, nachdem sie ihn ans Fenster geschoben hatten. Draußen war es zum Glück ruhig und noch war keines der abgedrehten Biester zu sehen. Einen Moment schloss er die Augen und zuckte erschrocken zusammen, als Rico ihm eine Hand auf die Schulter legte:"Ruh dich aus. Ich passe auf."
"Okay ... Aber wenn du nicht mehr kannst, weck mich", murmelte Levi und wusste jetzt schon, dass er kaum schlafen würde. Nun hatten sie einen Verletzten in der Gruppe. Jean hatte viel Blut verloren und würde dementsprechend geschwächt sein ... Was, wenn sie doch bald wieder abhauen mussten? Würde Jean das überhaupt schaffen? Erwin oder Mike konnten ihn zwar tragen, aber es würde sie aufhalten. Und wer wusste, ob ihnen das Auto auch weiterhin als Fluchtmöglichkeit blieb?

Zu viele Gedanken. Levi seufzte und rieb sich die Augen, bevor er dann doch versuchte zu schlafen.

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