Kapitel 17: Vorahnung

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Jeans Zustand besserte sich nach Lauras Behandlung zusehends. Er war immer noch geschwächt, aber die Wunde blutete nicht mehr und auch das Eitern hatte nachgelassen. Im Gegenzug hatte er erst noch mit Fieber kämpfen müssen, doch auch das verschwand nach zwei Tagen wieder.

Zwei Tage, ohne einen Angriff. 

Obwohl sie in Ruhe gelassen wurden, konnte die Gruppe sich nicht entspannen. Warum hatten sie in ihrer Heimatstadt so viele Probleme gehabt, einen sicheren Ort zu finden und hier konnten sie zwei Tage ohne einen Angriff überstehen?

Hatten die Biester aufgehört, Biester zu sein?

Levi hatte sich mehr und mehr zurückgezogen. Seit er entdeckt hatte, dass seine Augen sich schwarz verfärbt hatten, hatte er so viel Abstand wie möglich zu den anderen aufgebaut, ihnen jedoch nicht gesagt, was Sache war. Er wusste nicht, wie er darauf reagieren sollte. Er wusste nicht, wie er mit dieser Information umgehen sollte. Er wusste gar nichts ... Warum das so war. Was das bedeutete. Warum seine Augen nur zur Hälfte geschwärzt waren.
Auch jetzt saß er wieder allein in einem der leeren Zimmer. Er hatte den Stuhl zum Fenster gezogen und sah nach draußen. Überlegte, was er tun sollte. Doch egal, wie sehr er sich den Kopf zerbrach: Auf keine seiner Fragen bekam er eine Antwort.

"Levi? Wir gehen neue Lebensmittel besorgen. Kommst du mit?", fragte Erwin nachdem er an der Tür geklopft hatte. Er respektierte, dass Levi seine Ruhe wollte, auch wenn ihm das große Sorgen bereitete. Immer weniger bekam er Levi zu Gesicht und der kleinere erzählte ihm nicht einmal ansatzweise, was los war.

Dieser knirschte mit den Zähnen und ging ins Bad, um erneut nach seinen Augen zu sehen, doch das Schwarz war immer noch nicht sichtbar. Nur, wenn man die Lider hoch- oder runterzog.

"Levi?", ertönte erneut Erwins Stimme. Der Schwarzhaarige straffte die Schultern und kam dann raus zu seinem Mann:"Ja, ich komme mit. Es wird gut sein, rauszukommen. Wer ist noch dabei?"
"Eren, Rico und Mike", antwortete Erwin und lächelte leicht. Als Levi an ihm vorbeiwollte, hielt er ihn fest und küsste ihn kurz:"Ich liebe dich, das weißt du, oder?"
"Ich weiß. Ich dich auch", sagte Levi und sah in die wunderschönen, blauen Augen seines Mannes. Blaue Augen. Weiß ... Kein Schwarz.
Levi schluckte und sah weg:"Na los, lass uns gehen."
Er drückte Erwins Hand und gemeinsam kamen sie zu den Anderen, welche schon die Rucksäcke bereitgemacht hatten und aufbruchsbereit waren.

"Wir können los", bestätigte Erwin und kurz darauf machten sie sich auch auf den Weg. Erstmal zum nächsten Supermarkt, um zu sehen, was es dort noch gab. Leider lautete die Antwort "gar nichts". Der Laden war mehr oder weniger komplett leergefegt worden. Die Regale lagen im Weg und wurden zerstört.
"Tja ... hier wird es nichts mehr geben", murmelte Levi und schob ein paar Glasscherben mit dem Fuß zur Seite. Die anderen konnten nichts anderes tun als ihm zuzustimmen also gingen sie weiter und suchten den nächsten Laden auf, was schwieriger war als man annehmen würde. Aber schließlich kannten sie sich nicht in dieser Stadt aus.

"Warum ist Laura nicht mitgekommen?", fragte Levi stirnrunzelnd nach.

"Sie will das Krankenhaus nicht verlassen. Zu gefährlich", erklärte Rico und zuckte mit den Schultern:"Wobei ich hier bis jetzt kein Biest gesehen habe. Als hätten alle die Stadt verlassen. Wirklich alle."
"Mhm", Mike brummte zustimmend. Er und Erwin sahen sich aufmerksam um, damit sie nicht in einen Hinterhalt gerieten oder dergleichen.

Sie erreichten ein größeres Einkaufszentrum und betraten es. Im Erdgeschoß fanden sich diverse Lebensmittelgeschäfte. Die kleine Gruppe teilte sich auf und sie suchten alles an brauchbaren Nahrungsmitteln zusammen, was sie nur finden konnten. Auch hier war alles verwüstet, doch immerhin gab es noch genug Essen, das sie einpacken konnten.

Levi hatte seinen Rucksack voll und verließ gerade das Geschäft als er stockte und stehenblieb. Seine Augen weiteten sich. Er wusste nicht, was genau er spürte, aber es erfüllte ihn mit Unruhe.
"Erwin? Mike! Wir müssen gehen", rief er und ging los:"Eren, Rico!"

Die anderen kamen mit verwirrten Gesichtern zu ihm:"Was ist los?"
"Wir müssen gehen. Jetzt", sagte Levi ernst und fasste sich an die Schläfe.
"Levi? Was .. ist denn?", fragte Erwin besorgt und kam zu ihm, um ihm über die Wange zu streichen. Doch Levi stieß seine Hand weg und starrte ihn panisch an:"Sie kommen."

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