Das Lagerfeuer am Abend war Pflicht. Also scharrten sich etwa dreißig Leute um das große Feuer, saßen auf Baumstämmen und tranken Cola, das heimlich etwas aufgepeppt worden war.
Auch ich trank 'Cola mit Geschmack', wie Milo es so schön nannte. Es war das erste Mal, das ich Alkohol trank. Ich zwang mich langsam zu trinken, auch wenn ich ziemlich Durst hatte.
Dallas spielte auf seiner Gitarre, was schön war und ihm einige schmachtende Blicke von Mädchen einbrachte, nicht dass ihm die nicht sowieso zu Teil wurden.
Billie unterhielt sich mit Linda, die mit uns im Lacrosseteam der Mädchen war und Alex lehnte erschöpft an Milos Schulter. Währenddessen flirtete er mit einem Mädchen auf seiner anderen Seite. Ich fand das Bild irgendwie witzig, weshalb mir ein kleines Lachen entschlüpfte.
"Was ist so witzig?"
Verwundert sah ich auf. Es war Anthony. Gerade noch hatte er neben Dallas gesessen, doch jetzt ließ er sich neben mich auf den Baumstamm plumpsen. Seine Mundwinkel waren zu einem schiefen Lächeln verzogen und er sah mich mit erhobenen Augenbrauen an.
Ich grinste und sah dann wieder zu Milo und meiner besten Freundin.
"Ah, versteh schon. Milo flirtet mit irgendeinem Mädchen, obwohl schon eines der schönsten Mädchen an seiner Schulter lehnt." Anthony blickt mir in die Augen. "Sie sind bloß Freunde, das weißt du doch."
Ich verdrehe lächelnd die Augen. "Ich weiß. Ich fand nur das Bild so witzig."
Er nickt und zuckt mit den Schultern. "Du warst wohl nicht auf vielen Schulparties, wenn du das hier das erste Mal siehst."
Ich schlucke. Damit hat er ins Schwarze getroffen. Die letzte Party auf der ich war, fand in der Neunten Klasse bei Alex Zuhause statt. Ich war so geschockt von den Eskapaden meiner Mitschüler, dass ich von da an nie wieder einen Schritt auf eine solche Veranstaltung gewagt hatte.
Ich nahm einen Schluck von meinem Getränk und er lachte, als er sah wie ich das Gesicht verzog. "Ist da etwa Alkohol drinnen? Du hast do-.."
"Tony?!"
Gleichzeitig drehten wir uns um. Hinter uns stand Sophia. Tonys Freundin war verdammt hübsch. Sie war groß, mit hellbraunem langem Haar und grauen Augen. Sie hatte ein ansteckendes Lächeln, das im Moment allerdings nicht zu sehen war.
"Ja?"
Sie schluckte und sah kurz entschuldigend zu mir, bevor sie sich wieder an ihren Freund wandte. "Können wir kurz reden?"
Der braunhaarige Junge spannte seinen Kiefer an, dann zwang er sich zu einem kleinen Lächeln. "Muss das jetzt sein? Ich bin mitten in einem Gespräch." Er warf mir einen Blick zu.
"Ja." Damit drehte sie sich um und ging davon.
Es war mir total unangenehm, dass zwischen den beiden dicke Luft herrschte. Ich räusperte mich. "Du solltest mit deiner Freundin reden, ich glaub sie ist sauer." Irgendwie hatte ich das Gefühl, das hatte etwas damit zu tun, dass er gerade mit mir redete. Ich hätte sie nicht so eifersüchtig eingeschätzt.
Anthony lachte und stand damit auf. "Klar, ist sie das, aber sie ist eigent-.."
"Tony!"
Er seufzte und ging dann einer, jetzt wütend wirkenden Sophia, hinter her.
Ich beobachtete die Beiden noch kurz. Sophia schien sich über irgendetwas aufzuregen und sofort meldete sich mein schlechtes Gewissen. Ich wandte den Blick ab und starrte in das Lagerfeuer. Als ich das nächste Mal hinsah, lag sie in seinen Armen.
Ich versuchte mich anderweitig zu beschäftigen und betrachtete nach und nach die Leute am Lagerfeuer. Viele von ihnen kannte ich schon mein ganzes Leben lang, mit einigen war ich in der Grundschule oder der Middleschool befreundet gewesen, doch in der Highschool hatte ich mich ziemlich zurückgezogen, was ich jetzt irgendwie bereute.
Mein Blick blieb an Otis hängen. Der schlacksige Blonde winkte mich zu sich und ich ging lächelnd zu ihm hin. "Hey, Otis."
"Olivia. Ist alles okay?"
Ich lachte. "Klar. Wieso fragst du?"
Er zuckte mit den Schultern und sah mich prüfend an. "Du hast so gewirkt, als wärst du in Gedanken."
"Ja, tut mir leid. Ich sollte mich wohl mehr aufs hier und jetzt konzentrieren."
Er legte seinen Arm um mich. "Das solltest du wirklich."
Es wurde trotzdem noch ein schöner Abend. Irgendwann packte Mr. Miller Marshmallows aus, die wir an Stöcken grillten. Der süße geschmolzene Zucker verklebte unsere Münder und wir fühlten uns, wie Kinder auf Klassenfahrt.
Otis war witzig und ich verstand mich gut mit ihm. Wir redeten über Science Fiction (sein absolutes Lieblingsthema) und dachten uns Geschichten aus, wie wohl die Zukunft unserer Mitschüler aussehen würde. Ich lachte sehr viel und verbannte die unwillkommenen Gedanken.
Alex, Billie und ich setzten uns später noch auf unsere kleine Veranda und lauschten den Geräuschen der Nacht. Wir starrten auf den See, der schwarz im Licht der Sterne glänzte und uns eine kühle Brise bescherte. Ich hatte Bauchschmerzen von unserem klebrigen Snack und dem vielen Lachen.
"Ich kann es nicht fassen, dass wir ab Herbst getrennte Wege gehen werden." Billie zog die Beine auf den Stuhl und umklammerte sie fest.
"Ich werde euch ganz schön vermissen." Alex gähnte. Sie war heute schon den ganzen Tag so müde.
Ich lächelte. "Ich werde euch auch vermissen."
Billie sah mich an, sie hob eine Augenbraue hoch und senkte dann ihren Blick auf ihre Fingernägel. "Wer war eigentlich dieser Junge vorhin?"
"Otis?", fragte ich.
Sie klappte den Mund auf und riss die Augen auf. "Das ist Otis? Otis Franklin?"
Ich runzelte die Stirn. "Jaa?"
"Oh, wow. Der hat sich ja total verändert."
Alex nickte. "Er sieht gut aus." Dann grinste sie und stand auf. "Ich muss jetzt echt ins Bett. Ich bin todmüde."
Wir wünschten ihre eine gute Nacht. Dann warf ich Billie einen fragenden Blick zu. "Wieso ist sie so müde?"
Sie zuckte mit den Schultern. "Keine Ahnung."
Irgendwann lag ich in meinem schmalen Bett und starrte an die hölzerne Decke über mir. In meinem Kopf herrschte mal wieder ein Gedankenkarussel. Ich konnte das Denken nicht einfach abschalten, weshalb ich auch nicht schlafen konnte. Alex neben mir schnarchte leise und Billie murmelte hin und wieder etwas in ihr Kissen.
Ich seufzte und drehte mich auf die andere Seite. Ich war enttäuscht von mir, dass ich die alten Verhaltensmuster nicht einfach ablegen konnte. Ich wäre wirklich gern aufgeschlossener und selbstbewusster, aber es war sehr schwer für mich das auch umzusetzen.
Die Leute waren eigentlich wirklich alle nett, ich hatte nur zu wenig Mumm in den Knochen auf sie zu zu gehen. Und bis auf Dallas, Milo und Anthony ging auch niemand wirklich auf mich zu, was ich wohl mit meinem Verhalten in den letzten Jahren zu verantworten hatte.
Mit einem mulmigen Gefühl im Magen und kreisenden Gedanken schlief ich schließlich ein.
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Camp Silvertown
Fiksi RemajaOlivia Benett fühlt sich wie ein Geist. Auch nach vier Jahren Highschool, in denen sie jeglicher Konfrontation mit Parties, Jungs und Spaß auswich, kann sich kaum jemand an ihren Namen erinnern. Das will sie ändern. Und was bietet eine bessere Mögl...
