Woche 4, Tag 3

80 4 0
                                        

"Hast du deinen Schläger?"

Alex nickte und winkte mir mit ihrem Schläger zu, der im grellsten Pink gefärbt war. Ich selbst hielt meinen eigenen Schläger und eine Flasche Wasser in den Händen.

Es war ein heißer und schwüler Nachmittag, doch wir konnten es uns nicht nehmen lassen für das Lacrosseturnier am Freitag zu trainieren. Die Jungs waren bereits zum Spielfeld voraus gegangen, während Alex noch damit beschäftigt gewesen war, ihren Schläger zu suchen.  Billie lehnte an der Säule vor der Blockhütte, hatte ihr Gesicht in die Sonne gestreckt und die Augen geschlossen. Als sie hörte, wie Alex und ich aus der Hütte traten, öffnete sie ein Auge und musterte uns. "Da seit ihr ja endlich." Sie hatte ihre dunklen braunen Wellen zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und statt ihrer Brille trug sie Kontaktlinsen. Die kurzen Sportshorts betonten ihre Beine, die im Laufe der letzten Woche eine hübsche Bräune angenommen hatten.

"Alex hat ihren Schläger nicht mehr gefunden." Ich deutete auf Alex hinter mir. Angesichts der drückenden Hitze war ich froh, dass ich mir meine Haare aus dem Gesicht gezopft hatte. Ich warf mir meinen Schläger über die Schulter und lief den anderen beiden voraus. Ich hörte, wie mir die beiden durch das blasse, trockene Gras folgten. Wir liefen das kurze Stück durch den Wald und kamen schließlich an der Lichtung, die das Spielfeld umrahmte, an.

Die Jungs standen am Spielfeldrand im Schatten eines großen Baumes, die Schläger auf dem Boden abgelegt und in eine Diskussion vertieft.

Da es beim Turnier am Freitag nicht möglich war Teams mit je zehn Spielern zu bilden, war die Teamgröße auf sechs reduziert worden. Tony und ich würden im Angriff spielen, Milo und Dallas im Mittelfeld, Alex in der Verteidigung und Billie würde wie immer im Tor stehen. 

"Na, seit ihr auch schon da?" Tony hatte uns seinen Blick zugewandt. Er trug dunkelgraue Shorts und ein dunkles enges T-shirt. Als seine Augen auf mich fielen versuchte ich nicht daran zu denken, was gestern auf Oakland Ranch passiert war, denn das würde unausweichlich dazu führen, dass sich meine Wangen rot färbten.

Alex grinste bloß und fuchtelte mit ihrem Schläger herum. "Ihr wart bloß zu früh."

Ich verkniff mir ein Lachen. 

"Alles klar, Alex." Dallas verdrehte seine Augen und Alex schickte ihm daraufhin ein Luftküsschen.

Nach vielen weiteren kindischen Verzögerungen auf Seiten von Alex, schafften wir es endlich unser Training zu starten.

Das Training war nur improvisiert, da wir nicht genug Spieler hatten, um ein echtes Spiel zu simulieren. Tony und ich versuchten den Ball, den uns Milo oder Dallas zuspielten ins Tor zu versenken, während Alex und Billie versuchten uns davon abzuhalten. 

Am Ende des Nachmittages waren wir durchgeschwitzt und vollkommen erschöpft. Schweiß rann mir über die Stirn und verklebte meine Haarsträhnen. Ich genehmigte mir noch einen Schluck aus meine Wasserflasche und genoss den Schatten der Bäume, die die Hitze ein wenig erträglicher machten. 

"Du hast gut gespielt." 

Ich wandte mich um und entdeckte Tony, der sich zu mir in den Schatten gesellt hatte. Seine dunklen Haare waren verschwitzt und fielen ihm ins Gesicht. Ich lächelte. "Dankeschön. Du warst auch sehr gut." Das wusste er vermutlich schon. Tony war bei Weitem der beste Lacrossespieler, den ich kannte. Nicht umsonst hatte er ein Stipendium an der Columbia ergattert. 

Milo und Dallas kamen zu uns in den Schatten. "Wir werden gewinnen am Freitag. Das Team von Prudence und Linda ist nicht annähernd so gut wie unseres und alle anderen Teams haben noch nicht mal Lacrossespieler.", sagte Milo. Er hatte sich sein verschwitztes T-shirt ausgezogen und stellte seinen muskulösen Oberköper zur Schau, was ich zu ignorieren versuchte. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, wie Tony seine Augenbrauen erhob. Ich drehte mich so, so dass ich direkt vor Tony stand und grinste ihm zu. "Willst du nach dem Abendessen noch in den See? Gestern Abend sah es so schön aus und wir müssen die Zeit hier noch ausnützen." Ich spürte mein Herz in der Brust pochen und war selber ganz erstaunt von meinem Handeln, doch das prickelnde Gefühl der Aufregung auf meiner Haut fühlte sich gut an.

Camp SilvertownGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt