Kapitel 12 oder die Sache mit dem Erklären

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„Ihr habt also die Körper getauscht?", fragte Hinata mit gerunzelter Stirn.

Er sah dabei gleichermaßen konzentriert und verwirrt aus und ich war erleichtert, dass er mich nicht mehr so böse anfunkelte. Als er uns die Tür geöffnet hatte, hätte er mich wohl am liebsten mit den Augen erdolcht, aber jetzt sah er wieder so freundlich aus wie immer.

Kageyama und ich nickten zur Bestätigung.

„Das heißt, du bist", er wandte sich mir zu, „Fukuyoshi."

Obwohl es keine Frage war, nickte ich.

„Und du spielst wirklich furchtbar Volleyball."

Ich lächelte schief: „Schuldig im Sinne der Anklage."

Er nickte, als würde er verstehen und drehte sich dann zu Kageyama. Offenbar hatte er meine Angewohnheit mit dem Nägelkauen übernommen, denn er knabberte gerade an einem Daumennagel.

„Du hattest gestern einen Rock an, Kageyama."

Kageyama rutschte unwohl auf dem Teppich herum und guckte böse. Weil er heute die freie Wahl gehabt hatte, trug er eine gemütliche Jogginghose (die ich natürlich nie zum Joggen trug) und einen dicken Pullover. Ich war froh, dass er sich nicht wieder an der Kostümkiste bedient hatte.

Während Hinata ihn anstarrte, verfinsterte sich Kageyamas Gesichtsausdruck noch ein bisschen mehr. Er konnte wirklich meisterlich böse gucken, sogar mit meinem Gesicht.

„Himmel, du bist es wirklich, oder?"

„Natürlich bin ich es, Hinata-Boke."

„Und das geht wirklich schon seit einer Woche so, ohne dass es jemand gemerkt hat?", hakte er nach, scheinbar immer noch nicht richtig überzeugt.

„Wärst du drauf gekommen, dass ich Sayo bin?", fragte ich spitz.

„Nein", gab er zerknirscht zu.

„Ich wusste schon, dass irgendwas nicht stimmt. Ich hab' ein paar Mal am Milchautomat auf dich-", er warf mir einen Blick zu, „nein, auf Kageyama gewartet, aber er ist nie aufgetaucht."

„Weil ich eigentlich keine Milch vertrage und deshalb nie welche trinke", erklärte ich kleinlaut.

Hinata fing an zu lachen, als hätte er noch nie etwas Lustigeres gehört. Kageyama zögerte nicht lange und boxte ihm gegen den Arm.

„Das ist nicht fair!", jammerte Hinata, „Ich schlage keine Mädchen."

„Ein Grund mehr, dich zu hauen", verkündete Kageyama.

Plötzlich wurde Hinata blass: „Das mit deiner Nase -das war gar kein Unfall, oder?"

Ich rieb mir über die Arme, um ein bisschen Zeit zu schinden. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich das in Kageyamas Körper viel seltener machen musste, weil mir nicht ständig kalt war. Ob er wohl andersrum jeden Abend mit einer Wärmflasche im Bett lag und vor sich hin bibberte? Da Hinata mich noch immer anschaute, als hätte er einen Geist gesehen, musste ich mir schnell etwas einfallen lassen.

Ich fragte mich, was ich wohl davon halten würde, wenn mir jemand sowas über Shirono erzählt hätte. Begeistert wäre ich jedenfalls nicht gewesen. Dass Kageyama mir die Nase gebrochen hatte, war also ein Detail, das Hinata vielleicht nicht unbedingt wissen musste.

„Das war ein Unfall", beteuerte ich schließlich entschieden.

Ganz gelogen war das ja nicht, immerhin hatte er meine Nase nur zum Bluten bringen wollen. Wir waren dabei nur ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen. Hinata entspannte sich wieder und ich registrierte erleichtert, dass er uns tatsächlich glaubte.

Herzbube ✔ [Kageyama Tobio, Haikyuu!]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt