Am Mittwoch war wieder Training und mein Herz klopfte schon beim Betreten des Clubraums als hätte ich einen Sprint hinter mir. Es roch fürchterlich nach Schweiß und Deo, normalerweise hätte sich bei diesem Odeur sofort meine Lunge verkrampft, aber in Kageyamas Körper verzog ich nur das Gesicht.
„Eure Majestät lässt sich also tatsächlich blicken, nachdem er aus dem letzten Training geflogen ist. Wirklich mutig."
Es war derselbe Typ wie gestern, der diesen dummen Kommentar vom Stapel ließ. Er musste ein richtiger Riese sein, denn er überragte selbst Kageyama noch um ein gutes Stück. Ich hätte ihn gerne mit einem von Kageyamas tödlichen Blicken bedacht, aber ich war mir nicht sicher, ob ich diese Kunst in meinem Zustand meistern würde. Mein Magen fuhr fleißig Karussell, während ich krampfhaft versuchte, das Mittagessen bei mir zu behalten.
„Lass das Tsukishima", kam mir Hinata zu Hilfe.
Sofort fühlte ich mich ein bisschen besser. Leider fügte er dann noch hinzu: „Heute macht Kageyama dich wieder fertig. Er ist schließlich der König des Spielfelds."
Ich zog eine Grimasse. Weder heute noch morgen würde ich irgendjemanden fertig machen und um es in Kageyamas Worten zu sagen, höchstens ‚der König der verpatzten Aufschläge' werden. Nach dem Debakel gestern hatte Kageyama seine gesamte Überredungskunst aufbringen müssen, damit ich überhaupt nochmal einen Fuß in die Sporthalle setzte. Schließlich hatte er sogar versucht, mich mit Süßkram zu bestechen. Letztendlich hatte ich jedoch nur zugestimmt, weil er so verzweifelt klang (naja, und vielleicht ein bisschen wegen der Süßigkeiten).
„Guck dir den König doch mal an, Shrimp, der macht heute niemanden fertig", sagte der Junge mit der Brille in so spöttischem Tonfall, dass ich die Hände zu Fäusten ballte.
Ja, ich hatte die Schultern in einer defensiven Geste hochgezogen und hielt den Kopf gesenkt, aber darauf musste man doch nicht auch noch zusätzlich rumhacken. Die Mädchen im Nähclub würden niemals so miteinander sprechen. Tanaka versetzte dem Riesen, der scheinbar Tsukishima hieß, einen Schlag in die Seite. Er hatte die Haare bis auf wenige Millimeter abrasiert und konnte mindestens genauso böse gucken wie Kageyama, was er dem blonden Riesen soeben demonstrierte. Hoffentlich würde mir nie diese Aufmerksamkeit zu Teil werden.
„Suchst du Streit?", rief ein kleiner Spieler und sprang auf Tsukishimas Rücken.
Kageyama hatte gesagt, der Kleine mit der großen Klappe hieße Nishinoya und da der Junge, der sich trotz aller Versuche ihn abzuschütteln an Tsukishimas Hals festklammerte und dabei vergnügt kreischte, der kleinste im Raum (und nach Tsukishima, der lauthals schimpfte auch der lauteste) war, konnte ich auch diesem Gesicht endlich einen Namen zuordnen. Fragen konnte ich schließlich nicht.
Es war irgendwie ein lustiger Anblick, Hinata und Nishinoya zwischen all den hochgewachsenen Jungs zu beobachten; sie fingen beide schon während dem Umziehen an, ungeduldig herumzuhopsen, als könnten sie es kaum abwarten, mit dem Training zu beginnen.
Während ich meine Schuluniform gegen meine Sportkleidung tauschte, starrte ich unablässig die Wand an. Was die Jungs wohl dazu sagen würden, wenn sie wüssten, dass sich ein Mädchen in ihre Mitte geschlichen hatte? Quasi das Schaf im Kageyama-Pelz.
Ich musste sehr verkrampft aussehen, denn ein Junge mit sommersprossigen Wangen schaute mich komisch von der Seite an und fragte: „Alles in Ordnung, Kageyama? Du siehst irgendwie aus, als würde es dir nicht gut gehen."
„Ähm ja", sagte ich, „mir ist ein bisschen schlecht."
Das hatte zwar nichts damit zu tun, dass ich meine volle Aufmerksamkeit der Wand widmete, war aber immerhin ein bisschen glaubhafter als die Wahrheit.
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Herzbube ✔ [Kageyama Tobio, Haikyuu!]
Fanfiction♡ Herz·bu·be [der] ♡ Spielkarte und auf keinen Fall mehr. ♡ Ein kleiner Zauber und ein Zufall führen dazu, dass Kageyama und Fukuyoshi sich im Körper des jeweils anderen wiederfinden. So bekommen sie es in der fremden Haut mit einer hyperaktiven Vol...