Woche 4, Tag 5

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Der letzte Tag des Camps fühlte sich merkwürdig an. Aufregung hing in der Luft, gemischt mit Wehmut und freudiger Erwartung. An diesem Tag endete unsere Schulzeit so richtig, obwohl wir unseren Schulabschluss schon vor mehr als einem Monat gemacht hatten.

Beim Frühstück wurde viel getuschelt. Alle waren nervös wegen des Turniers, das am Vormittag beginnen würde und freuten sich auf die Party, die am Abend zum letzten Mal steigen würde.

"Mir wird schlecht bei dem Gedanken daran, dass ich in drei Wochen am College bin.", sagte Billie und schaufelte missmutig ihr Müsli in den Mund. Otis, der neben ihr saß, betrachtete sie belustigt. "Wenn du so weiterisst, brauchst du dir keine Sorgen zu machen... bis dahin bist du bestimmt schon an deinem Müsli erstickt."

Billie funkelte ihn böse an, sie hatte den Mund voller Müsli, Milch rann ihr die Mundwinkel entlang bis über das Kinn. Alex betrachtete sie, verzog ihr hübsches Gesicht und sagte: "Das ist echt eklig, Billie."

Doch diese zuckte bloß mit den Schultern, schluckte ihr Müsli runter und nahm einen Schluck aus ihrer tonfarbenen Kaffeetasse. "Für das Turnier brauch ich eben Energie."

"Ich bin froh, dass ich heute den ganzen Tag chillen kann.", meinte Otis, der sich mit den Ellenbogen auf der Tischkante abstütze. "Ich werde euch natürlich anfeuern, vielleicht tanz ich sogar ein bisschen für euch."

"Oh, du wärst bestimmt ein heißer Cheerleader, Otis." Alex warf ihm einen amüsierten Blick zu und Billie grinste. Ich lachte leise und widmete mich wieder dem Rührei auf meinem Teller.

"Was gibt es denn zum lachen?", fragte jemand hinter uns und als ich mich umdrehte, erkannte ich Tony, der sich grinsend neben mich hersetzte. Er küsste mich auf die Wange und legte einen Arm um mich. Er roch frisch geduscht und ich lächelte ihm zu. "Otis wird heute unser Cheerleader sein.", erklärte ich ihm und sein Grinsen wurde noch ein bisschen breiter.

"Hast du schon gefrühstückt?" Ich deutete mit meiner Gabel auf den leeren Tisch vor ihm und er nickte. "Ja, ich steh meistens früher auf, um laufen zu gehen und frühstücke danach."

Alex verdrehte die Augen. "Da wird einem ja beinahe schlecht vor Motivation."

Tony zuckte mit den Schultern. "Mir bleibt nichts anderes übrig, wenn ich mein Stipendium nicht verlieren will." Ich schenkte ihm ein Lächeln und ließ ihn sogar noch zwei Gabeln von meinem Rührei mitessen. Dann räumten wir unsere Tabletts weg und Tony und ich machten uns in die Küche auf, um den Küchendienst zu erledigen.

"Du hast gar nicht erzählt, dass du morgens immer laufen gehst.", sagte ich, als ich ihn dabei betrachtete, wie er sich seinen Pulli auszog. Er legte seinen Pulli auf einen nahestehenden Stuhl und blickte mich achselzuckend an. "Kam eben nie zu Gespräch, oder?"

Ich nickte, runzelte allerdings etwas die Stirn. Ich rief Julia und Adrian ein Hallo zu und machte mich dann daran das Geschirr in die Spülmaschine einzuräumen. Ich schluckte und versuchte den Gedanken aus dem Kopf zu kriegen, der mir seit eben im Kopf hing. Wenn ich nicht einmal so substantielle Dinge von Tony wusste, kannte ich ihn dann überhaupt? Vor vier Wochen hatte ich noch nicht mal länger als zwei Minuten mit ihm geredet, mit Ausnahme von schulischen Dingen. Er behauptete jedoch, er wäre schon seit Ewigkeiten in mich verliebt. Wie konnte er überhaupt verliebt sein, wenn er mich doch gar nicht richtig kannte? Was, wenn ich seinen Ansprüchen nicht entsprach und er irgendwann erkannte, dass er nur in eine Vorstellung in seinem Kopf verliebt war?

Tony, der inzwischen die Tabletts stapelte, schien nicht zu bemerken, dass ich ihm immer wieder nachdenkliche Blicke zu warf. Ich war so sehr in Gedanken, dass ich noch nicht mal merkte, als Julia neben mir auftauchte und mit mir sprach. Erst als Tony sich umdrehte und mir einen fragenden Blick zu warf, löste ich mich aus meiner Starre. Verwirrt sah ich Julia an. "Verzeihung. Was hast du gerade gesagt?"

Camp SilvertownGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt